- 15.04.2016, 11:15:22
- /
- OTS0096 OTW0096
PRAEVENIRE Gesundheitsforum Seitenstetten: Healthy Ageing und Healthy Lungs für Haslach

Wien (OTS) - Im Rahmen des PRAEVENIRE Gesundheitsforums in
Seitenstetten wurde „Healthy Ageing – Healthy Lungs“ als zweiter
Themenblock ausgewählt. Die Zusammenhänge von Asthma, Rehabilitation
und die Auswirkungen des Klimawandels standen auf der Themenagenda.
Ganz getreu dem PRAEVENIRE-Motto: zuhören, beitragen und umsetzen.
Die Experten am Podium verfolgten das Ziel, international
erfolgreiche Lösungen zu diskutieren und auf Basis von
österreichischen Beschlüssen ein Modell zur konkreten Umsetzung in
der oberösterreichischen Marktgemeinde Haslach zu entwickeln.
Seitenstetten – 15. April 2016: Als erste Speakerin führte
Univ.-Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger, Professorin für Geratrie
an der Medizinischen Universität Graz, in den Themenblock Healthy
Ageing und Healthy Lungs ein und gab einen Überblick über das gesunde
Altern. „Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu einer Veränderung
der funktionellen Reserven. Unser Gesundheitssystem geht noch zu
wenig auf die Bedürfnisse älterer Menschen ein. Resilienz ist eine
der möglichen Varianten um Gesundheit zu definieren. Aus Sicht der
Altersmedizin benötigen wir multidimensionale Ansätze. Wenn man vom
aktiven und gesunden Altern spricht, gilt es zu Bedenken, dass der
physiologische Abbau über die Lebensphasen normal ist. Maßnahmen
müssen aber davon getrieben werden durch Förderung der Resilienz, den
Abbau in diesen normalen Grenzen zu halten“, so Univ.-Prof. Dr.
Regina Roller-Wirnsberger.
Epidemiologie von Asthma & COPD
Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghofer, Leiter des 1. Internen
Lungenabteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe Otto
Wagner Spital, beschäftigte sich zu Beginn seines Impulsstatements
mit chronischen Lungenerkrankungen. Er stellte klar, dass Asthma und
COPD zwei unterschiedliche Erkrankungsformen sind und in der
öffentlichen Diskussion nicht verwechselt werden dürfen. Außerdem
gibt er einen Ausblick und spricht über Trends dieser Volkskrankheit.
„Innerhalb Europas sterben mehr als 100.000 Menschen an Asthma
bronchiale pro Jahr. Die meisten Kosten für das Gesundheitssystem
entstehen in diesem Erkrankungsbereich durch Fehlzeiten in der
Arbeit. In Österreich weisen 31 % der Menschen Allergien auf –
Tendenz steigend. COPD wird 2020 die dritthäufigste Todesursache in
der westlichen Welt sein. Wir haben eine sehr hohe Dunkelziffer zu
COPD. Rund 20% der COPD-Patienten sind diagnostiziert, 80% nicht“, so
Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber.
Seltene Lungenerkrankungen im Fokus
Über die Epidemiologie seltener Lungenerkrankungen in Österreich
diskutierte Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter des Zentrums
für Lungenerkrankungen und Langzeitbeatmung im Pflegewohnheim
Donaustadt. Er analysierte die Ausgangslage, sprach über Definitionen
und die Diagnostik ausgewählter seltener Lungenerkrankungen. Außerdem
erklärt er, warum das Wissen über seltene Lungenerkrankungen auch in
einer Gemeinde mit 2500 Menschen wichtig ist. „Seltene
Lungenerkrankungen kosten im Jahr oft den Gegenwert eines Mercedes
oder gar Ferraris. Rechtzeitige Diagnosen können vieles an Leid
verhindern. Es ist schwierig, diese zu diagnostizieren. Die
Wahrscheinlichkeit, dass eine Maus in einer Bäckerei vorkommt ist
relativ groß. Dass sie diese Maus auch in der Auslage sehen, ist
relativ gering. Auch wenn „orphan diseases“ in einer Gemeinde von
2500 Einwohnern statistisch gesehen nicht vorkommen. Es gibt viele
Gemeinden mit 2000 Einwohnern. Und trotzdem sind sie häufiger als
Lottosechser und einzelne Personen trifft eben dieser Zufall dann
doch zu“, berichtete Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp.
Die Verbindung von Klimawandel und Lungenkrebs
Prof. Dr. Christian Witt, Leiter der Abteilung Ambulante Pneumologie,
Charité Universitätsmedizin Berlin ging in seinem Vortrag auf das
Thema Klimawandel und Krebs ein: „Es geht hierbei um das Überleben in
veränderten Umwelten. Bei Lungenkrebs gibt es pro Jahr weltweit
1.350.000 Neuerkrankungen. Alleine in Deutschland sind das 34.000
Neuerkrankungen pro Jahr. Und es ist die häufigste tumorbedingte
Todesursache beim Mann und die dritthäufigste Todesursache bei
Frauen. Insgesamt macht das 13,5% der Tumorerkrankungen aus und
markiert die größte Inzidenz. Solche Inzidenzfaktoren sind die
Alterstruktur der Bevölkerung, Gender shift und der frühe
Rauchbeginn. Mit steigender Temperatur haben sie mehr Feinstaub, Ozon
und Allergene. In unseren Breiten ganz wichtig ist, dass wir immer
weniger Niederschläge haben und in den Städten immer höhere
Temperaturen auftreten. Hitzewellen und Trockenheit erhöhen die
Mortalität. Asthma, Allergien, Krebs stehen damit im Zusammenhang.
Die Lunge ist von Umweltänderungen des Klimawandels besonders
betroffen. Steigt die Temperatur um nur ein Grad Celsius hat dies
schon große Auswirkungen auf die Mortalität. Lungenkrebs und der
Klimawandel stehen im urbanen Bereich im engen Zusammenhang. War
früher das Rauchen sehr ursächlich für Lungenkrebserkrankungen
verantwortlich, führen heute Umfeldfaktoren, von der Temperatur über
die Luftverschmutzung (Feinstaub) auch bei Nichtrauchern immer
häufiger zur Erkrankung“, sagte Prof. Dr. Witt.
Stationäre und ambulante Rehabilitation von Patienten mit
Atemwegserkrankungen
Prim. Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneumer vom Klinikum Peterhof in
Baden informierte über die Rehabilitation pneumologischer
Erkrankungen. Die pneumologische Rehabilitation besteht einerseits
aus der medizinischen Trainingstherapie und andererseits aus
entsprechenden krankheitsspezifischen Patientenschulungen. Die Ziele
sind es die Symptome zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern,
Hilfs- und Pflegebedürftigkeit zu verhindern und die Arbeitsfähigkeit
zu erhalten. Als erster Schritt wird eine Diagnostik durchgeführt um
das Krankheitsstadium zu erfassen und die Trainingstherapie
individuell zu planen. Hierzu stehen die Spirometrie und
Bodyplethysmografie, dann die CO-Diffusion und Belastungs-BGA, sowie
Spiro-Ergometrie mit BGA zur Verfügung. Patientenschulungen umfassen
Informationen über Krankheitsbild und Medikamente, das Erkennen von
Exazerbationen, die Inhalatorenschulung, Notfallstrategien,
Sauerstofftherapie und Stress- und Krankheitsbewältigung.
Ganz wesentlich zum Erfolg der Rehabilitation trägt die Arbeit
geschulter Psychologinnen bei, unterstützende Maßnahmen sind zum
Beispiel das Rauchfrei Telefon, eine Initiative der
Sozialversicherungsträger, der Bundesländer und des
Bundesministeriums für Gesundheit, betrieben von der NÖ
Gebietskrankenkasse – eröffnet im Mai 2006. Das Angebot umfasst die
telefonische Beratung und Begleitung beim Rauchstopp.
Informationsvermittlung rund ums Thema Rauchen, die Nachbetreuung in
Rückfallkrisen und auch die österreichweite Schnittstelle zur
Vermittlung an öffentliche Angebote zur Tabakentwöhnung.
„Die häufigste Indikation zur Rehabilitation ist die COPD. Bereits ab
COPD II macht es Sinn begleitend rehabilitativ zu behandeln. Als
ersten Schritt im Rehab-Zentrum wird der Patient einem Arzt
zugewiesen, der mit ihm gemeinsam einen individuellen
Rehabilitationsplan entwirft, Ziele klar definiert und ihn durch die
Schritte der Rehab führt. Die Patienten werden geschult, es werden
Trainingstherapien, sowohl Ausdauer als auch Krafttraining, und auch
Atemmuskeltraining durchgeführt und Atemphysiotherapien sowie
psychologische Betreuung und die Vorstellung bei Diätologinnen
angeboten", erklärte Priv.-Doz. Dr. Nell-Duxneuner zur
interdisziplinären Rehabilitation. Nell-Duxneuner plädiert für einen
einfacheren und schnelleren Zugang der Patienten zur Rehabiliation.
„Es wäre wünschenswert, wenn Patienten nach einer Exazerbation
möglichst rasch zu uns kommen könnten, um sie ideal zu therapieren“,
so Prim. Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneumer.
Panel Diskussion: Es gilt Patienten in die Normalität zurück zu holen
Die Bedeutung von Prävention und frühzeitige Erkennung von
Atemwegserkrankungen, um ein gesundes Altern zu ermöglichen, wurde
von allen Seiten unterstrichen. Ebenso wichtig sind die Therapie von
Atemwegserkrankungen sowie die stationäre und ambulante
Rehabilitation. Prim. Prof. Dr. Burghuber sieht positive
Entwicklungen in der öffentlichen Wahrnehmung, vor allem im Bereich
COPD. Prof. Dr. Witt plädierte, die Gefährdung der Lunge durch eine
sich verändernde Umwelt stärker zu thematisieren und in der
öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Prof. Dr. Popp thematisierte
das Thema Rauchen: Hier seien positive Beispiele in der Prävention
von großer Bedeutung. Rauchen ist natürlich immer noch ein
wesentlicher Faktor bei COPD. Prim. Prof. Dr. Burghuber verwies auf
die Gesellschaft, die sich ändern müsse, um das Bewusstsein zu
Lungenerkrankungen zu erhöhen. Es kann der Medizin alleine nicht
gelingen, hier wirkliche Verhaltensänderungen zu forcieren.
Politischer Wille sei hier gefragt. Prof. Dr. Witt erklärt, dass in
Deutschland COPD-Zentren eingerichtet werden. Vernetzung sei in der
Behandlung dieser Lungenerkrankung von großer Bedeutung. „Es liegt
vieles in unserer Hand um Verbesserungen herbeizuführen, aber gerade
das Thema Rauchen ist sehr heikel und nicht mit einfachen Maßnahmen
zu lösen", so Prof. Dr. Popp. Es gibt auch eine gewisse
Eigenverantwortung, verweist er auch auf die Verantwortung, die
Menschen für sich selbst tragen müssten. „Rauchen ist nicht nur ein
Problem des Rauchers. Es muss Bewusstsein geschaffen werden, das
Rauchen unattraktiver zu machen", konstatiert Prim. Prof. Dr.
Burghuber. „Wir müssen ein hohes Bewusstsein zur Luftverschmutzung
schaffen - auch über das Thema Rauchen hinaus", schlussfolgert Prof.
Dr. Witt.
Über PRAEVENIRE:
Von 13. Bis 16. April findet im Benediktinerstift Seitenstetten die
Premiere des PRAEVENIRE Gesundheitsforum statt. Ziel des PRAEVENIRE
Gesundheitsforums ist es, vorhandenes Wissen in Zusammenarbeit mit
internationalen und nationalen Experten in Programme zu übersetzen,
deren Umsetzung einen direkten Nutzen für die Bevölkerung stiften.
Die Erfolgsindikatoren der Umsetzung werden gemeinsam von Experten
und den Vertretern der Gemeinde bestimmt. Die Umsetzung der Projekte
erfolgt in 4 österreichischen Gemeinden: Bruck an der Mur, Haslach,
Pöggstall und Satteins.
Über das Gesundheitsforum wird an allen Veranstaltungstagen auch via
Liveticker berichtet. Zum Liveticker gelangen Sie über die Rubrik
„PRAEVENIRE“ auf: presse.welldone.at
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM






