BELVEDERE: Fürstenglanz - Die Macht der Pracht

Wien (OTS) - Die Ausstellung „Fürstenglanz – Die Macht der Pracht“ vom 18. März bis 26. Juni 2016 im Winterpalais beschäftigt sich mit barocker Sammellust und nimmt die Umwandlung des Winterpalais von Prinz Eugen in ein modernes Museum zum Anlass für einen historischen Rückblick auf die Themen Fürstenglanz, barocke Galerien und die Kunst der Ordnung.

Den Kern der Ausstellung bilden die fürstlichen Sammlungskataloge der großen europäischen Barockgalerien. Diese kündeten vom Ruhm ihrer Schöpfer und entwickelten sich zugleich zum Ursprung der modernen Kunst- und Ausstellungskataloge. Sie dokumentieren fürstliches „Schöner-Wohnen“, geben Einblicke in die Konzepte barocker (Re-)Präsentation und vermitteln epochentypische Aspekte im Umgang mit Ordnungssystemen, Öffentlichkeit und der Zurschaustellung von Artefakten. Flankiert werden die originalen Sammlungskataloge von Porträts der sammelnden Fürsten und ausgewählten Gemälden aus deren Kollektionen. Die Ausstellung geht diesem Phänomen erstmals in einer gesamteuropäischen Perspektive nach und wirft einen vergleichenden Blick auf die wichtigsten fürstlichen Sammler des Barock.

Die Geburtsstunde des modernen Kunstbuchs

„Ich freue mich sehr, im barocken Ambiente des Winterpalais ein weiteres Highlight präsentieren zu können. Mit ‚Fürstenglanz – Die Macht der Pracht‘ wird den Besuchern vor Augen geführt, wie durch Galeriewerke in der Vergangenheit die Pracht barocker Gemäldegalerien für ein großes Publikum zugänglich gemacht wurde und somit fürstliche Sammelleidenschaft Einzug in die öffentliche Sphäre hielt“, so die Direktorin des Belvedere und des 21er Haus Agnes Husslein-Arco. Das Sammeln von Kunst, die Geschichte des Sammelns und die Persönlichkeiten, die sich dahinter verbergen, sind ein spannender Teil der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte. Der Bedeutung von Galeriewerken für diese Kunstsammlungen wurde bislang wenig Beachtung geschenkt. Auch in der kunsthistorischen Forschung sind Galeriewerke bisher vernachlässigt worden. Das möchte Kurator Tobias G. Natter mit dieser Ausstellung ändern: „Großartige Leihgaben aus erlesenen Gemäldesammlungen in ganz Europa kommen jetzt nach Wien. Im Barock reisten aber keine Bilder, stattdessen propagierten Galeriewerke ihren Ruhm. Mit diesen illustrierten Prachtbüchern erleben wir hautnah mit, wie die Türen fürstlicher Spitzensammlungen sich erstmals für ein allgemeines Publikum zu öffnen begannen: Wenn man so will, ist hier die Geburtsstunde des modernen Kunstbuchs.“

Macht und Pracht einer barocken Kunstsammlung

Die Ausstellung Fürstenglanz – Die Macht der Pracht demonstriert auf beeindruckende Weise, welche Bedeutung die ehemaligen europäischen Herrscherhäuser ihren Kunstsammlungen beigemessen haben. Der Besitz von Kunst wurde über Jahrhunderte klar als Machtbeweis instrumentalisiert. Eine Entwicklung, die auch mit der zunehmenden Bedeutung der Künstler, vornehmlich der Maler, im aufkeimenden Barock einherging. Talentierte Künstler wurden zu Lieblingen der Fürsten, ihre Bindung an einen Hof und das damit verbundene Exklusivrecht an ihrem Werk waren sozusagen weitere Puzzleteile des Machtgefüges. Herausragende Talente wie beispielsweise Peter Paul Rubens konnten auf dem Höhepunkt des Barock gar zu Diplomaten, also quasi zu Malerfürsten aufsteigen.

Das Galeriewerk – glanzvoller Ursprung des modernen Ausstellungskatalogs

Durch die Rekonstruktion einer „barocken Hängung“, die atmosphärisch in das Ausstellungsthema einführt, wird das Winterpalais des Prinzen Eugen selbst zum Exponat. Gemalte Einblicke in barocke Gemäldegalerien – Bilderschätze, wie sie an allen fürstlichen Höfen Europas entstanden – vermitteln in ihrem Detailreichtum eine Vorstellung vom Fürstenglanz jener Zeit. Da aber die Reichweite der Galeriebilder begrenzt war, ermöglichte erst die Verbreitung gedruckter Galeriewerke, die propagandistischen Möglichkeiten solcher Gemäldegalerien zu nutzen. Ursprünglich an den fürstlichen Höfen als Diplomatengeschenke entstanden, wurden diese zum Ursprung des modernen Kunst- und Ausstellungskatalogs. Gerade im 21. Jahrhundert, in dem das Buch einer prekären Zukunft entgegensieht, zeigen die erlesenen Galeriewerke das Buch als Kunstwerk.

Eine Reise durch Europas Prachtgalerien – von Paris bis Moskau

Zu den ausgestellten Werken gehört das von Hofmaler David Teniers d. J. publizierte Theatrum Pictorium (Theater der Bilder) aus dem Jahr 1660. Ein reich illustriertes Werk, das bis heute von der Sammelleidenschaft des habsburgischen Erzherzogs Leopold Wilhelm zeugt und die Geburtsstunde der aufwendig mit druckgrafischen Reproduktionen gestalteten Bucheditionen darstellt. Zu sehen sind außerdem u. a. Jean-Baptiste Colberts Tableaux du Cabinet du Roi für Frankreichs König Ludwig XIV., das Dresdner Galeriewerk für August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, sowie ein Prodromus, eine Art Vorschau, für den österreichischen Kaiser Karl VI. im hochbarocken Wien um 1720/30, in der die über tausend geplanten Gemäldereproduktionen zu Miniaturtableaus zusammengefasst wurden.

Die Übersiedlung der kaiserlichen Gemäldegalerie von der Wiener Stallburg ins Obere Belvedere gab den Anlass zur Produktion eines neuen Sammlungsführers. Diese kleinformatige Publikation offenbart Einblicke in das Konzept und das Organisationsprinzip der neuen Hängung, die sich im europäischen Vergleich in einer völlig veränderten, programmatischen Ordnung präsentiert. Dem Wunsch des Publikums folgend, die Sammlung in praktischen Führern vermittelt zu bekommen, wurden die großen Tafelwerke zunehmend durch preisgünstige Kurzführer ersetzt. Ganz im Geiste der Aufklärung ging die Öffnung der kaiserlichen Sammlungen für ein neues, breites Publikum Hand in Hand mit der Entwicklung der Galeriewerke.
In der grenzüberschreitenden Zusammenschau mit hochkarätigen Leihgaben u. a. aus dem Louvre ist das Staatsporträt des französischen Sonnenkönigs aus Schloss Versailles das Highlight der Ausstellung.

Die Ausstellung ist vom 18. März bis 26. Juni 2016 im Winterpalais (Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien) zu sehen.

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