Wie selbstfahrende Autos die Städte verändern werden

Wien (OTS) - Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) und des World Economic Forum (WEF) ist weltweit eine Mehrheit offen für das selbstfahrende Auto. Die Verbraucher sehen es als Hybrid- oder Elektrofahrzeug, das von den großen Automobilproduzenten gebaut wird. Mit anderen Fahrgästen würden sie selbstfahrende Autos bei einer Nutzung als Taxi eher ungern teilen. Die verantwortlichen Politiker wünschen sich private Betreiber. Einige Städte sind bereits auf dem Weg zur neuen Mobilität.

Die internationale Managementberatung The Boston Consulting Group (BCG) erstellt zurzeit gemeinsam mit dem World Economic Forum (WEF) eine Roadmap für die neue Mobilität in Städten. Dafür wurden seit Juni 2015 in Fokusgruppen, einer groß angelegten Verbraucherumfrage in zehn Ländern sowie in Interviews mit 25 politischen Entscheidungsträgern in zwölf internationalen Städten sowohl die Ist-Situation als auch die Erwartungen im Hinblick auf die Mobilität der Zukunft mit selbstfahrenden Autos erhoben. An dem Projekt sind neben öffentlichen Verwaltungen in Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Schweden auch zahlreiche Privatunternehmen wie Siemens, Audi, Toyota, UPS oder Uber beteiligt.

Mit selbstfahrenden Autos auf der Überholspur

Weltweit laufen in verschiedenen Städten bereits Pilotprojekte mit selbstfahrenden Fahrzeugen. In Europa sind außer in London und Milton Keynes (UK) auch in Amsterdam sowie im schwedischen Göteborg schon heute oder in absehbarer Zukunft selbstfahrende Autos unterwegs. In Nordamerika sind die Städte Pittsburgh und Toronto, in Asien Singapur auf der Überholspur, wenn es um neue Mobilität geht. "Diese Entwicklung bietet enorme Chancen für alle Metropolen und auch für die Automobilindustrie", sagt Dr. Nikolaus Lang, Senior Partner bei der Boston Consulting Group. "Für die spezialisierte österreichische Zulieferindustrie ergeben sich hier gewinnbringende neue Geschäftsfelder."

Der Großteil der verantwortlichen Politiker geht davon aus, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre selbstfahrende Mobilität in den Städten Realität sein wird. Grundsätzlich werden fahrerlose Autos vorwiegend als "Last-Mile-Lösung" gesehen, also als ideales Fortbewegungsmittel für die ersten und die letzten paar Kilometer zum Zielort oder nach Hause. Die meisten Städte sind offen für die Zusammenarbeit mit Dritten und wünschen sich mehrheitlich private Betreiber für die Nutzung selbstfahrender Autos als Taxis.

Verbraucher sind aufgeschlossen

Die Umfrage der Boston Consulting Group zeigt deutlich, dass die Bevölkerung neugierig auf selbstfahrende Autos ist. 58 Prozent der Befragten in zehn Ländern würden gern eine Fahrt mit einem solchen Auto ausprobieren. Rund 44 Prozent betrachten es als großen Vorteil, dass ein selbstfahrendes Auto freie Parkplätze finden und eigenständig einparken kann. Knapp 40 Prozent würden sich freuen, die Zeit der Fahrt für andere Dinge nützen zu können, und jeder Dritte erwartet, dass bei starkem Verkehrsaufkommen der Wechsel zum selbstfahrenden Modus automatisch erfolgt.

Wie weit geht das Vertrauen?

Bei der Bereitschaft, die eigenen Kinder allein mit einem selbstfahrenden Auto transportieren zu lassen, werden die Befragten deutlich vorsichtiger: Nur 35 Prozent würden das zulassen. Am höchsten ist hier die Zustimmung in Indien (58 Prozent) und China (46 Prozent), am niedrigsten in den Niederlanden (12 Prozent) und Großbritannien (17 Prozent).

Große Automobilproduzenten genießen Wertschätzung

Bei den Antworten auf die Frage, wem man das größte Vertrauen bei der Produktion selbstfahrender Autos entgegenbringt, liegen die großen Automobilhersteller mit 46 Prozent ganz klar vorn. Weit abgeschlagen folgen Technologiefirmen (16 Prozent) sowie neue Produzenten (12 Prozent).

Zusätzlich verbinden die Konsumenten selbstfahrende Autos mit alternativen Antriebsformen. 37 Prozent der Befragten stellen sich darunter Hybrid-, 29 Prozent Elektrofahrzeuge vor. Lediglich neun Prozent sehen konventionelle Verbrennungsmotoren als Grundlage der neuen Mobilität.

Zahlungsbereitschaft durchwegs hoch – bis zu 5.000 US-Dollar mehr

Die Bereitschaft, für ein selbstfahrendes Auto mehr auszugeben als für ein gewöhnliches Fahrzeug, ist hoch: 43 Prozent der Befragten wären willens, für ein fahrerloses Auto einen deutlichen Aufpreis zu bezahlen. Am niedrigsten liegt diese Bereitschaft in Singapur mit 31 Prozent (am höchsten in Japan mit 51 Prozent) – und von diesen würde eine satte Mehrheit von 89 Prozent mehr als 5.000 US-Dollar zusätzlich berappen. Weltweit würden zwischen 25 und 40 Prozent derjenigen, die bereit sind, mehr zu zahlen, einen Betrag von über 5.000 US-Dollar extra in die neue Mobilität investieren.

Zurückhaltung bei gemeinsamer Fahrt mit Fremden

Auf die Frage, ob man sich ein selbstfahrendes Taxi mit fremden Personen teilen möchte, antworten nur zwölf Prozent mit einem uneingeschränkten Ja. Weitere 25 Prozent halten dies immerhin für vorstellbar. Wenn man allerdings einen Preisnachlass ins Spiel bringt, erhöht sich die Bereitschaft signifikant: Würde sich beispielsweise der Fahrpreis durch die Mitfahrer von 20 US-Dollar auf 5 US-Dollar reduzieren, dann wäre jeder Zweite willens, sich das Taxi zu teilen. Am höchsten ist die entsprechende Bereitschaft in den bevölkerungsstarken Ländern China und Indien.

Zukunftsszenarien

Noch ist die weitere Entwicklung offen. Denkbar sind unterschiedliche Szenarien – von einer moderaten Einführung, bei der rund elf Prozent der Passagierkilometer durch private selbstfahrende Autos und sechs Prozent durch selbstfahrende Taxis absolviert werden, bis hin zu revolutionären Änderungen mit einer Reduzierung des bisher üblichen privaten Autoverkehrs auf fünf Prozent und einer Erhöhung des Anteils von selbstfahrenden Taxis auf über 50 Prozent. Wie schnell diese Entwicklung erfolgen wird, hängt auch davon ab, wie und wann die im Folgenden genannten offenen Punkte geklärt werden.

Offene Fragen im Zusammenhang mit selbstfahrenden Autos

- Steigender Verkehr und Emissionen: Wie lassen sich Leerfahrten und (bei konventionellen Antriebssystemen) eine Zunahme der Emissionen vermeiden?

- Zersiedelung: Wie kann man verhindern, dass sich der Speckgürtel um die Städte ausbreitet und immer mehr Menschen weg aus den Städten in die weitere Umgebung ziehen, wenn selbstfahrende Autos mehr Komfort bieten?

Haftungsfragen: Wer übernimmt im Falle eines Unfalls die Haftung?

- Ethische Fragen: Wie soll entschieden werden, wen das Fahrzeug im Falle eines nicht zu vermeidenden Unfalls rettet?

- Arbeitsmarkt: Welche Konsequenzen sind für den Arbeitsmarkt zu erwarten (Taxifahrer)?

- Cybersecurity: Wie lassen sich selbstfahrende Autos gegen Hackerangriffe schützen?

- Sicherheit: Wie kann die Sicherheit auf den Straßen gewährleistet werden, und wie vermitteln wir dies den Bürgern?

- Finanzierung der Infrastruktur: Wie kann die notwendige Infrastruktur finanziert werden?

- Nutzung von freien Flächen: Wie können wir frei werdende Flächen am besten nutzen?

- Öffentliche Verkehrsmittel: Wie können wir verhindern, dass der öffentliche Verkehr vollständig durch selbstfahrende Autos ersetzt wird?

Zu der Studie

Für das gemeinsame Projekt mit dem World Economic Forum (WEF) hat die Boston Consulting Group (BCG) sechs Fokusgruppen in Singapur, Berlin und London sowie Online-Interviews mit 5.500 Konsumenten in Deutschland, den USA, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, China, Japan, Indien, Frankreich und den Niederlanden durchgeführt. Zusätzlich wurden 25 politische Entscheidungsträger in verschiedenen Städten über ihre Erwartungen, Prioritäten und Herausforderungen befragt. Das Projekt wird von privater Seite von Uber, Siemens AG, Delphi Automotive, Renault-Nissan Alliance, Toyota Motor Corporation, Audi AG, AB Volvo, General Motors Company, PSA Peugeot Citroën, Qualcomm Incorporated, HERE, ChargePoint, UPS und DB Mobility Logistics AG unterstützt. Im öffentlichen Bereich sind das Ministry of Transport Singapore, die Land Transport Authority Singapore, das United Arab Emirates Ministry of Cabinet Affairs, die Roads & Transport Authority Dubai sowie Drive Sweden Kooperationspartner.

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Management¬beratung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbs-vorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 82 Standorten in 46 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. Weltweit erwirtschaftete BCG im Jahr 2014 mit 10.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,55 Milliarden US-Dollar. Für weitere Informationen: www.bcg.at.

In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt The Boston Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare, Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben Publikationen zu aktuellen Wirt¬schafts- und Unternehmensthemen beinhaltet die Plattform auch Veröffent¬lichungen aus der über 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich unter www.bcgperspectives.com.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Katharina Sacken
Marketing Manager

THE BOSTON CONSULTING GROUP
Am Hof 8
1010 Vienna ▪ Austria

Tel. +43 1 537 56 8163 ▪ Mobile +43 676 5797311
sacken.katharina@bcg.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BCG0001