- 24.02.2016, 10:05:01
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BELVEDERE: Johann Peter Krafft – Maler eines neuen Österreich
Wien (OTS) - Zu Lebzeiten ein hoch geschätzter Porträtist, machte
sich Johann Peter Krafft (1780–1856) mit monumentalen
Historiengemälden einen Namen und wurde schließlich zum Direktor der
damals im Oberen Belvedere beheimateten kaiserlichen Gemäldegalerie
in Wien berufen. Kraffts Arbeiten zeugen nicht nur von seiner
internationalen, vor allem französischen Schulung und seinem
vielseitigen Talent, sondern geben Einblick in das gesellschaftliche
und politische Geschehen einer ganzen Epoche. Diesem Hauptmeister des
Klassizismus und Vorbereiter des Realismus in Österreich ist die
Ausstellung „Johann Peter Krafft – Maler eines neuen Österreich“ vom
25. Februar bis 5. Juni 2016 in der Orangerie des Unteren Belvedere
gewidmet.
Dabei wird ein künstlerischer Bogen von seinen Lehrjahren in Paris
über die Porträtmalerei bis hin zur Historienmalerei mit
Schlachtenszenen und monumentalen Werken wie „Der Abschied des
Landwehrmannes“ und „Die Heimkehr des Landwehrmannes“ gespannt.
Letztgenanntes Gemälde wurde erst vor kurzem aufwändig im Belvedere
restauriert und kann in der Schau nun erstmals im neuen Zustand
bewundert werden. Die Ausstellung wirft darüber hinaus einen Blick in
das Atelier des Künstlers: Exemplarisch wird gezeigt, wie Krafft ein
Gemälde durch Zeichnungen, Detailstudien und Ölskizzen vorbereitete,
bevor er es im Großen ausführte. Außerdem wird in der Ausstellung ein
Streiflicht auf seine künstlerisch begabte Tochter Marie Krafft
geworfen.
„Die aktuelle Ausstellung bietet die Möglichkeit zu zeigen, welche
Schätze sich in der Sammlung des Belvedere befinden. So verfügen wir
auch über einen umfangreichen Bestand von Gemälden sowie weit mehr
als 200 Zeichnungen aus allen Schaffensperioden Johann Peter
Kraffts“, so Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere und des
21er Haus. „Als ‚Maler eines neuen Österreich‘ wurde Krafft schon von
seinen Zeitgenossen für seine neuartige Präsentation des Hauses
Habsburg geschätzt. In seinen Historiengemälden finden sich
revolutionäre Neuerungen, wie beispielsweise die Darstellungen von
Triumphzügen, bei denen nicht mehr, wie bisher, der Kaiser im
Mittelpunkt steht, sondern das Volk“, so die Direktorin weiter über
die Besonderheit von Kraffts künstlerischen Zugang.
Mit Johann Peter Krafft ehrt nicht nur das Belvedere, sondern ab Juli
2016 auch das Historische Museum Hanau Schloss Philippsruhe einen
Künstler, dessen Schaffen auf das Engste mit Wien und dem „neuen
Österreich“ verbunden ist. Ein Staat, den Franz II./I. 1804 aus
politischem Kalkül heraus als erbliches Kaisertum ins Leben rief, um
einen drohenden Statusverlust gegenüber dem politisch wie militärisch
außerordentlich erfolgreichen „Kaiser der Franzosen“ Napoleon
abzuwenden. Damit war Franz II./I. Doppelkaiser – ein einmaliger
historischer Vorgang –, bis er 1806 die Krone des Heiligen Römischen
Reichs niederlegte und das Reich für beendet erklärte. „Vor diesem
politischen Hintergrund generierte sich ein neuartiges Verständnis
des Kaiserhauses, das sich von nun an neu positionierte und sich
gemäß der Tradition der Pietas austriaca, der Frömmigkeit des Hauses
Habsburg, vermehrt volksnah gab“, erläutert Kurator Rolf H.
Johannsen. „Eine Entwicklung, die auch unweigerlich auf das
künstlerische Schaffen jener Zeit Einfluss nehmen musste und im Œuvre
des Johann Peter Krafft zu besonderer Ausdruckskraft gelangte“, so
der Kurator weiter.
Die Ausstellung ist von 25. Februar bis 05. Juni 2016 in der
Orangerie im Unteren Belvedere zu sehen.
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