• 16.03.2016, 10:15:01
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BELVEDERE: Fürstenglanz - Die Macht der Pracht

Wien (OTS) - Die Ausstellung „Fürstenglanz – Die Macht der Pracht“
vom 18. März bis 26. Juni 2016 im Winterpalais beschäftigt sich mit
barocker Sammellust und nimmt die Umwandlung des Winterpalais von
Prinz Eugen in ein modernes Museum zum Anlass für einen historischen
Rückblick auf die Themen Fürstenglanz, barocke Galerien und die Kunst
der Ordnung.

Den Kern der Ausstellung bilden die fürstlichen Sammlungskataloge der
großen europäischen Barockgalerien. Diese kündeten vom Ruhm ihrer
Schöpfer und entwickelten sich zugleich zum Ursprung der modernen
Kunst- und Ausstellungskataloge. Sie dokumentieren fürstliches
„Schöner-Wohnen“, geben Einblicke in die Konzepte barocker
(Re-)Präsentation und vermitteln epochentypische Aspekte im Umgang
mit Ordnungssystemen, Öffentlichkeit und der Zurschaustellung von
Artefakten. Flankiert werden die originalen Sammlungskataloge von
Porträts der sammelnden Fürsten und ausgewählten Gemälden aus deren
Kollektionen. Die Ausstellung geht diesem Phänomen erstmals in einer
gesamteuropäischen Perspektive nach und wirft einen vergleichenden
Blick auf die wichtigsten fürstlichen Sammler des Barock.

Die Geburtsstunde des modernen Kunstbuchs

„Ich freue mich sehr, im barocken Ambiente des Winterpalais ein
weiteres Highlight präsentieren zu können. Mit ‚Fürstenglanz – Die
Macht der Pracht‘ wird den Besuchern vor Augen geführt, wie durch
Galeriewerke in der Vergangenheit die Pracht barocker Gemäldegalerien
für ein großes Publikum zugänglich gemacht wurde und somit fürstliche
Sammelleidenschaft Einzug in die öffentliche Sphäre hielt“, so die
Direktorin des Belvedere und des 21er Haus Agnes Husslein-Arco. Das
Sammeln von Kunst, die Geschichte des Sammelns und die
Persönlichkeiten, die sich dahinter verbergen, sind ein spannender
Teil der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte. Der Bedeutung von
Galeriewerken für diese Kunstsammlungen wurde bislang wenig Beachtung
geschenkt. Auch in der kunsthistorischen Forschung sind Galeriewerke
bisher vernachlässigt worden. Das möchte Kurator Tobias G. Natter mit
dieser Ausstellung ändern: „Großartige Leihgaben aus erlesenen
Gemäldesammlungen in ganz Europa kommen jetzt nach Wien. Im Barock
reisten aber keine Bilder, stattdessen propagierten Galeriewerke
ihren Ruhm. Mit diesen illustrierten Prachtbüchern erleben wir
hautnah mit, wie die Türen fürstlicher Spitzensammlungen sich
erstmals für ein allgemeines Publikum zu öffnen begannen: Wenn man so
will, ist hier die Geburtsstunde des modernen Kunstbuchs.“

Macht und Pracht einer barocken Kunstsammlung

Die Ausstellung Fürstenglanz – Die Macht der Pracht demonstriert auf
beeindruckende Weise, welche Bedeutung die ehemaligen europäischen
Herrscherhäuser ihren Kunstsammlungen beigemessen haben. Der Besitz
von Kunst wurde über Jahrhunderte klar als Machtbeweis
instrumentalisiert. Eine Entwicklung, die auch mit der zunehmenden
Bedeutung der Künstler, vornehmlich der Maler, im aufkeimenden Barock
einherging. Talentierte Künstler wurden zu Lieblingen der Fürsten,
ihre Bindung an einen Hof und das damit verbundene Exklusivrecht an
ihrem Werk waren sozusagen weitere Puzzleteile des Machtgefüges.
Herausragende Talente wie beispielsweise Peter Paul Rubens konnten
auf dem Höhepunkt des Barock gar zu Diplomaten, also quasi zu
Malerfürsten aufsteigen.

Das Galeriewerk – glanzvoller Ursprung des modernen
Ausstellungskatalogs

Durch die Rekonstruktion einer „barocken Hängung“, die atmosphärisch
in das Ausstellungsthema einführt, wird das Winterpalais des Prinzen
Eugen selbst zum Exponat. Gemalte Einblicke in barocke
Gemäldegalerien – Bilderschätze, wie sie an allen fürstlichen Höfen
Europas entstanden – vermitteln in ihrem Detailreichtum eine
Vorstellung vom Fürstenglanz jener Zeit. Da aber die Reichweite der
Galeriebilder begrenzt war, ermöglichte erst die Verbreitung
gedruckter Galeriewerke, die propagandistischen Möglichkeiten solcher
Gemäldegalerien zu nutzen. Ursprünglich an den fürstlichen Höfen als
Diplomatengeschenke entstanden, wurden diese zum Ursprung des
modernen Kunst- und Ausstellungskatalogs. Gerade im 21. Jahrhundert,
in dem das Buch einer prekären Zukunft entgegensieht, zeigen die
erlesenen Galeriewerke das Buch als Kunstwerk.

Eine Reise durch Europas Prachtgalerien – von Paris bis Moskau

Zu den ausgestellten Werken gehört das von Hofmaler David Teniers d.
J. publizierte Theatrum Pictorium (Theater der Bilder) aus dem Jahr
1660. Ein reich illustriertes Werk, das bis heute von der
Sammelleidenschaft des habsburgischen Erzherzogs Leopold Wilhelm
zeugt und die Geburtsstunde der aufwendig mit druckgrafischen
Reproduktionen gestalteten Bucheditionen darstellt. Zu sehen sind
außerdem u. a. Jean-Baptiste Colberts Tableaux du Cabinet du Roi für
Frankreichs König Ludwig XIV., das Dresdner Galeriewerk für August
III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, sowie ein Prodromus,
eine Art Vorschau, für den österreichischen Kaiser Karl VI. im
hochbarocken Wien um 1720/30, in der die über tausend geplanten
Gemäldereproduktionen zu Miniaturtableaus zusammengefasst wurden.

Die Übersiedlung der kaiserlichen Gemäldegalerie von der Wiener
Stallburg ins Obere Belvedere gab den Anlass zur Produktion eines
neuen Sammlungsführers. Diese kleinformatige Publikation offenbart
Einblicke in das Konzept und das Organisationsprinzip der neuen
Hängung, die sich im europäischen Vergleich in einer völlig
veränderten, programmatischen Ordnung präsentiert. Dem Wunsch des
Publikums folgend, die Sammlung in praktischen Führern vermittelt zu
bekommen, wurden die großen Tafelwerke zunehmend durch preisgünstige
Kurzführer ersetzt. Ganz im Geiste der Aufklärung ging die Öffnung
der kaiserlichen Sammlungen für ein neues, breites Publikum Hand in
Hand mit der Entwicklung der Galeriewerke.
In der grenzüberschreitenden Zusammenschau mit hochkarätigen
Leihgaben u. a. aus dem Louvre ist das Staatsporträt des
französischen Sonnenkönigs aus Schloss Versailles das Highlight der
Ausstellung.

Die Ausstellung ist vom 18. März bis 26. Juni 2016 im Winterpalais
(Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien) zu sehen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

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