GÖD-Lehrervertreter Maresch zum Thema "Verlorene Generation an Wiens Schulen"

Wiens PflichtschullehrerInnen leisten großartige Arbeit

Wien (OTS) - Die Bildungsdebatte dreht sich immer intensiver um die Organisation der Mittelstufe. In der aktuellen Debatte um die Neue Mittelschule hat ein Artikel in der Tageszeitung „Kurier“ vom Sonntag, 13. März 2016, mit dem bezeichnenden Titel „Neue Mittelschule – eine verlorene Generation“ durch die praxisnahe Darstellung, dass ein Drittel der SchülerInnen in der Hauptstadt nie in einen geordneten Arbeits- und Lebensprozess gelangt, für weitere Aufregung gesorgt.

"Als Standesvertreter der Wiener PflichtschullehrerInnen ist es mir ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass zentrale, bundes- und landesweite Vorgaben ihre Tauglichkeit für den Großstadtbereich verlieren", so Maresch. Das Ballungszentrum, in dem massive sprachliche und soziale Defizite mehrheitlich die Norm ist, braucht ganz andere Lösungen als ein durchschnittlicher österreichischer Schulstandort.

Der Heterogenität der Klassen kann man nur durch ausreichende Differenzierung und durch die längst überfälligen begleitenden Unterstützungsmaßnahmen begegnen. Die langjährige Debatte um die Organisationsform ist zweitrangig. Es wurde vom Bildungsministerium in der Neuen Mittelschule flächendeckendes Teamteaching in Deutsch, Englisch und Mathematik versprochen, jedoch wieder nicht eingehalten. So muss in vielen Fällen durch eine Universal-Lehrkraft die gesamte Bandbreite an Begabungen, Defiziten und Beeinträchtigungen in übervollen Klassen abgedeckt werden. Das leisten zu können ist einfach unrealistisch.

Die Einengung durch ein absolut unzureichendes Beurteilungssystem einer siebenteiligen Notenskala in der NMS verschärft die Situation zusätzlich. Darüber hinaus ist die administrative Flut an Arbeiten in der NMS kaum leistbar.

Zusätzlich werden die überaus bewährten Integrationsklassen in Wien abgebaut, und stattdessen die inklusive Pädagogik forciert. Das Funktionieren von Inklusion hängt von den angebotenen Ressourcen ab. Unterrichten muss die zu oft alleingelassene Lehrkraft, denn die personell unumgängliche Unterstützung gibt es nicht!
Maresch fordert rasch ein Notprogramm für die Ballungsräume und die Möglichkeit von autonomen Lösungen an den einzelnen Standorten. Die Schulleitung und das LehrerInnenkollegium des Schulstandorts wissen am besten, was für die eigene Schule richtig und wichtig ist. Zentrale Vorgaben helfen hier selten weiter.

Jeder Euro, der hier rechtzeitig in unterstützende Maßnahmen im sozialen und sprachlichen Bereich investiert wird, rechnet sich in der nahen Zukunft. Passiert dies nicht, sinkt die Qualität des Unterrichts und somit sinken auch die Zukunftschancen unserer Kinder.

"Wiens PflichtschullehrerInnen leisten großartige Arbeit, kommen aber mehr und mehr an die Grenzen des Machbaren. Unsere PädagogInnen konnten mit ihrem Idealismus bis jetzt Zustände wie in anderen europäischen Großstädten verhindern", so Maresch abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Stephan Maresch, BEd
Vorsitzender der Personalvertretung der Wiener LandeslehrerInnen
Zentralausschuss Wien
Schenkenstraße 4/5
1010 Wien
Tel: 01/53 454-431
Mobil: 0664/162 35 55

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