Schiedsstelle der NÖ Ärztekammer löst zwei Drittel der Fälle ohne Entschädigungsempfehlung

Mehr als 100 Fälle pro Jahr werden von der Schiedsstelle verhandelt - großteils wird eine einvernehmliche Lösung erzielt

Wien (OTS) - Die Patientenschiedsstelle als Einrichtung der NÖ Ärztekammer wurde vor mehr als 25 Jahren im Interesse der rechtsuchenden Patientinnen und Patienten, aber auch im Interesse der Ärztinnen und Ärzte gegründet. Sie soll dabei helfen, Konflikte außergerichtlich durch medizinische und rechtliche Prüfung zu schlichten. „Ziel dieser Einrichtung ist es, den Patientinnen und Patienten eine unbürokratische und kostenlose Möglichkeit zur Verfolgung ihrer Ansprüche oder vermeintlichen Ansprüche zu eröffnen und für beide Seiten außergerichtliche Lösungen zu finden. Unsere Aufgabe dabei ist es, unbefriedigende Behandlungsergebnisse, Missverständnisse, Kommunikations- oder Organisationsmängel, die beispielsweise durch hohe Arbeitsbelastung entstehen können, aufzuklären beziehungsweise zu beseitigen. Ist ein Patient zu Schaden gekommen, soll er - zumindest finanziell - die Möglichkeit einer unbürokratischen und schnellen Hilfe bekommen“, meint der Präsident der NÖ Ärztekammer und ärztliche Leiter der Schiedsstelle, Dr. Christoph Reisner, MSc.

Doppelt so viele Fälle können ohne Empfehlung für eine finanzielle Entschädigung abgeschlossen werden

Das Verhältnis der positiv beziehungsweise negativ abgeschlossenen Fälle liegt bei etwa einem Drittel zu zwei Dritteln. Damit wird etwa doppelt so häufig keine Empfehlung für eine finanzielle Entschädigung an die Haftpflichtversicherung des Krankenhauses oder des jeweiligen Arztes ausgesprochen. „Häufig reicht für die Betroffenen die Möglichkeit, auf neutralem Boden vor einem Richter und ärztlichen Gutachter ihre Sichtweise darzulegen und dabei Missverständnisse zu klären. Ärztliche Behandlungsfehler sind in der Realität die Ausnahme“, so Präsident Dr. Reisner, MSc. „Kommt die Kommission zum Schluss, dass es eine Entschädigung für einen Patienten geben soll, ist diese dafür durchschnittlich höher als noch vor einigen Jahren.“

Schiedsstelle als kostenloses Service für Patienten

Hat ein Patient das Gefühl, dass er durch eine ärztliche Handlung oder Unterlassung einen Schaden erlitten hat, kann er sich direkt an die Schiedsstelle wenden. Es ist dabei unerheblich, ob das Problem im Spital oder beim niedergelassenen Arzt aufgetreten ist. Für die Einleitung eines Verfahrens reichen ein schriftlicher Antrag mit einer Schilderung des Problems und das Beilegen vorhandener Unterlagen wie Arztbriefe, Krankengeschichten oder Röntgenbilder. Sämtliche Leistungen der Schiedsstellenkommission sind für die Patienten kostenlos, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens.

Anders als bei einem Gerichtsurteil gibt die Kommission lediglich eine Empfehlung ab, die weder für die Versicherung noch den geschädigten Patienten bindend ist. In der Regel jedoch orientieren sich die Versicherungen an dem Ergebnis der Schiedsstelle und auch die Patienten sind zumeist froh, sich den kostspieligen und unangenehmen Weg zu Gericht sparen zu können. Sollte es trotz der Bemühungen der Schiedsstelle zu keiner Einigung zwischen den beteiligten Parteien kommen, kann immer noch Klage bei Gericht eingebracht werden. Zivilrechtliche Verfahren sind jedoch kostenintensiv und dauern oft sehr lange. Der Prozessausgang ist ungewiss und birgt das Risiko, die gesamten Prozesskosten tragen zu müssen.

Schiedsstellenkommission setzt sich aus Juristen und Ärzten zusammen

Die Kommission ist mit zwei Juristen und zwei Ärzten besetzt, was für ein ausgeglichenes Klima und für eine sehr gute Kommunikation unter allen Beteiligten sorgt. „Vorsitzender der Schiedsstelle ist ein Richter vom Oberlandesgericht Wien, die zweite Juristin ist eine Richterin vom Landesgericht Wr. Neustadt. Als ärztliche Vertreter sind der Vizepräsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Gerrit Loibl, MSc, und ich in der Kommission vertreten. Dazu kommen je nach Fall und Notwendigkeit ärztliche Beisitzer. Mit dieser Besetzung ist die Schiedsstelle in Niederösterreich auch im österreichweiten Vergleich personell sehr gut ausgestattet“, meint Präsident Dr. Reisner, MSc, abschließend.

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