- 07.03.2016, 10:30:11
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14 Kassenplanstellen trotz mehrmaligen Ausschreibens ohne Bewerber
Appell der NÖ Ärztekammer, sich der Herausforderung „Kassenarzt“ zu stellen – Informationsangebote zur Vorbereitung auf Kassenvertrag nutzen
Utl.: Appell der NÖ Ärztekammer, sich der Herausforderung
„Kassenarzt“ zu stellen – Informationsangebote zur
Vorbereitung auf Kassenvertrag nutzen =
Wien (OTS) - Einmal im Quartal finden die Vorstellungstermine der
Bewerber für Kassenplanstellen statt, so auch Mitte März. Doch die
anwesenden Vertreter der NÖ Ärztekammer und der NÖ
Gebietskrankenkasse können sich diesmal auf einen kurzen Termin
einstellen. „Lediglich sieben Ärztinnen und Ärzte interessieren sich
für sechs Kassenverträge für Allgemeinmedizin und sieben Fachärzte
für fünf Facharztstellen. Für 14 Kassenverträge gab es nicht einen
einzigen Interessenten. Vorausgesetzt, keiner der Bewerber springt
noch ab, könnten damit gerade einmal elf von 25 Arztstellen mit
Kassenvertrag neu besetzt werden“, zeigt sich der Präsident der NÖ
Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, besorgt und appelliert vor
allem an die Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, die Angebote
der NÖ Ärztekammer zur Information und Vorbereitung auf einen
Kassenvertrag in Anspruch zu nehmen.
Zehn Allgemeinmediziner weiterhin in Niederösterreich gesucht
Von den zehn ausgeschriebenen Stellen für Allgemeinmedizin werden ab
Anfang April bei acht Ordinationen die Türen geschlossen bleiben. In
den zwei restlichen Fällen wird dies mit erstem Juli der Fall sein,
sollte sich bis dahin auch hier niemand finden, der die
Kassenverträge übernehmen möchte. Dazu meint Präsident Dr. Reisner,
MSc: „Am stärksten vom Ärztemangel betroffen ist derzeit der Bezirk
Neunkirchen, hier werden gleich drei allgemeinmedizinische
Ordinationen ab 1. April geschlossen sein, gefolgt von Krems und
Mistelbach, wo wir für jeweils zwei Hausärzte Nachfolger suchen.“
Waren bis vor einigen Jahren ausschließlich die kleineren Gemeinden
in abgelegenen Regionen Niederösterreichs vom Ärztemangel betroffen,
zeigt sich der Mangel heute auch schon in Städten. Selbst in einer
größeren Stadt wie Neunkirchen wird seit Monaten ein Nachfolger
gesucht. Für den stellvertretenden Kurienobmann der niedergelassenen
Ärzte, Dr. Max Wudy, ist diese Entwicklung nicht leicht
nachvollziehbar: „Ich bin seit vielen Jahren Landarzt in Weißenbach
an der Triesting. Auch wenn der Beruf des Landarztes nichts mit einem
Nine-to-five-Job zu tun hat, ist es dennoch ein wunderschöner Beruf.
Ich kenne viele meiner Patienten von Geburt an, andere begleite ich
bis zu ihrem Tod. Ich kenne die familiären Umstände und kann dieses
Wissen in die Therapie einfließen lassen. Durch das jahrelange
Vertrauensverhältnis zwischen meinen Patienten und mir bin ich Teil
ihres Lebens geworden. Nicht viele Menschen können dies von ihrem
Beruf sagen. Umso nachdenklicher stimmt es mich, dass sich so wenige
Kollegen für den Beruf des Hausarztes interessieren.“
Hainburg und Groß Enzersdorf ab Anfang April ohne Kinderarzt,
Gänserndorf und Lilienfeld fehlt bereits jetzt ein Facharzt für
Psychiatrie
Unter den Fachärzten sind Kassenstellen für Psychiatrie und Kinder-
und Jugendheilkunde am schwierigsten nachzubesetzen. „In Gänserndorf
und Lilienfeld suchen wir seit Monaten Psychiater, die den
Kassenvertrag übernehmen möchten, leider verlief die Suche auch in
diesem Quartal wieder erfolglos“, meint dazu der Kurienobmann der
niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der NÖ Ärztekammer, MR Dr.
Dietmar Baumgartner. Als Kinderarzt mit Kassenvertrag stimmt ihn das
geringe Interesse auch an den Kinderarztstellen nachdenklich: „In
Hainburg an der Donau und Groß Enzersdorf werden mit 1. April beide
Kinderarztstellen unbesetzt sein. Gerade wenn unsere jüngsten
Patienten krank sind, ist es besonders mühsam, lange Wege in Kauf zu
nehmen, um eine fachärztliche Behandlung zu erhalten. In Hainburg und
Groß Enzersdorf wird dies in wenigen Tagen leider Realität werden.“
Zuspitzen wird sich die Situation in wenigen Jahren auch in Wr.
Neustadt, wenn innerhalb kürzester Zeit alle drei Kinderärzte mit
Kassenvertrag in Pension gehen werden.
Appell an Ärzte, sich für Kassenordinationen zu bewerben
Seit Jahren bereitet die NÖ Ärztekammer interessierte Ärztinnen und
Ärzte mit Informationsangeboten auf die Eröffnung einer Ordination
vor und versucht damit, dem Ärztemangel in diesem Bereich
entgegenzuwirken. „Der Schritt in die Selbstständigkeit ist oft mit
Verunsicherungen verbunden. In unserem Studium haben wir diesen
Teilbereich unseres Berufes nicht gelernt. Daher bietet die NÖ
Ärztekammer regelmäßig Niederlassungsseminare an, bei denen die
wirtschaftlichen Aspekte herausgearbeitet werden, um Unsicherheiten
auszuräumen“, so Präsident Dr. Reisner, MSc. „Auch bei den 1. NÖ
Ärztetagen Anfang April wird sich ein Teil des Programms mit dem
Schritt vom angestellten zum niedergelassenen Arzt beschäftigen. Ich
appelliere an alle interessierten Ärztinnen und Ärzte, diese Angebote
in Anspruch zu nehmen, sich über die Herausforderungen einer eigenen
Ordination zu informieren und sich für Kassenplanstellen zu
bewerben.“
Sollten trotz der Angebote der Ärztekammer noch Fragen offen bleiben,
stehen Präsident Dr. Reisner, MSc, und Kurienobmann Dr. Baumgartner
selbstverständlich auch für persönliche Gespräche gerne zur
Verfügung.
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