• 22.03.2016, 12:41:31
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Heimische Eierbauern wehren sich gegen Billigstimporte illegaler Käfigeier

Pein: Verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung bei verarbeiteten Eiern unumgänglich

Utl.: Pein: Verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung bei
verarbeiteten Eiern unumgänglich =

Graz (OTS) - Obwohl die Steiermark und Österreich bei der
alternativen Legehennen-Haltung die großen Vorreiter sind und selbst
in der EU die Käfighaltung seit 2012 verboten ist, kommen täglich
fast 900.000 illegale Käfigeier nach Österreich. Jährlich werden
somit rund 327 Mio. illegaler Käfigeier vorwiegend aus EU-Ländern
(sic!), aber auch aus Drittstaaten wie der Ukraine, Indien, Ostasien
wie Singapur oder China sowie aus Nord- und Südamerika zu
Billigstpreisen importiert. "Diese hohen Importzahlen sind in Bezug
auf den Tierschutz und auch hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der
heimischen Eierbauern äußerst problematisch", kritisiert die
steirische Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein in aller
Schärfe. Denn diesen ausländischen Billigstimporten (Schaleneier,
Eipulver, Flüssig-Eier) haftet Tierleid an, das sich in Halbfertig-
und Fertigprodukten wie Kuchen, Backwaren, Nudeln, Osterpinzen,
Keksen, Naschereien oder Fertigsuppen findet. Und: Die heimischen
Bauern können wegen der hohen Qualitätsstandards - Boden-, Freiland-
oder Biohaltung, gentechnikfreie Fütterung, kein Schnabelkürzen -
verständlicherweise nicht so billig anbieten.

Öffentliche Kredite für Drittstaaten an Tierwohlkriterien
binden

Internationale Finanzinstitutionen (IFIs), bei denen die
EU-Staaten Mitglieder sind, wie die International Finance Corporation
(IFC) als Teil der Weltbankgruppe oder die Europäische Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), haben in der Vergangenheit
Megafarmen etwa in der Ukraine oder China, Kredite in dreistelliger
Millionenhöhe gewährt, ohne auf Tierwohlkriterien zu achten.
Beispiele: So hat das Unternehmen Avangardco Investments/Deutschland
als größter Eierproduzent Europas in der Ukraine Käfiganlagen für
11,2 Mio. Legehennen und 5 Mio. Elterntiere und Junghennen errichtet.
Die Bürgschaften übernahmen Deutschland (26,4 Mio. Euro), Italien (22
Mio. Euro) sowie die Niederlande (14,3 Mio. Euro). Oder: Die Firma
MHP (Myronivsky Hliboproduct), die größter Hühnerfleischproduzent
Europas werden will, erhielt von IFIs seit 2003 mehr als 770 Mio. USD
für seine Hühnermastanlagen in der Ukraine. Dazu Vizepräsidentin
Pein: "Diese schmutzigen Kredite gehören abgestellt. Wir verlangen,
dass die EU handelt und Investitionskredite für Drittstaaten auch an
die hohen europäischen Tierschutzstandards bindet."

Pein: Herkunft und Haltungsform kennzeichnen

Rund 327 Mio. illegale Billigst-Käfigeier werden den Österreichern
überwiegend in Kuchen und Co untergejubelt. "Dieser
Konsumenten-Täuschung ist ein Ende zu setzen. Wir verlangen eine
verpflichtende Kennzeichnung von Haltungsform und Herkunft bei
Halbfertig- und Fertigprodukten mit Eianteil sowie eine verlässliche
Herkunftskennzeichnung in Großküchen und Kantinen von öffentlichen
Verwaltungsgebäuden, Schulen, Internaten, Kasernen, Spitälern sowie
Pflege- und Altersheimen", fordert Pein. Und weiter: "Eine
Kennzeichnung von Produkten mit Eianteil bringt den Kunden Klarheit.
In der Schweiz wurden bereits unbürokratische Lösungen zur besseren
Auslobung von Lebensmitteln mit Eianteil auf Speisekarten umgesetzt."
Auch die Bevölkerung will eine klare Kennzeichnung, so eine
AMA-Umfrage (Onlinebefragung marketagent.com/November 2014/n=471):
83,7% wünschen bei Eiverarbeitungsprodukten eine klare Deklaration
nach Haltungsform und 84,1% nach der Herkunft.

Anton Uitz: Im Vorjahr mit blauem Auge davongekommen

"Die Lage der 713 heimischen Legehennenhalter ist nicht zuletzt
wegen der Billigstimporte von illegalen Käfigeiern angespannt. Wir
sind im vergangenen Jahr gerade mit einem blauen Auge davongekommen",
sagt Anton Uitz, Obmann der steirischen Geflügelhalter. Und weiter:
"Mit den aktuellen Erzeugerpreisen sind wir zufrieden, allerdings
wissen wir nicht, wie es nach Ostern weitergeht." Uitz rechnet vor:
Gerade einmal 0,26 Cent bleibt einer Bauernfamilie pro verkauftes Ei.
Bei 10.000 Legehennen sind das 8.558,50 Euro brutto im Jahr, wovon
noch die Sozialversicherung und Steuern abzuziehen sind. Das sind um
2.101,84 Euro weniger als noch vor einem Jahr. Uitz fordert auch eine
faire Partnerschaft des Lebensmittelhandels ein und kritisiert:
"Dieser hat auf Kosten der Bauern seine Spannen gegenüber dem Vorjahr
erhöht. Während in unserem Beispiel der Lebensmittelhandel die
Handelspanne um 4,17% erhöht hat, sind die Einkommen der Bauern um
19,71% gefallen."

Petra und Robert Schrenk: Kennzeichnung sind Erfolgsfaktoren
für Bauern und Wirte

Petra und Robert Schrenk, vulgo Moarhofhechtl, aus
Haufenreith/Passail wurden Mitte Jänner von der Landwirtschaftskammer
nach einem Online-Voting als Bauernhof des Jahres ausgezeichnet. Sie
betreuen 2.500 Freiland-Legehennen und stellen jährlich aus mehr als
100.000 Freilandeiern handgemachte, gentechnikfreie Nudeln in allen
Farben und Formen her. Für sie ist die Kennzeichnung nach Herkunft
und Haltungsform ein Erfolgsfaktor: "Die Nachvollziehbarkeit und
Regionalität leben wir, in dem wir unsere Produkte an umliegende
Gasthäuser, Bäckereien, Konditoreien, Lebensmittelhändler und
Hofladen verkaufen. Damit sind die Wege kurz, der Kunde und der
Lieferant kennen sich auch oft privat und ein jeder kann sich ein
Bild über die Produktion der Lebensmittel machen". Und weiter: "In
unserer Region Almenland wird diese Regionalität bereits seit mehr
als 20 Jahren gelebt und somit ist es gelungen, dass auch die lokale
Gastronomie einheimische Lebensmittel bevorzugt.

Der Zusammenhalt zwischen Wirten, Lebensmittelhändler und Bauern
bestärkt uns als Freilandeier- und Nudelproduzenten, diesen Weg
konsequent weiterzugehen wie auch andere Betriebe zu motivieren, sich
an regionalen Kreisläufen zu beteiligen und nicht nur
Rohstofflieferant für Industriebetriebe zu sein."

Simon Bauernhofer: Regionalität ist für unser Hotel das
höchste Gut

"Die Produkte wie etwa Eier oder Nudeln sind etwas Besonderes und
zeichnen sich durch erstklassige Qualität aus. Wir suchen weitere
bäuerliche Produzenten etwa für Milch und Milchprodukte. Die
Herkunftskennzeichnung auf der Speisekarte ist einfach, geht
automatisch und ist für uns kein Aufwand. Sie ist wertvoller als die
Allergen-Kennzeichnung", berichtet Simon Bauernhofer, Chef des
Naturparkhotels Bauernhofer in Brandlucken. Er resümiert: "Für die
Bauern und für uns sind die regionalen Produkte eine
Win-win-Situation. Ich bin stolz und froh, regionale Produkte
anbieten zu können. Allerdings sollte generell das Bewusstsein dafür
noch geschärft werden."

Positives weiß auch Anita Schweiger, Wirtin der Knödelzeit in
Passail zu berichten: "Vor knapp drei Jahren habe ich meine
Speisekarte auf ausschließlich Knödeln umgestellt und setze seither
voll auf Produkte von unseren Bauern und Produzenten aus der näheren
Umgebung. In meiner Knödelküche ist das Ei einer der wesentlichsten
Zutaten. Daher steht auf der Speisekarte selbstverständlich woher die
Eier kommen und wie sie gehalten werden. Für mich ist das ganz
einfach."(Schluss)

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