- 16.04.2016, 11:22:07
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Flüchtlinge: Superintendent Dantine kritisiert „übertriebene Alarmstimmung“
Mit der Rede vom drohenden Notstand fällt Politik Helfern in den Rücken
Utl.: Mit der Rede vom drohenden Notstand fällt Politik Helfern in
den Rücken =
Salzburg (OTS) - Deutliche Kritik an der aktuellen
Flüchtlingspolitik hat der Superintendent der evangelischen Diözese
Salzburg/Tirol, Olivier Dantine, geübt. Die von der Bundesregierung
ausgelöste „Alarmstimmung“ sei aus seiner Sicht „völlig übertrieben
und unangebracht“, sagte der Superintendent am Samstag, 16. April,
bei der Superintendentialversammlung in Salzburg, bei der Delegierte
aller evangelischen Pfarrgemeinden der Diözese Salzburg/Tirol
zusammenkommen. Dantine: „Der Blick in unsere Gemeinden aber vor
allem darüber hinaus zeigt, wie groß noch immer die Hilfsbereitschaft
in weiten Teilen der Bevölkerung ist.“ Zudem gebe es nach wie vor
viele politische Gemeinden, in denen keine Flüchtlinge untergekommen
sind. „Die Rede von der notwendigen Abschreckung von Flüchtlingen und
dem drohenden Notstand bewirkt eine noch stärkere Abkehr von einer
akzeptierenden und hilfsbereiten Stimmung. Die Politik fällt damit
allen Hilfsorganisationen und freiwilligen Helfern in den Rücken. Wo
mehr Vertrauen notwendig wäre, werden durch Aussagen und Maßnahmen
der verantwortlichen Politiker Ängste geschürt“, warnt der
Superintendent. Die geplanten Verschärfungen des Asylgesetzes sieht
Dantine als „menschenrechtlich äußerst bedenklich“.
Dantine erinnerte vor den Delegierten an das umfangreiche
Engagement in evangelischen Pfarrgemeinden und Einrichtungen für
Flüchtlinge. Schon seit langem ist der Diakonie Flüchtlingsdienst
sowohl in Tirol als auch in Salzburg tätig, mit Rechtsberatung in
diversen Organisationsformen, Integrationsprojekten und einem Projekt
für Psychotherapie. Im Integrationshaus in Salzburg Lehen beherbergt
der Diakonie Flüchtlingsdienst etwa 70 Flüchtlinge. Neu eingestiegen
ist das Diakoniewerk, das letztes Jahr in Liefering eine
Flüchtlingsunterkunft für etwa 60 AsylwerberInnen in der
Grundversorgung eröffnet hat. Mehrere ehrenamtliche Helfer aus
Pfarrgemeinden begleiten und betreuen die Flüchtlinge. Mittlerweile
betreibt das Diakoniewerk in der Straniakstraße in Salzburg-Kasern
eine weitere große Unterkunft mit 250 AsylbewerberInnen.
Unterstützung kommt auch von der Schule für Sozialbetreuungsberufe
des Diakoniewerkes in Salzburg, die mit dem Fachmodul „Flucht und
Integration“ auf den Bedarf nach qualifizierten Personal in diesem
Bereich reagiert.
Der Schwerpunkt des Engagements der Pfarrgemeinden sieht der
Superintendent neben Deutschkursen und der Begleitung von
Flüchtlingen im Schaffen von Begegnungsräumen. Zwar werde auch von
einigen Pfarrgemeinden Wohnraum zur Verfügung gestellt, dennoch
hätten hier „andere Organisationen mehr Möglichkeiten als
Pfarrgemeinden“. „Gerade Angebote, die sich gemeinsam an Flüchtlinge
und an die hiesige Bevölkerung richten, sind wichtig“, so der
Superintendent weiter. Gute Beispiele dafür seien etwa
Begegnungscafés oder eine Kochaktion von Flüchtlingen für
Einheimische. Dantine: „Begegnung ist möglich, es wird deutlich, dass
auch die Schutz suchenden und neu angekommenen Menschen uns etwas
bieten können. Wichtig ist, dass Angst abgebaut und Vertrauen
aufgebaut wird.“ Gerade hier könne die relativ kleine evangelische
Kirche einen wichtigen Beitrag leisten.
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