- 04.03.2016, 12:32:40
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Wie selbstfahrende Autos die Städte verändern werden
Wien (OTS) - Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) und
des World Economic Forum (WEF) ist weltweit eine Mehrheit offen für
das selbstfahrende Auto. Die Verbraucher sehen es als Hybrid- oder
Elektrofahrzeug, das von den großen Automobilproduzenten gebaut wird.
Mit anderen Fahrgästen würden sie selbstfahrende Autos bei einer
Nutzung als Taxi eher ungern teilen. Die verantwortlichen Politiker
wünschen sich private Betreiber. Einige Städte sind bereits auf dem
Weg zur neuen Mobilität.
Die internationale Managementberatung The Boston Consulting Group
(BCG) erstellt zurzeit gemeinsam mit dem World Economic Forum (WEF)
eine Roadmap für die neue Mobilität in Städten. Dafür wurden seit
Juni 2015 in Fokusgruppen, einer groß angelegten Verbraucherumfrage
in zehn Ländern sowie in Interviews mit 25 politischen
Entscheidungsträgern in zwölf internationalen Städten sowohl die
Ist-Situation als auch die Erwartungen im Hinblick auf die Mobilität
der Zukunft mit selbstfahrenden Autos erhoben. An dem Projekt sind
neben öffentlichen Verwaltungen in Singapur, den Vereinigten
Arabischen Emiraten und Schweden auch zahlreiche Privatunternehmen
wie Siemens, Audi, Toyota, UPS oder Uber beteiligt.
Mit selbstfahrenden Autos auf der Überholspur
Weltweit laufen in verschiedenen Städten bereits Pilotprojekte mit
selbstfahrenden Fahrzeugen. In Europa sind außer in London und Milton
Keynes (UK) auch in Amsterdam sowie im schwedischen Göteborg schon
heute oder in absehbarer Zukunft selbstfahrende Autos unterwegs. In
Nordamerika sind die Städte Pittsburgh und Toronto, in Asien Singapur
auf der Überholspur, wenn es um neue Mobilität geht. "Diese
Entwicklung bietet enorme Chancen für alle Metropolen und auch für
die Automobilindustrie", sagt Dr. Nikolaus Lang, Senior Partner bei
der Boston Consulting Group. "Für die spezialisierte österreichische
Zulieferindustrie ergeben sich hier gewinnbringende neue
Geschäftsfelder."
Der Großteil der verantwortlichen Politiker geht davon aus, dass
innerhalb der kommenden zehn Jahre selbstfahrende Mobilität in den
Städten Realität sein wird. Grundsätzlich werden fahrerlose Autos
vorwiegend als "Last-Mile-Lösung" gesehen, also als ideales
Fortbewegungsmittel für die ersten und die letzten paar Kilometer zum
Zielort oder nach Hause. Die meisten Städte sind offen für die
Zusammenarbeit mit Dritten und wünschen sich mehrheitlich private
Betreiber für die Nutzung selbstfahrender Autos als Taxis.
Verbraucher sind aufgeschlossen
Die Umfrage der Boston Consulting Group zeigt deutlich, dass die
Bevölkerung neugierig auf selbstfahrende Autos ist. 58 Prozent der
Befragten in zehn Ländern würden gern eine Fahrt mit einem solchen
Auto ausprobieren. Rund 44 Prozent betrachten es als großen Vorteil,
dass ein selbstfahrendes Auto freie Parkplätze finden und
eigenständig einparken kann. Knapp 40 Prozent würden sich freuen, die
Zeit der Fahrt für andere Dinge nützen zu können, und jeder Dritte
erwartet, dass bei starkem Verkehrsaufkommen der Wechsel zum
selbstfahrenden Modus automatisch erfolgt.
Wie weit geht das Vertrauen?
Bei der Bereitschaft, die eigenen Kinder allein mit einem
selbstfahrenden Auto transportieren zu lassen, werden die Befragten
deutlich vorsichtiger: Nur 35 Prozent würden das zulassen. Am
höchsten ist hier die Zustimmung in Indien (58 Prozent) und China (46
Prozent), am niedrigsten in den Niederlanden (12 Prozent) und
Großbritannien (17 Prozent).
Große Automobilproduzenten genießen Wertschätzung
Bei den Antworten auf die Frage, wem man das größte Vertrauen bei der
Produktion selbstfahrender Autos entgegenbringt, liegen die großen
Automobilhersteller mit 46 Prozent ganz klar vorn. Weit abgeschlagen
folgen Technologiefirmen (16 Prozent) sowie neue Produzenten (12
Prozent).
Zusätzlich verbinden die Konsumenten selbstfahrende Autos mit
alternativen Antriebsformen. 37 Prozent der Befragten stellen sich
darunter Hybrid-, 29 Prozent Elektrofahrzeuge vor. Lediglich neun
Prozent sehen konventionelle Verbrennungsmotoren als Grundlage der
neuen Mobilität.
Zahlungsbereitschaft durchwegs hoch – bis zu 5.000 US-Dollar
mehr
Die Bereitschaft, für ein selbstfahrendes Auto mehr auszugeben als
für ein gewöhnliches Fahrzeug, ist hoch: 43 Prozent der Befragten
wären willens, für ein fahrerloses Auto einen deutlichen Aufpreis zu
bezahlen. Am niedrigsten liegt diese Bereitschaft in Singapur mit 31
Prozent (am höchsten in Japan mit 51 Prozent) – und von diesen würde
eine satte Mehrheit von 89 Prozent mehr als 5.000 US-Dollar
zusätzlich berappen. Weltweit würden zwischen 25 und 40 Prozent
derjenigen, die bereit sind, mehr zu zahlen, einen Betrag von über
5.000 US-Dollar extra in die neue Mobilität investieren.
Zurückhaltung bei gemeinsamer Fahrt mit Fremden
Auf die Frage, ob man sich ein selbstfahrendes Taxi mit fremden
Personen teilen möchte, antworten nur zwölf Prozent mit einem
uneingeschränkten Ja. Weitere 25 Prozent halten dies immerhin für
vorstellbar. Wenn man allerdings einen Preisnachlass ins Spiel
bringt, erhöht sich die Bereitschaft signifikant: Würde sich
beispielsweise der Fahrpreis durch die Mitfahrer von 20 US-Dollar auf
5 US-Dollar reduzieren, dann wäre jeder Zweite willens, sich das Taxi
zu teilen. Am höchsten ist die entsprechende Bereitschaft in den
bevölkerungsstarken Ländern China und Indien.
Zukunftsszenarien
Noch ist die weitere Entwicklung offen. Denkbar sind unterschiedliche
Szenarien – von einer moderaten Einführung, bei der rund elf Prozent
der Passagierkilometer durch private selbstfahrende Autos und sechs
Prozent durch selbstfahrende Taxis absolviert werden, bis hin zu
revolutionären Änderungen mit einer Reduzierung des bisher üblichen
privaten Autoverkehrs auf fünf Prozent und einer Erhöhung des Anteils
von selbstfahrenden Taxis auf über 50 Prozent. Wie schnell diese
Entwicklung erfolgen wird, hängt auch davon ab, wie und wann die im
Folgenden genannten offenen Punkte geklärt werden.
Offene Fragen im Zusammenhang mit selbstfahrenden Autos
- Steigender Verkehr und Emissionen: Wie lassen sich Leerfahrten und
(bei konventionellen Antriebssystemen) eine Zunahme der Emissionen
vermeiden?
- Zersiedelung: Wie kann man verhindern, dass sich der Speckgürtel
um die Städte ausbreitet und immer mehr Menschen weg aus den Städten
in die weitere Umgebung ziehen, wenn selbstfahrende Autos mehr
Komfort bieten?
Haftungsfragen: Wer übernimmt im Falle eines Unfalls die
Haftung?
- Ethische Fragen: Wie soll entschieden werden, wen das Fahrzeug im
Falle eines nicht zu vermeidenden Unfalls rettet?
- Arbeitsmarkt: Welche Konsequenzen sind für den Arbeitsmarkt zu
erwarten (Taxifahrer)?
- Cybersecurity: Wie lassen sich selbstfahrende Autos gegen
Hackerangriffe schützen?
- Sicherheit: Wie kann die Sicherheit auf den Straßen gewährleistet
werden, und wie vermitteln wir dies den Bürgern?
- Finanzierung der Infrastruktur: Wie kann die notwendige
Infrastruktur finanziert werden?
- Nutzung von freien Flächen: Wie können wir frei werdende Flächen
am besten nutzen?
- Öffentliche Verkehrsmittel: Wie können wir verhindern, dass der
öffentliche Verkehr vollständig durch selbstfahrende Autos ersetzt
wird?
Zu der Studie
Für das gemeinsame Projekt mit dem World Economic Forum (WEF) hat die
Boston Consulting Group (BCG) sechs Fokusgruppen in Singapur, Berlin
und London sowie Online-Interviews mit 5.500 Konsumenten in
Deutschland, den USA, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen
Emiraten, Singapur, China, Japan, Indien, Frankreich und den
Niederlanden durchgeführt. Zusätzlich wurden 25 politische
Entscheidungsträger in verschiedenen Städten über ihre Erwartungen,
Prioritäten und Herausforderungen befragt. Das Projekt wird von
privater Seite von Uber, Siemens AG, Delphi Automotive,
Renault-Nissan Alliance, Toyota Motor Corporation, Audi AG, AB Volvo,
General Motors Company, PSA Peugeot Citroën, Qualcomm Incorporated,
HERE, ChargePoint, UPS und DB Mobility Logistics AG unterstützt. Im
öffentlichen Bereich sind das Ministry of Transport Singapore, die
Land Transport Authority Singapore, das United Arab Emirates Ministry
of Cabinet Affairs, die Roads & Transport Authority Dubai sowie Drive
Sweden Kooperationspartner.
The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Management¬beratung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbs-vorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
jeweiligen Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis
dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson
gegründet und ist heute an 82 Standorten in 46 Ländern vertreten. Das
Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner
Geschäftsführer. Weltweit erwirtschaftete BCG im Jahr 2014 mit 10.500
Mitarbeitern einen Umsatz von 4,55 Milliarden US-Dollar. Für weitere
Informationen: www.bcg.at.
In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt The Boston
Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare,
Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben
Publikationen zu aktuellen Wirt¬schafts- und Unternehmensthemen
beinhaltet die Plattform auch Veröffent¬lichungen aus der über
50-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich
unter www.bcgperspectives.com.
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