Lehrerbildung-Neu - ein politischer Bankrott

Im Herbst startet die neue Lehrer- und Lehrerinnen-Ausbildung der Sekundarstufe. Die historische Chance, ein visionäres Bildungskonzept umzusetzen, blieb ungenutzt.

Wien/Niederösterreich (OTS) - Vier Pädagogische Hochschulen aus Wien und Niederösterreich werden mit der Universität Wien ab Herbst 2016 ein gemeinsam eingerichtetes Lehramtsstudium im Bereich der Sekundarstufe anbieten. Die große Chance, ein neues Konzept aufbauend auf den Stärken der Akteure zu entwickeln und die Lehrerbildung der Sekundarstufe neu zu gestalten, blieb jedoch weitgehend ungenützt. Bereits im Juni 2015 wies die Hochschulvertretung der KPH Wien/Krems auf die Probleme mit der Erweiterung hin. Nach vielen Sitzungen und gut acht Monate später liegt ein ernüchterndes Ergebnis vor: Von einer bestmöglichen Ausbildung der künftigen Pädagogen sind wir weit entfernt. Wer gut aufgepasst hat, konnte schon im Juni den Aufschrei vieler Pädagogischen Hochschulen und der Studierendenvertretungen wahrnehmen.

Man sollte meinen, dass ein Projekt wie die Lehrerbildung-Neu gut überlegt sei – dass lebensnaher Unterricht praktiziert wird, die neuesten Erkenntnisse der aktuellen Forschung miteinfließen sowie neue Methoden und Erfahrungen eingeknüpft werden. Doch davon kann keine Rede sein. Nach neun Verhandlungs-Monaten müssen wir uns geschlagen geben. Die Hochschulvertretung der KPH Wien/Krems möchte nachfolgend auf zentrale Kritikpunkte aufmerksam machen.

Ein zentrales Versäumnis der neuen Sekundarlehrer-Ausbildung ist, dass die künstlerischen Fächer (Musik, Bildnerische Erziehung, Werkerziehung) gänzlich fehlen. Damit macht der vorliegende Curriculums-Entwurf eine Ausbildung in diesen Fächern unmöglich. Das führt unweigerlich zu einem Mangel an ausgebildeten Lehrern im Kreativbereich. Besonders davon betroffen sind die Neuen Mittelschulen, da dort in diesen Fächern bereits jetzt qualifizierte Lehrpersonen fehlen. Die Einbindung der künstlerisch-pädagogischen Fächer mit ihrer eigenen Lehr- und Lernkultur in das Studienangebot für die Sekundarstufe ist unerlässlich.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Studierenden auf 4 Hochschulen sowie der Universität Wien studieren müssen, was zu einer unweigerlichen Pendlerproblematik führen wird. Wie die Mobilität der Studierenden zeitlich zu bewältigen ist, ist – wie vieles – noch ungelöst, stellt eine zusätzliche finanzielle Belastung dar und lässt eine Fortschreibung der (im Vergleich zu den Pädagogischen Hochschulen) hohen universitären Drop-out Raten befürchten.

Einen kleinen Erfolg konnten wir immerhin bei der Schulpraxis verzeichnen, welche nun von 6 auf 10 ECTS-Credits erhöht worden sind. Freilich: Im Vergleich zu den bisherigen 30 ECTS-Credits Schüler-Kontakt im NMS-Studium kann diese Neuerung schwer als Verbesserung bezeichnet werden.

In Summe mutierte die Neugestaltung der Lehrer-Ausbildung zu einem bildungs- und standortpolitischen Hickhack, anstatt dass die Beteiligten die historische Chance genutzt hätten, frei von Scheuklappen und politischen Tabus eine bestmögliche Ausbildung für unsere künftigen Lehrerinnen und Lehrer – und damit für alle Jugendlichen – zu gestalten. Visionäre Bildungspolitik sieht anders aus.

Die Studierendenvertreter der KPH Wien/Krems haben in den entsprechenden Sitzungen gegen den bestehenden Entwurf des Curriculums gestimmt.

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Dominik Johannes Weinlich
Vorsitzender der HpKPH - Hochschulvertretung
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