14 Kassenplanstellen trotz mehrmaligen Ausschreibens ohne Bewerber

Appell der NÖ Ärztekammer, sich der Herausforderung „Kassenarzt“ zu stellen – Informationsangebote zur Vorbereitung auf Kassenvertrag nutzen

Wien (OTS) - Einmal im Quartal finden die Vorstellungstermine der Bewerber für Kassenplanstellen statt, so auch Mitte März. Doch die anwesenden Vertreter der NÖ Ärztekammer und der NÖ Gebietskrankenkasse können sich diesmal auf einen kurzen Termin einstellen. „Lediglich sieben Ärztinnen und Ärzte interessieren sich für sechs Kassenverträge für Allgemeinmedizin und sieben Fachärzte für fünf Facharztstellen. Für 14 Kassenverträge gab es nicht einen einzigen Interessenten. Vorausgesetzt, keiner der Bewerber springt noch ab, könnten damit gerade einmal elf von 25 Arztstellen mit Kassenvertrag neu besetzt werden“, zeigt sich der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, besorgt und appelliert vor allem an die Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, die Angebote der NÖ Ärztekammer zur Information und Vorbereitung auf einen Kassenvertrag in Anspruch zu nehmen.

Zehn Allgemeinmediziner weiterhin in Niederösterreich gesucht

Von den zehn ausgeschriebenen Stellen für Allgemeinmedizin werden ab Anfang April bei acht Ordinationen die Türen geschlossen bleiben. In den zwei restlichen Fällen wird dies mit erstem Juli der Fall sein, sollte sich bis dahin auch hier niemand finden, der die Kassenverträge übernehmen möchte. Dazu meint Präsident Dr. Reisner, MSc: „Am stärksten vom Ärztemangel betroffen ist derzeit der Bezirk Neunkirchen, hier werden gleich drei allgemeinmedizinische Ordinationen ab 1. April geschlossen sein, gefolgt von Krems und Mistelbach, wo wir für jeweils zwei Hausärzte Nachfolger suchen.“ Waren bis vor einigen Jahren ausschließlich die kleineren Gemeinden in abgelegenen Regionen Niederösterreichs vom Ärztemangel betroffen, zeigt sich der Mangel heute auch schon in Städten. Selbst in einer größeren Stadt wie Neunkirchen wird seit Monaten ein Nachfolger gesucht. Für den stellvertretenden Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Max Wudy, ist diese Entwicklung nicht leicht nachvollziehbar: „Ich bin seit vielen Jahren Landarzt in Weißenbach an der Triesting. Auch wenn der Beruf des Landarztes nichts mit einem Nine-to-five-Job zu tun hat, ist es dennoch ein wunderschöner Beruf. Ich kenne viele meiner Patienten von Geburt an, andere begleite ich bis zu ihrem Tod. Ich kenne die familiären Umstände und kann dieses Wissen in die Therapie einfließen lassen. Durch das jahrelange Vertrauensverhältnis zwischen meinen Patienten und mir bin ich Teil ihres Lebens geworden. Nicht viele Menschen können dies von ihrem Beruf sagen. Umso nachdenklicher stimmt es mich, dass sich so wenige Kollegen für den Beruf des Hausarztes interessieren.“

Hainburg und Groß Enzersdorf ab Anfang April ohne Kinderarzt, Gänserndorf und Lilienfeld fehlt bereits jetzt ein Facharzt für Psychiatrie

Unter den Fachärzten sind Kassenstellen für Psychiatrie und Kinder-und Jugendheilkunde am schwierigsten nachzubesetzen. „In Gänserndorf und Lilienfeld suchen wir seit Monaten Psychiater, die den Kassenvertrag übernehmen möchten, leider verlief die Suche auch in diesem Quartal wieder erfolglos“, meint dazu der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der NÖ Ärztekammer, MR Dr. Dietmar Baumgartner. Als Kinderarzt mit Kassenvertrag stimmt ihn das geringe Interesse auch an den Kinderarztstellen nachdenklich: „In Hainburg an der Donau und Groß Enzersdorf werden mit 1. April beide Kinderarztstellen unbesetzt sein. Gerade wenn unsere jüngsten Patienten krank sind, ist es besonders mühsam, lange Wege in Kauf zu nehmen, um eine fachärztliche Behandlung zu erhalten. In Hainburg und Groß Enzersdorf wird dies in wenigen Tagen leider Realität werden.“ Zuspitzen wird sich die Situation in wenigen Jahren auch in Wr. Neustadt, wenn innerhalb kürzester Zeit alle drei Kinderärzte mit Kassenvertrag in Pension gehen werden.

Appell an Ärzte, sich für Kassenordinationen zu bewerben

Seit Jahren bereitet die NÖ Ärztekammer interessierte Ärztinnen und Ärzte mit Informationsangeboten auf die Eröffnung einer Ordination vor und versucht damit, dem Ärztemangel in diesem Bereich entgegenzuwirken. „Der Schritt in die Selbstständigkeit ist oft mit Verunsicherungen verbunden. In unserem Studium haben wir diesen Teilbereich unseres Berufes nicht gelernt. Daher bietet die NÖ Ärztekammer regelmäßig Niederlassungsseminare an, bei denen die wirtschaftlichen Aspekte herausgearbeitet werden, um Unsicherheiten auszuräumen“, so Präsident Dr. Reisner, MSc. „Auch bei den 1. NÖ Ärztetagen Anfang April wird sich ein Teil des Programms mit dem Schritt vom angestellten zum niedergelassenen Arzt beschäftigen. Ich appelliere an alle interessierten Ärztinnen und Ärzte, diese Angebote in Anspruch zu nehmen, sich über die Herausforderungen einer eigenen Ordination zu informieren und sich für Kassenplanstellen zu bewerben.“

Sollten trotz der Angebote der Ärztekammer noch Fragen offen bleiben, stehen Präsident Dr. Reisner, MSc, und Kurienobmann Dr. Baumgartner selbstverständlich auch für persönliche Gespräche gerne zur Verfügung.

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