Vranitzky im ÖSTERREICH-Interview: "EU-Gründerväter würden sich im Grab umdrehen."

Altkanzler kritisiert Vorgehen der EU und österreichische Regierung in Flüchtlingsfrage: "Deutschland und Griechenland nicht einzuladen, war ein Fehler."

Wien (OTS) - Im Interview für die Sonntagsausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH übt Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky in der Flüchtlingsfrage Kritik an der EU. Vranitzky: "Die EU-Gründerväter würden sich wegen der mangelnden Solidarität, die wir derzeit erleben, im Grab umdrehen. Die EU-Staaten mit ihrer derzeitigen Einstellung werden die Flüchtlingsfragen nicht nachhaltig lösen."

Es sei endlich eine gemeinsame Linie nötig. Vranitzky: "Wenn man das Problem wirklich lösen will, muss man die Gründe für die Fluchtursachen bekämpfen ... Und die Fehlbildungen, die durch den Arabischen Winter entstanden sind – denn das war kein Frühling –, können nur durch die Großmächte USA und Russland beendet werden."

Vranitzky kristisiert auch die österreichische Bundesregierung:
"Dass man Deutschland und Griechenland nicht zur Westbalkan-Konferenz eingeladen hat, war ein Fehler." Allerdings: "Aber bei allem Idealismus , den ich verstehe und den ich durchaus teile, kann sich eine Regierung auch nicht den Realitäten verweigern. Es ist gut, dass die Regierung sagt, dass sie eine EU-Lösung anstrebt."

Hochachtung zeigt Vranitzky vor Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich erkenne an, dass sie eine Frau mit Grundsätzen ist und diese Grundsätze auch nicht bei starkem Gegenwind über Bord wirft. Man muss sich ihr inhaltlich nicht anschließen, aber sie zeigt moralische und charakterliche Stärke. Und ich glaube, dass das Eintreten für Grundsätze auch nicht bestraft wird."

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