• 04.03.2016, 11:15:02
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Jede dritte Apotheke sieht rot

15 Millionen Euro für defizitäre Nachtdienste gefordert

Link: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7580 Im
Bild v.l.n.r. Mag. Sven Abart, Direktor des Österreichischen
Apothekerverbandes, Dr. Christian Müller-Uri, Präsident des
Österreichischen Apothekerverbandes und Mag. Peter Voithofer.
Direktor der KMU-Forschung Österreich

Utl.: 15 Millionen Euro für defizitäre Nachtdienste gefordert =

Wien (OTS) - Immer mehr Apothekenbetriebe schlittern in die
Verlustzone. Vor fünf Jahren schrieb jede vierte Apotheke rote
Zahlen, heute ist es bereits jede dritte. Eine Entlastung der
defizitären Nachtdienste könnte die Lage entschärfen und diese
wichtige Dienstleistung für die Allgemeinheit absichern.

Die Wirtschaftslage der Apotheken bleibt angespannt, eine Wende ist
nicht in Sicht. Ertragsrückgänge bringen die Apotheken in Bedrängnis
und machen es zusehends schwieriger, die Apothekenbetriebe zu
finanzieren. „Die Apotheken in Österreich verdienen aufgrund des
Sparzwangs im Gesundheitswesen zu wenig“, sagt Dr. Christian
Müller-Uri, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes.

Jahrelang haben die Apotheken trotz eines sinkenden Vergütungsanteils
die Krankenkassen durch Sondernachlässe und Finanzierungsbeiträge
unterstützt. Allein seit 2004 gaben sie den Krankenkassen
Sondernachlässe in Höhe von 103,7 Mill. Euro und seit 2008 leisteten
sie Finanzierungsbeiträge in Höhe von 43 Mill. Euro. Das sind in
Summe 146,7 Mill. Euro.

Belastungen dieser Art sind den Apotheken nicht mehr zumutbar. „2016
erwarten wir kein gutes Geschäftsjahr. Außerdem leisten wir bereits
einen zusätzlichen Beitrag für die AGES Medizinmarktaufsicht,“ so
Müller-Uri. Die Apotheken finanzieren im Jahr 2016 ein eigenes Team
dieser Behörde, das zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen
eingesetzt wird.

Entlastung der defizitären Nachtdienste durch die öffentliche Hand
Nacht für Nacht erbringen Apotheken eine Leistung, die der
Allgemeinheit zu Gute kommt, für Apotheken aber ein Defizitgeschäft
ist: Die Bereitschaftsdienste. In 280 der 1.360 Apotheken versieht
jede Nacht - auch an Wochenenden, Sonn- oder Feiertagen - eine
ApothekerIn ihren Dienst. Das sind 100.000 Nachtdienste pro Jahr, in
denen 1,8 Millionen Patienten und Kunden versorgt werden. Diese
Nachtdienste kosten jährlich 33 Millionen Euro. Davon werden 30
Millionen von den Apotheken selbst getragen. Die restlichen 3
Millionen werden durch den Nachtzuschlag (max. 3,80 Euro pro Kunde)
und einen Bagatellzuschuss der Krankenkassen gedeckt.

Die Apotheken bilden damit eine Ausnahme im Gesundheitssystem, wo
üblicherweise Ärztenotdienste und Nachtdienste in Spitälern von der
öffentlichen Hand gestützt werden. In Deutschland erhalten auch die
Apotheken eine Nachtdienstförderung.

„Wir müssen die Nachtdienste der Apotheken in Österreich auf neue
finanzielle Beine stellen. Ein Zuschuss könnte die schwierige
betriebswirtschaftliche Situation entschärfen und die wichtigen
Nachtdienste absichern“, so Müller-Uri. Um den Dienst in vollem
Umfang aufrecht zu erhalten, fordert der Apothekerverband 15
Millionen Euro pro Jahr von der öffentlichen Hand. Das ist die Hälfte
dessen, was die Apotheken bisher selbst bezahlen.

Kassenspanne*) am Tiefpunkt

Apotheken erzielen im Schnitt 70 Prozent ihres Umsatzes mit
rezeptpflichtigen Medikamenten, die von Ärzten auf Kassenkosten
verschrieben werden. Dieser so genannte Kassenumsatz, der das
Hauptgeschäft einer Apotheke bildet, stieg im Geschäftsjahr 2015 um
5,6 % auf 2,62 Mrd. Euro (2014: 2,48 Mrd. Euro). Das Umsatzplus, das
vor allem durch innovative, hochpreisige Arzneimittel zustande kam,
schlug sich in der Apothekenvergütung kaum nieder. Sonderrabatte,
Finanzierungsbeiträge für die Krankenkassen sowie geringe Aufschläge
für hochpreisige Arzneimittel haben dazu geführt, dass die
Kassenspanne mit 15,67 % im Jahr 2015 an einem neuen Tiefpunkt
angelangt ist. Vor 10 Jahren lag dieser Vergütungsanteil
rezeptpflichtiger Medikamente noch bei 20,47 %.
*) Kassenspanne = jener Umsatzanteil, der nach Abzug des
Einkaufspreises für ein Medikament zur Abdeckung der sonstigen Kosten
wie Personal, Miete etc. verbleibt.

„Die Kosten der Apotheken haben sich von 2011 bis 2015 um 6,8 %
erhöht. Im gleichen Zeitraum ist der Kassenumsatz um 16 % gestiegen,
die Vergütung hingegen nur um 1,9 %. Das ist bei weitem zu wenig, um
die inflationsbedingt oder kollektivvertraglich steigenden Kosten für
Personal, Miete, Strom, EDV, aber auch Nachtdienste, abzudecken“,
sagt Sven Abart, Direktor des Österreichischen Apothekerverbandes.

Diese Negativ-Entwicklung führt dazu, dass auch die Gesamtspanne der
Apotheken mager ausfällt und viel niedriger ist als in anderen
Handelsbranchen wie etwa im Bekleidungs-, im Sport-, Möbel-, oder
Buchhandel. Die verwandten Branchen Lebensmittel- und Drogeriehandel
verzeichnen trotz eines harten, freien Wettbewerbs Spannenzuwächse,
während es bei den Apotheken aufgrund des rigiden Spannensystems nur
nach unten geht. So hat sich die Gesamtspanne im Drogeriehandel in
den vergangenen 10 Jahren von 37,5 % auf 40,9 % erhöht und im
Lebensmittelhandel von 26,5 % auf 29,3 %. Bei den Apotheken hingegen
ist sie laut Branchenanalyse der KMU Forschung Austria im gleichen
Zeitraum von 29,6 % auf 28,2 % gesunken.

KMU Forschung Austria: Apotheken werden immer unrentabler

Das regulierte Spannensystem hinterlässt seit geraumer Zeit seine
Spuren bei den Apothekenbetrieben. Eine Studie der KMU-Forschung
Austria von 2013/14 zeigt, dass sowohl die Umsatzrentabilität - also
der auf den Umsatz bezogene Gewinnanteil (vor Ertragsteuer) - als
auch die Eigenkapitalquote - eine wichtige Kenngröße für die
Kreditwürdigkeit eines Unternehmens - seit Jahren sinken.

„Die Apotheken weisen mit 3,6 % die mit Abstand niedrigste
Eigenkapitalquote im Einzelhandelsbereich aus. Diese Quote sollte bei
rund 30 % liegen, was beim vergleichbaren Einzelhandel mit
durchschnittlich 26,7 % auch annähernd der Fall ist“, so Mag. Peter
Voithofer, Direktor der KMU-Forschung Austria.

Die Umsatzrentabilität der Apotheken ist mit 2,8 % im Durchschnitt
zwar nach wie vor höher als im Einzelhandel (1,9 %), entwickelt sich
aber ebenfalls seit Jahren rückläufig. Laut Voithofer weisen immer
mehr Betriebe negative Ergebnisse aus und rutschen somit in die
Verlustzone ab. Aktuell sind dies 31 % aller Apotheken, Tendenz
steigend.

Infografik-Serie gibt Einblick in die Apothekenwelt

Eine Infografik-Serie in den Tageszeitungen „Die Presse“, „Der
Standard“ und „Wirtschaftsblatt“ gibt interessierten Lesern und
Entscheidungsträgern ab sofort jeden Freitag (Wirtschaftsblatt) und
jeden Samstag (Presse, Standard) einen Einblick in die
Wirtschaftswelt der Apotheken. Dabei werden sowohl die schwierige
betriebswirtschaftliche Situation der Apotheken verständlich
dargestellt als auch die Leistungen, die vom Gesundheitsnahversorger
und Arbeitgeber Apotheke für die Allgemeinheit erbracht werden. Die
Infografik-Serie läuft bis Ende Juni.

Über den Österreichischen Apothekerverband

In Österreich sorgen 1.370 inhabergeführte Apotheken flächendeckend
für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung. Nahezu alle
selbständigen Apotheker sind Mitglieder beim Österreichischen
Apothekerverband, der sie politisch vertritt, in unternehmerischen,
rechtlichen sowie pharmazeutischen Belangen unterstützt, ihre
Position als freie Unternehmer stärkt und die Lehrlingsausbildung der
Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenz (PKA) mitgestaltet.

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sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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