FCG-Obermülner: Keine Streicheleinheiten für den Burn-out-Kommentar von Ronald Barazon

Wien (OTS) - Ich schätze Herrn Ronald Barazon sehr, aber was er heute zum Thema Burn-out in den Salzburger Nachrichten verfasst hat, ist leider völlig daneben und verlangt Widerspruch. Er meint etwa, dass Menschen im Burn-out landen, weil sie auf Illusionen über eine heile Welt vertrauen, in der alle abgesichert sind - Ursache ist die Politik des Einlullens. Als hilfreich empfiehlt er eine Änderung der Grundeinstellung in Richtung „Jede, jeder ist auf sich gestellt, nur die eigene Leistung zählt, es gibt keine Absicherung, die Gesellschaft, der Staat helfen nur im Notfall.“

Dabei übersieht er, dass von Burn-out vielfach gerade diejenigen betroffen sind, die meinen, alles schaffen zu müssen bzw. schaffen zu können. Der Psychiater Dr. Toni Brühlmann unterscheidet sehr passend den „aufwärtsgerichteten“ Stresszirkel beim Burn-out vom „abwärtsgerichteten“ Stresszirkel bei Depressionen. Während beim Burn-out Menschen oftmals in problematischer Form bis zum Zusammenbruch gegen Herausforderungen bzw. Überforderungen ankämpfen, machen Menschen mit depressiven Krankheitsdynamiken eher schwächende Kräfte zu schaffen.

Wer nun hier mit dem „Leistungs-Hammer“ jedes Problem mit einem Schlag lösen will, wird großen Schaden anrichten - hier würde man wieder einmal geradezu Öl ins Feuer gießen und Burn-out-Probleme anfeuern. Da hilft es auch nichts, wenn Herr Barazon dazu sagt, dass man ja im Notfall helfen würde. Denn gerade die Unterscheidung zwischen Notfall und Nicht-Notfall ist eines der großen Probleme. Wir scheitern in Wirklichkeit unentwegt daran, passende Diagnosen, Problemanalysen und Lösungsansätze für adäquate Weiterbeschäftigung zu entwickeln.

Nicht eine Politik des Einlullens ist das Problem, sondern dummes Politik- und Managementdenken, das meint, dass man soziale Probleme alleine mit An- und Abreizen lösen kann - mit denen sich dann das richtige Leistungsdenken schon einstellen wird.

Es braucht kluge Lösungsansätze und differenzierte Unterstützungsformen im Sinne subsidiärer Hilfe zur Selbsthilfe und adäquate Hilfeleistungen für diejenigen, die es nicht schaffen, mit der Leistungsgesellschaft mitzuhalten. Wir benötigen „Lebensräume“ in der „ersten“ Arbeitswelt, die gute Arbeit zulassen, wenngleich die Betroffenen Leistungseinschränkungen mitbringen, weil sie schon älter sind und/oder gesundheitlich nicht voll einsetzbar sind. Und wir brauchen natürlich auch beste Rahmenbedingungen für diejenigen, die Leistung und Kreativität einbringen können.

Wir werden die aktuelle Zunahme der Frühpensionierungen aus psychischen Gründen nur dann zurückdrängen können, wenn Menschen nicht alleine gelassen werden, wenn Mitmenschen für schwächere Mitarbeiter/innen oder Kolleg/innen Verantwortung übernehmen und konkret Rahmenbedingungen schaffen, die es den Betroffenen möglich machen, gut weiter arbeiten zu können.

Rückfragen & Kontakt:

Kurt Obermülner, MAS
Vorsitzender

Fraktion christlicher Gewerkschafter/innen
in der Younion - Die Daseinsgewerkschaft / LGr. Wien
(Früher: Gewerkschaft der Gemeindebediensteten)
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E-Mail: kurt.obermuelner@younion.at

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