Ziesel: Und das rechtswidrige Baggern geht unbeirrt weiter

Bauarbeiten werden trotz Protesten und geschützter Eidechsenart fortgesetzt. Insgesamt 19 geschützte Tierarten auf Gelände.

Vösendorf (OTS) - Trotz heftigen Protesten der Tierschutzbewegung und heutiger Pressekonferenz wurde den geschützten Zieseln beim Heeresspital nicht einmal ein halber Tag Verschnaufpause gegönnt. Nachdem die gestern gestarteten Bauarbeiten am Nachmittag unterbrochen werden konnten, setzten die Bauträger am Dienstagvormittag die Zerstörung des Zieselhabitats unbeirrt fort. Paradox, wenn man bedenkt, dass gestern ein Zauneidechsenvorkommen der Grund für den vorläufigen Baustopp war. Dieses Vorkommen wurde nach Informationen des Wiener Tierschutzvereins und der IGL Marchfeldkanal, die seit Anbeginn für die Erhaltung des Lebensraums kämpfen, selbst von der ökologischen Bauaufsicht der Bauträger gemeldet, aber von der Behörde (MA 22) in einem kürzlich ausgestellten Bescheid (der den Bauträgern die Vorarbeiten auf einem Teil des Geländes erlaubte) in Abrede gestellt.

„Dementsprechend gab es im Bescheid auch keine Ausnahmegenehmigung für die Zerstörung von Zauneidechsenlebensraum. Ohnehin wären die Tiere bei den gestrigen Temperaturen von weit unter 15 Grad nicht fluchtfähig gewesen“, sagt Lukas Mroz von der IGL Marchfeldkanal. Warum können dann am heutigen Dienstag die Bauarbeiten so schnell wieder aufgenommen werden? Man beruft sich just auf diesen Bescheid. Dieser schreibt allerdings vor, dass - so wie von den Bauträgern eingereicht - vor jedem Baufahrzeug zwei Personen vorangehen müssen, um die Flucht von „fluchtfähigen Organismen“ auszulösen. Wie aktuelles Bildmaterial der IGL belegt, war dies weder gestern der Fall, noch ist dies heute durchgehend beachtet worden. Und waren es gestern noch zwei Baumaschinen, ist heute gleich eine ganze Flotte im Einsatz.

Gleich 19 gefährdete Arten in Gefahr

Darum ist zu befürchten, dass nicht nur die Ziesel, sondern auch zahlreiche streng geschützte Zauneidechsen, die vergangene Woche noch auf den betroffenen Flächen festgestellt und fotografiert wurden, bereits ums Leben gekommen sind bzw. den Baumaschinen zum Opfer fallen werden. Doch damit nicht genug: Eine Tatsache, die leider immer wieder unter den Tisch fällt ist, dass auf dem Gelände beim Heeresspital nicht nur die Ziesel, sondern auch andere geschützte Tierarten leben. Denn sogar die Behörde selbst bereitet in einem vorhergehenden Bescheid aus dem Jahr 2013 von insgesamt 19 geschützten oder streng geschützten Arten auf dem Areal. „Die von der Behörde in dem Bescheid absichtlich erlaubte „freiwillige“ Umsiedelung der Ziesel ist bislang ein Fehlschlag und da diese Vorgehensweise offenbar zu lange dauert, wurde ganz zur Freude der Bauträger vor kurzem der neue Bescheid erlassen, der die Vorarbeiten auf einem Teil der Fläche genehmigt“, so Mroz. Pikantes Detail: Im neuen Bescheid wird die restliche Projektfläche als ein „in der Umgebung vorhandener von den Maßnahmen nicht betroffener Lebensraum“ bezeichnet.

Gegen einen naturschutzrechtlichen Bescheid wie jenen der MA 22 gibt es übrigens innerhalb Österreichs keinerlei Beschwerdemöglichkeit, auch wenn dieser rechtswidrig sein sollte. „Es ist einfach unfassbar, mit welcher Rücksichtlosigkeit hier vorgegangen wird. Erneut erlebt die österreichische Tierschutzbewegung einen rabenschwarzen Tag. Und das in einer Stadt, in deren Besitz sich unfassbare 2,3 Millionen Quadratmeter an freiem Bauland befinden“, so Petrovic.

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