• 06.04.2016, 10:15:43
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Öffnung der Forststraßen gefährdet Natur und Tierwelt

Appell von BIOSA gegen eine generelle Forststraßenöffnung für Mountainbiker. BirdLife Österreich und | naturschutzbund | unterstützen dies.

Utl.: Appell von BIOSA gegen eine generelle Forststraßenöffnung für
Mountainbiker. BirdLife Österreich und | naturschutzbund |
unterstützen dies. =

Wien (OTS) - Die Naturschutzorganisationen BIOSA, Birdlife Österreich
und der | naturschutzbund | stehen einer generellen
Forststraßenöffnung aus Naturschutzgründen sehr kritisch gegenüber.
Die eher geschwindigkeitsbetonten Biker sorgen für zusätzliche
Stressfaktoren im Wald. Darunter leiden ganz besonders viele
Tierarten. Nur gezielte Lenkungsmaßnahmen und vertragliche Lösungen
auf regionaler Ebene können zu brauchbaren und nachhaltigen Lösungen
führen.

BIOSA: Generelle Freigabe der Forststraßen ignoriert Schutz der
Wälder und demokratische Aspekte

„Unsere Waldbesitzer investieren seit Generationen viel Wissen und
Liebe in die Instandhaltung und Pflege der Wälder. Sie tun das aus
eigenem Antrieb und auch für die Absicherung ihres wirtschaftlichen
Einkommens, aber auch weil nationale wie internationale
Rahmenbedingungen des Naturschutzes und klare Gesetze sie dazu
anhalten. Dass der Wald ein so hohes Schutzgut ist, geschieht zum
Nutzen der gesamten Gesellschaft, auch wenn hauptsächlich die
Waldeigentümer dafür aufkommen müssen. Der Wald kann nur dann ein
hohes Schutzgut bleiben, wenn die gesamte Gesellschaft sich für die
Erhaltung dieses hohen Gutes einsetzt. Hinzu kommen auch
demokratische Aspekte. Immerhin haben sich bislang drei Mal mehr
Menschen in Unterschriftenaktionen für die Beibehaltung des aktuellen
Status ausgesprochen, als für die generelle Öffnung des Waldes. Eine
solche generelle Freigabe der Forststraßen ignoriert nicht nur den
Schutz der Wälder, sondern auch den Willen der Mehrheit“, betont
Hermine Hackl, Präsidentin der forstlichen Naturschutzorganisation
BIOSA.

BirdLife Österreich und Naturschutzbund Österreich sehen eine
Forststraßenöffnung kritisch!

BirdLife Österreich

„Durch die generelle Freigabe der Forststraßen können sensible
Vogelarten, wie etwa Raufußhühner, in ihren Brutgebieten zusätzlich
gestört werden, denn Freizeittourismus zieht mancherorts schon hohe
Belastungen für Wildtiere nach sich“, meint Gerald Pfiffinger,
Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Ein vorausschauender
Vogelschutz braucht eine Planung und Lenkung mit Maß, um möglichen
neuen Belastungen für die Vogelwelt vorzubeugen.

| naturschutzbund |

Wir begrüßen, dass Menschen ihre Freizeit in ihrem näheren Umfeld, so
auch im Wald verbringen. Wald-Ökosysteme sind jedoch besonders
störanfällig und schon jetzt genügend Stressfaktoren ausgesetzt. Da
wir mit der Natur behutsam umgehen müssen, ist der Ansatz, generell
alle Wege für nicht selten geschwindigkeitsbetonte Biker zu öffnen,
der falsche. Für ein nachhaltiges, naturschonendes Wegenetz, bei dem
sowohl Radfahrer als auch Wanderer auf ihre Kosten kommen, müssen
gemeinsam Lösungen ausverhandelt und gefunden werden, um die
verschiedenen Anforderungen an den Wald und seine angrenzenden
Flächen aufeinander abzustimmen. Vertragliche Lösungen vor Ort haben
sich bewährt. Nur so können auch weiterhin die vielfältigen
Funktionen des Waldes und der Schutz von Mensch, Natur und Tier
gewährleistet werden.

Radfahren im Wald führt häufig in eine Sackgasse

90 Prozent der Forststraßen enden als Sackgasse, da sie zur
Flächenerschließung und nicht als Wegenetz konzipiert sind. Das führt
dazu, dass Radfahrer am Ende der Straße auf Wanderwege ausweichen
oder Downhill fahren, was Wald und Tieren schadet. Daher ist es
notwendig, intelligente Streckenführungen vorzunehmen und gemeinsam
Ausweisungen zu vereinbaren, die nicht als Sackgasse enden.

Der Wald muss vielfältige Funktionen erfüllen können

Der Wald ist gleichzeitig Lebensraum für Pflanzen und Tiere,
Arbeitsplatz, Wohlfühloase für Erholungssuchende, schützt vor
Naturgefahren, trägt zum Klimaschutz bei, spendet saubere Luft und
reines Wasser und liefert den nachhaltigen Rohstoff Holz. Es liegt in
der Verantwortung der Waldeigentümer, dass der Wald seine Nutz-,
Schutz-, Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion erfüllen kann. Eine
generelle Öffnung der Forststraßen für Mountainbiker, wie sie von
einzelnen Interessengruppen derzeit gefordert wird, würde den
ökologischen Aspekt und damit die Gesamtleistung des Waldes
ignorieren.

Nur gezielte Lenkungsmaßnahmen sichern Ruhe- und Schutzgebiete

Sensible Ökosysteme und besonders gefährdete Tier- und Pflanzenarten
brauchen besonderen Schutz, der durch eine Öffnung nicht mehr
gewährleistet wäre. So würden zum Beispiel Querfeldeinfahrten die
Waldverjüngung gefährden, weil die Beunruhigung des Wildes vermehrt
Waldverbiss nach sich zieht. Die Tier- und Pflanzenwelt würde stark
unter einer Forststraßenöffnung leiden, da eine Sicherstellung von
den so dringend notwendigen Ruhe- und Schutzgebieten nicht mehr
möglich wäre. Wandernde Amphibien und Reptilien werden überfahren.
Nur durch eine vorausschauende Wegeplanung und das Respektieren von
ökologisch sensiblen Gebieten können Beeinträchtigungen vermieden
werden, wie auch eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien
belegt. Lenkungsmaßnahmen können die Leistungen des Waldes für alle
Waldnutzer auch in Zukunft sicherstellen und Konflikte zwischen den
vielen verschiedenen Nutzergruppen vermeiden. Ein Dialog und
vertragliche Lösungen vor Ort sind der einzige Ansatz, der einer
Gesamtverantwortung für den Wald gerecht wird. Nur so können
ökologische Ansprüche mit denen der Erholungssuchenden in Einklang
gebracht werden.

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