• 17.03.2016, 11:15:35
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Sicherheit 2015: Weniger Anzeigen und höhere Aufklärungsquote

Künftige Herausforderungen in der Bekämpfung der Cyber-Kriminalität, der genauen Analyse der Auswirkungen der Migrationsbewegungen und in der verstärkten Präventionsarbeit

Utl.: Künftige Herausforderungen in der Bekämpfung der
Cyber-Kriminalität, der genauen Analyse der Auswirkungen der
Migrationsbewegungen und in der verstärkten Präventionsarbeit =

Wien (OTS) - Das Bundeskriminalamt (BK) zog heute bei einem
Pressegespräch im Innenministerium Bilanz über die
Kriminalitätsentwicklung in Österreich. Der Generaldirektor für die
Öffentliche Sicherheit, Mag. Mag.(FH) Konrad Kogler, der Direktor des
BK, General Franz Lang, der Vizedirektor des BK, Dr. Michael Fischer,
und der stellvertretende Europol-Direktor Oldrich Martinu
präsentierten die aktuellen kriminalstatistischen Daten. Neben dem
Rückblick auf die statistischen Zahlen 2015 stand der Ausblick auf
die zukünftigen Herausforderungen im Mittelpunkt.

Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) zeigt 2015 weniger
Anzeigen und höhere Aufklärungsquoten. Mit 517.870 angezeigten
Delikten ist die Zahl der Anzeigen in Österreich im Jahr 2015 um 1,9
Prozent gegenüber 2014 gesunken. Dies bedeutet, wie in den Jahren
zuvor, einen Rückgang und den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Die
Aufklärungsquote ist um 0,9 Prozentpunkte auf 44 Prozent gestiegen
und ist somit ebenfalls die höchste Quote der letzten zehn Jahre.

Rückgang bei Wohnraumeinbruch, Kfz-Diebstahl und
Wirtschaftsdelikten, Anstieg bei Gewaltdelikten und Cybercrime

Die Zahl der Anzeigen wegen Einbrüchen in Wohnungen und Wohnhäuser in
Österreich ist im Vorjahr deutlich gesunken. Wurden 2014 noch 17.110
Anzeigen erstattet, so waren es 2015 exakt 15.516 Anzeigen. Das
entspricht einem Rückgang von 9,3 Prozent oder in absoluten Zahlen
1.594 Anzeigen.

Zum Vergleich: 2006 lag die Zahl der Anzeigen noch bei knapp 19.000.
Bei 40 Prozent der Einbrüche im vergangenen Jahr scheiterten die
Täter, und es blieb nur beim Versuch. Die Anzahl der
Dämmerungseinbrüche ist durch zahlreiche repressive und präventive
Maßnahmen deutlich zurückgegangen.

Ebenso gesunken ist im sechsten Jahr in Folge die Zahl der Diebstähle
von Kraftfahrzeugen. Mit 3.326 als gestohlen gemeldeten
Lastkraftwägen, Personenkraftwägen und Krafträdern wurde 2015 ein
Zehn-Jahres-Tiefstand erreicht (Rückgang von 0,9 Prozent zu 2014).
Vor zehn Jahren wurden noch über 8.400 Kfz in Österreich als
gestohlen gemeldet. Dieser Erfolg geht einerseits auf das eng
geknüpfte Netzwerk an Strafverfolgungsbehörden und Herstellern und in
weiterer Folge auf die Strukturermittlungen der SOKO Kfz zurück.

Die Anzeigen hinsichtlich Gewaltkriminalität sind marginal gestiegen.
Waren es 2014 noch 40.184 Delikte, so stieg diese Zahl 2015 um 0,4
Prozent auf 40.333 Anzeigen.

Angestiegen sind vor allem die leichten Körperverletzungsdelikte,
aber auch die vorsätzlichen Tötungsdelikte. 132 der insgesamt 135
Delikte konnten 2015 geklärt werden (2014: 107 Anzeigen). 39 der 135
Taten wurden vollendet. 2014 wurden 38 Tötungsdelikte vollendet. Die
Zahl der Anzeigen wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität war
2015 rückläufig.

Cybercrime ist und bleibt ein äußerst dynamisches und innovatives
Kriminalitätsphänomen, das die Ermittlungsbehörden ständig vor neue
Herausforderungen stellt. Kriminelle können praktisch rund um die Uhr
gleichzeitig in den verschiedensten Regionen der Erde aktiv werden
und Opfer schädigen, während sich ihre Server-Infrastruktur in
anderen Ländern befindet und sie sich an einem ganz anderen Ort
aufhalten. Die Internationalität dieser Kriminalitätsform verbunden
mit den Möglichkeiten der Verschlüsselung und Anonymisierung erklären
die ständig steigende Zahl von Cyber-Angriffen und somit auch deren
Anzeigen. 2015 stiegen sie um 11,6 Prozent auf 10.010 Anzeigen. Bei
dem Großteil der Anzeigen handelt es sich um Internetbetrug.

Die Wirtschaftskriminalität ist 2015 um 2,1 Prozent auf 48.601
Delikte gesunken. Bei rund 65 Prozent der Anzeigen handelt es sich um
niederschwellige Delikte, wie Betrug, Urkundenunterdrückung und
Entfremdung unbarer Zahlungsmittel.

Anstieg der Schlepperkriminalität

Aufgrund der weltpolitischen Situation und der daraus resultierenden
Flüchtlingsbewegungen hat die Schlepperkriminalität 2015 sehr stark
zugenommen und somit das Ergebnis der Kriminalstatistik stark
belastet. Im Jahr 2015 wurden 9.569 Anzeigen wegen Schlepperei (§ 114
Fremdenpolizeigesetz) gemeldet, was einen Anstieg um 84,9 Prozent
gegenüber 2014 bedeutet.

Nach Schätzungen von Europol hatten im vergangenen Jahr über 90
Prozent der Migrantinnen und Migranten die Dienste von Schleppern in
Anspruch genommen. Bei einem anhaltenden Zustrom rechnet Europol
damit, dass sich die Profite der organisierten Täterbanden 2016
verdoppeln bzw. verdreifachen. Konkrete Maßnahmen, wie unter anderem
die Installierung des "Joint Operational Office" in Wien als
verlängerter Arm des neu gegründeten "European Migration Smuggling
Centers" von Europol, wurden bereits erarbeitet.

Zukünftige Herausforderungen

Das Jahr 2015 stand im Zeichen der weltweiten Migrationsbewegungen
und ging oftmals mit der Angst vor einer steigenden Kriminalität
einher. Eine Analyse der Opfer und auch der Tatverdächtigen Struktur
zeigt, dass es sich bei beiden Gruppen zu rund zwei Drittel um
inländische und zu rund einem Drittel um fremde Personen handelt.
Verglichen mit den Vorjahren ist diese Entwicklung konstant.

Unterteilt nach Aufenthaltsstatus der fremden Tatverdächtigen ist die
größte Gruppe jene ohne Beschäftigung (28,6 Prozent) gefolgt von den
Arbeitnehmern (25,5 Prozent) und den Asylwerbern (15,6 Prozent), die
2015 die Anzahl an tatverdächtigen Touristinnen und Touristen (12,5
Prozent) überholt hat. Zu den meist begangenen Delikten zählen der
Diebstahl, die Körperverletzung und der unerlaubte Umgang mit
Suchtmittel.

Eine laufende Analyse möglicher Auswirkungen der Migrationsbewegung
nach Europa und dementsprechende Ermittlungsschritte werden 2016 ein
Schwerpunkt der kriminalpolizeilichen Arbeit sein.

Über die PKS

Die PKS ist eine Anzeigenstatistik. Sie dient der Erfassung und
Darstellung der Entwicklung des kriminellen Geschehens in Österreich
und wird jährlich veröffentlicht. Die PKS wird stetig in ihrer
Struktur angepasst, zum Beispiel aufgrund neuer Phänomene oder durch
Änderungen in der Strafgesetzgebung. Die Strafrechtsreform, die mit
Jänner 2016 in Kraft trat, brachte zahlreiche Erneuerungen im
Strafgesetzbuch (StGB), die folglich in der PKS für das Jahr 2016
veröffentlicht werden.

Die Broschüre „Sicherheit Österreich 2015“ mit ausführlichen Zahlen
und Fakten, auch aus den Bundesländern, ist auf der Homepage des
Bundeskriminalamtes unter www.bundeskriminalamt.at abrufbar.

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