- 03.03.2016, 11:52:58
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NÖ Impftag: Asylsuchende, Flüchtlinge und Migranten
Gemeinsame Fortbildung für Ärzte und Apotheker
Utl.: Gemeinsame Fortbildung für Ärzte und Apotheker =
Wien (OTS) - Das Thema „Asylsuchende, Flüchtlinge und Migranten“ hat
in den letzten Monaten nicht nur für politische Schlagzeilen, sondern
auch für viele medizinische Fragen gesorgt. Der siebente
niederösterreichische Impftag möchte sich daher speziell den
Problemen und Unsicherheiten rund um diese Personengruppen widmen,
die aus Kriegsgebieten geflohen sind und nun Schutz in Österreich
suchen. Am 12. März treffen sich bereits zum siebenten Mal Ärzte und
Apotheker gemeinsam zur Fortbildung im Stift Melk, um sich bei der
präventivmedizinischen Versorgung von Asylsuchenden und Flüchtlingen
auf den neuesten Stand zu bringen.
„Bei der diesjährigen Fortbildung haben wir ein besonders
spannendes Thema gewählt, das sehr viele Ärzte und Apotheker in ihrer
täglichen Arbeit beschäftigt und dennoch viele Fragen und
Unsicherheiten aufwirft“, berichtet Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl
Zwiauer, wissenschaftlicher Leiter und Organisator des NÖ Impftages
und Vorstand der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde des
Universitätsklinikums St. Pölten. „Konkret geht es beim diesjährigen
NÖ Impftag um drei Bereiche: Erstens um die präventivmedizinische
Versorgung von Asylsuchenden und Flüchtlingen. Zweitens um
Erkrankungen oder ungewöhnliche Infektionen, die diese
Bevölkerungsgruppe mitbringt. Drittens um die Personen, die
Flüchtlinge und Asylsuchende erstversorgen und betreuen.“
Asylsuchende und Flüchtlinge kommen häufig aus Ländern mit einer
völlig anderen Epidemiologie und haben daher auch andere Krankheiten.
Medizinische Grundversorgung und Impfstatus von Flüchtlingen
überraschend gut
Der Bürgerkrieg in Syrien dauert mittlerweile seit fast fünf
Jahren an. Zuvor gab es vor allem in Städten wie Damaskus ein sehr
gutes Gesundheitssystem nach westlichem Standard. „Diese gute
medizinische Versorgung hat gerade auch die Impfvorsorge betroffen.
Durch den Bürgerkrieg hat das Gesundheitssystem vor etwa drei Jahren
begonnen zusammenzubrechen. Die erwachsenen Flüchtlinge aus Syrien
oder dem Irak sind daher in der Regel recht gut versorgt. Als
Kinderarzt beobachte ich allerdings, dass gerade jüngere
Flüchtlingskinder oft deshalb ungeimpft nach Österreich kommen, weil
in ihrer alten Heimat entweder keine Impfstoffe mehr zur Verfügung
standen oder aber die Eltern den Impfstoffen in Bezug auf Lagerung
und Zusammensetzung nicht mehr trauen konnten“, meint der
Kurienobmann und Impfreferent der NÖ Ärztekammer, Vizepräsident MR
Dr. Dietmar Baumgartner. Eine systematische Erhebung des Impfstatus
wäre von eminenter Bedeutung, da viele Asylsuchende auch aus Gegenden
oder Bevölkerungsgruppen mit eingeschränktem Zugang zu medizinischer
Versorgung und Impfungen stammen. Sie werden beim Erstkontakt nach
Impfungen anamnestisch befragt. „In einigen Fällen führen Flüchtlinge
sogar Impfpässe mit. Die praktische Umsetzung und Organisation der
Erstuntersuchung mit Erhebung des Impfstatus sind aber dennoch
weiterhin recht schwierig“, ergänzt Baumgartner.
Impfempfehlungen für Flüchtlinge und Einheimische ident
Der österreichische Impfplan des Gesundheitsministeriums empfiehlt
für alle Menschen, daher auch für Flüchtlinge, Asylsuchende und
Migranten ohne positiven Impfstatus eine Reihe von Nachholimpfungen.
Jeder, der in einem Erstaufnahmezentren aufgenommen wird, sollte
gemäß dem aktuellen Österreichischen Impfplan geimpft werden. Dazu
erläutert Zwiauer folgendes: „Als Mindestversorgung sind dies
prioritär die Impfung gegen Masern, Röteln, Mumps und die
Vierfach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio.“
Verfügbarkeit von Impfstoffen
In letzter Zeit wird immer wieder von Lieferengpässen berichtet.
Die Situation hat sich jüngst jedoch deutlich entspannt. Meist sind
die betroffenen Arzneimittel beziehungsweise Impfstoffe aber nach
wenigen Tagen wieder verfügbar. „Damit aus Lieferengpässen keine
Versorgungsengpässe werden, investieren die Apothekerinnen und
Apotheker sehr viel Zeit und Engagement und suchen für den Kunden
gezielt nach alternativen Lösungen. Im Gegensatz zu anderen
Arzneimitteln ist das bei Impfstoffen aber nicht so einfach, da der
Impfstoffmarkt ständig in Bewegung ist“, erklärt Mag. pharm. Heinz
Haberfeld, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich. Globale
Fusionen führen mitunter dazu, dass Produkte nicht weiterentwickelt
oder aus dem Portfolio genommen werden. Für viele
Impfstoffe/Impfstoffkombinationen gibt es oft nur wenige
beziehungsweise gar nur einen einzigen Hersteller. „Bei
Produktionsausfällen kann es dann schnell zu Lieferengpässen kommen.
Aktuell ist allerdings auch der erwähnte Vierfachimpfstoff gegen
Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio wieder in allen Apotheken
erhältlich“, so Haberfeld.
Mangelnde Impfbereitschaft des Gesundheitspersonals
Besonders wichtig ist es aber auch, dass das Gesundheitspersonal
und die betreuenden Personen (Helfer) einen ausreichenden Impfschutz
haben. Um die Impfbereitschaft des Gesundheitspersonals ist es in
Österreich aber leider relativ schlecht gestellt. „Obwohl jeder
Ersthelfer die vom Obersten Sanitätsrat empfohlenen Impfungen gratis
zur Verfügung gestellt bekommt, gibt es immer noch Personen, die
nicht ausreichend geschützt sind“, so Zwiauer.
Impfaktionen in Apotheken
Die Impfung zählt zur wichtigsten und wirksamsten
Vorsorgemaßnahmen, um die Gesundheit zu schützen. „Aus diesem Grund
rufen Apotheker gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit,
der Industrie und den Sozialversicherungen über das Jahr verteilt
zahlreiche Impfaktionen ins Leben“, so Haberfeld. Während des
Aktionszeitraums werden Impfstoffe vergünstigt abgegeben. Eine davon
ist beispielsweise die Impfaktion gegen FSME, die noch bis 31. Juli
2016 läuft. Ein ausreichender Impfschutz gegen die gefährliche
Frühsommer-Meningoenzephalitis ist sowohl für Erwachsene als auch für
Kinder, die sich in Österreich aufhalten, besonders empfehlenswert.
Flüchtlinge nicht oder kaum kränker als übrige Bevölkerung
Kaum ein anderes Thema hat in den letzten Monaten so polarisiert
wie das Thema Flüchtlinge und Asylsuchende. Im Zuge der Diskussion
geht es auch um Krankheiten, die möglicherweise von Flüchtlingen nach
Europa eingeschleppt werden. „Flüchtlinge sind für uns keine
Gesundheitsbedrohung. In der Regel sind es gesunde Männer zwischen 20
und 35 Jahren, manchmal auch junge Frauen und Kinder. Für chronisch
Kranke wäre die Reise wahrscheinlich zu beschwerlich. Meist leiden
die Flüchtlinge – so wie wir auch – an grippalen Infekten. Dennoch
ist das Wissen über seltene Infektionen wichtig. Eine valide
Einschätzung der Empfänglichkeit für impfpräventable Erkrankungen in
dieser Bevölkerungsgruppe ist allerdings sehr schwierig“, so Zwiauer.
Informationen zu akut behandlungsbedürftigen und für Österreich
ungewöhnlichen Erkrankungen, die bei Asylsuchenden auftreten können,
gibt es auf der Website der NÖ Ärztekammer unter www.arztnoe.at im
Bereich „Ärztliche Tätigkeit/Impfen/7. NÖ Impftag“.
„….auf der Flucht!“
Nachdem in Österreich ein Asylantrag gestellt wurde, wird bei
jedem Asylwerber eine Erstuntersuchung durchgeführt. In diesem Rahmen
finden bei Bedarf auch Impfungen statt beziehungsweise bestehen auch
noch später Möglichkeiten für Flüchtlinge, sich impfen zu lassen. In
Österreich gibt es keine Impfpflicht, das bedeutet, jeder Mensch hat
das Recht, für sich zu entscheiden, ob er geimpft werden möchte. Dr.
Thomas Wochele-Thoma, ärztlicher Leiter der Caritas Wien: „Bei
Menschen auf der Flucht sind Information und Aufklärung bezüglich
Impfungen besonders wichtig, stellen aber oftmals eine schwierige
Aufgabe dar. Einerseits aufgrund der Sprachbarriere und andererseits
aufgrund anderer kultureller Vorstellungen sowie der oft langen und
strapaziösen Flucht. Es ist also wesentlich, Rahmenbedingungen zu
schaffen, die ausreichend Zeit für eine Arzt-Patienten-Beziehung und
ein Ankommen im österreichischen Gesundheitssystem ermöglichen. Dazu
zählt auch die Information und Aufklärung in der Landessprache.“
Sich fortbilden und dabei Kindern in Syrien helfen
Mehrere Schüler haben sich im Vorfeld zum NÖ Impftag mit der Frage
auseinandergesetzt, was ihnen besonders wichtig ist und sie daher für
ihre Zukunft schützen wollen. Unter der Leitung der österreichischen
Künstlerin Katharina Müller-Hartburg schufen Schülerinnen und Schüler
mehr als 50 Kunstwerke zum Thema „schützenswerte Zukunft“. Ab sofort
gibt es die Möglichkeit, die Bilder online unter
www.kindern-helfen.at zu ersteigern. Zehn Bilder werden im Rahmen des
NÖ Impftages direkt vor Ort im Stift Melk unter den anwesenden Ärzten
und Apothekern versteigert werden. Der Reinerlös wird an ein
Kinderprojekt in Syrien der Caritas gehen. „Wir laden jeden
Interessierten ein, sich an der Versteigerung zu beteiligen und
wünschen uns, dass wir mit Hilfe zahlreicher Ärztinnen und Ärzte
sowie Apothekerinnen und Apothekern einen Scheck in beachtlicher Höhe
an die Caritas überreichen dürfen“, so Zwiauer abschließend.
Derzeitige Impfaktionen in den österreichischen Apotheken:
• FSME: bis 31. Juli 2016, Zuschüsse einiger Kassen sind ganzjährig • Pneumokokken: bis 31. März 2016, Zuschüsse einiger Kassen gelten bis 31.8.2016 • Meningokokken B: bis 30. Juni 2016 • Hepatitis: 1. April bis 31. Mai 2016
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