- 01.03.2016, 12:36:35
- /
- OTS0162 OTW0162
AK-Präsident Kalliauer: „Dauerndes Wehklagen über mangelnde Flexibilität ist unangebracht!"
Linz (OTS) - Studien zeigen: Österreichs Beschäftigte sind im
EU-Vergleich bereits jetzt schon überdurchschnittlich flexibel und
arbeiten überdurchschnittlich lange. „Vor dem Hintergrund der
Faktenlage ist das dauernde Klagen der Unternehmervertreter über
mangelnde Flexibilität nicht nur unangebracht, sondern beinahe schon
eine Verhöhnung der überdurchschnittlich leistungsbereiten und
produktiven heimischen Beschäftigten“, ärgert sich AK-Präsident Dr.
Johann Kalliauer. Er erinnert die Arbeitgebervertretung daran, dass
es in Österreich bereits eine Vielzahl an Möglichkeiten der
Arbeitszeitflexibilisierung in Betriebsvereinbarungen,
Kollektivverträgen und im Gesetz gibt, etwa in Form von
Gleitzeitregelungen, Durchrechnungs- und Bandbreitenmodellen.
Fakt ist: Österreichs Beschäftigte sind im EU-Vergleich laut „Working
Conditions Survey“ von Eurofound, der die Arbeitsbedingungen in der
EU erhebt, bereits jetzt schon überdurchschnittlich flexibel. Mehr
als die Hälfte der Arbeitnehmer/-innen (56,7 Prozent) arbeitet nicht
jeden Tag die gleiche Anzahl an Stunden (EU-Durchschnitt: 43,5
Prozent), 29 Prozent sind von schwankenden Wochen-Arbeitszeiten
betroffen (EU-Durchschnitt: 25 Prozent) und jede/-r zweite
Beschäftigte hat keine fixen Beginn- und Endzeiten im Job
(EU-Durchschnitt: 29 Prozent). Außerdem arbeiten Österreichs
Vollzeitbeschäftigte überdurchschnittlich lange – nämlich 41,5
Stunden pro Woche. Nur in Großbritannien und in Portugal wird noch
länger gearbeitet, der EU-Durchschnitt liegt bei 40,4 Wochenstunden.
Fast ein Drittel aller Österreicher/-innen arbeitet einmal oder
mehrmals im Monat länger als zehn Stunden am Tag. 2014 leisteten die
heimischen Arbeitnehmer/-innen zudem 269 Millionen Mehrarbeits- und
Überstunden, von denen 57,4 Millionen weder in Geld noch Zeit
abgegolten wurden. Würde es gelingen, dieses Arbeitsvolumen
umzuverteilen, könnten rein rechnerisch mehr als 130.000 Vollzeitjobs
entstehen.
Hinter dem von der Arbeitgeberseite beinahe schon überstrapazierten
Schlagwort „Flexibilität“ verbirgt sich meist das Interesse der
Unternehmen, wichtige und sinnvolle Schutzbestimmungen des
Arbeitszeitgesetzes zu unterlaufen. Sie läuft häufig auch auf den
Wegfall von Zuschlägen für Mehrarbeit- und Überstunden und auf die
totale Verfügbarkeit der Beschäftigten hinaus. „Gerade in einer Zeit,
in der es einen Rekord bei den Arbeitslosenzahlen und bei Ausfällen
wegen psychischer Belastungen gibt, ist diese Form der Flexibilität
klar abzulehnen“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.
Seitens der AK gebe es kein prinzipielles Mauern gegen
Arbeitszeitflexibilisierung, stellt der AK-Präsident lar. „Kurzarbeit
etwa hat sich als brauchbares Mittel erwiesen, um Auftragsrückgängen
zu begegnen. Flexibilität kann durchaus Vorteile für die
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bringen. Allerdings nur, wenn
diese wirklich die ausdrückliche Zustimmung dazu geben und die
Arbeitszeit an die Bedürfnisse der Beschäftigten angepasst wird.“ Die
AK warnt vor allem vor dauerhaft überlangen und nicht planbaren
Arbeitszeiten. Zahlreiche Studien bestätigen, dass lange (mehr als 40
Stunden pro Woche) und flexible Arbeitszeiten zu gesundheitlichen
Beschwerden führen können, etwa zu psychischen Beeinträchtigungen,
Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Herzerkrankungen und Diabetes. Vor
allem in Kombination mit hoher Arbeitsbelastung oder weiteren
ungünstigen Bedingungen – wie Nacht- oder Schichtarbeit – werden die
negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Sozialleben der
Arbeitnehmer/-innen verstärkt.
Eine weitere Flexibilisierung würde bei den Beschäftigten den Druck
weiter erhöhen, noch mehr Ausfälle wegen körperlicher oder
psychischer Überbelastung sind vorprogrammiert. „Das kann doch nicht
der Wunsch der Wirtschaft sein, schließlich brechen ihnen so die
eigenen Beschäftigten weg. Außerdem würden Krankenstände und
Berufsunfähigkeit das Gesundheitssystem und die Allgemeinheit
belasten“, sagt Kalliauer.
Laut Österreichischem Arbeitsklima Index wünschen sich ohnehin die
meisten Beschäftigten – nämlich 47 Prozent – fixe Arbeitszeiten. 23
Prozent wünschen sich Gleitzeit, sieben Prozent unregelmäßige
Arbeitszeiten und nur 3 Prozent bevorzugen Arbeit auf Abruf. Nur fünf
Prozent wollen mehr als derzeit arbeiten, 35 Prozent hingegen
weniger.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKO