„Universum History“ präsentierte Dokumentation über „Margarethe Ottillinger – Die Frau, die zu viel wusste“

Wien (OTS) - Jahrzehntelang lag der Fall Margarethe Ottillinger im Dunkel der Geschichte Österreichs. Die erst 28-jährige Wirtschaftsexpertin und Sektionschefin wurde am 5. November 1948 an der Ennsbrücke verhaftet, in ein russisches Gulag-Lager verschleppt und zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der Vorwurf: Spionage für die USA. Der Fall erregte im Nachkriegsösterreich zwar großes Aufsehen – die wahren Hintergründe sind jedoch bis heute nicht ganz geklärt. Der Historiker Stefan Karner hat jahrzehntelang unter Verschluss gehaltene KGB-Verhörprotokolle aufgearbeitet und stieß dabei auf Details in Ottillingers Umfeld, die bisher nicht bekannt waren. Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag zeigt „Universum History“ den Spionagefall Margarethe Ottillinger mit Ursula Strauss in der Titelrolle und Markus Schleinzer als Minister Peter Krauland. Klaus T. Steindls Film „Margarethe Ottillinger – Die Frau, die zu viel wusste“ dokumentiert am Freitag, dem 4. März 2016, um 22.45 Uhr in ORF 2 die Leistung der späteren ÖMV-Vorstandsdirektorin für die Republik in der Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg und vermittelt das Bild einer Zeit, als der frühe Kalte Krieg in Europa auch ein unerbittlicher Wirtschaftskrieg war.

In Anwesenheit von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, ORF-Finanzdirektor Richard Grasl, ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner und ORF-TV-Hauptabteilungsleiter für Bildung und Zeitgeschehen Gerhard Klein begrüßte der „Hausherr“, Generaldirektor Wolfgang Maderthaner, im Österreichischen Staatsarchiv gestern, Donnerstag, den 18. Februar 2016, zur Präsentation eines „großartigen Filmdokuments, das in eine Zeit führt, die für uns Nachgeborene nur mehr schwer nachvollziehbar ist“. Regisseur Klaus Steindl, Historiker Stefan Karner und die epo-film-Produzenten Dieter und Jakob Pochlatko waren ebenso unter den Gästen wie Ursula Strauss und Markus Schleinzer, die Einblicke in die Produktion – eine Koproduktion von ORF, epo-film und BMBF mit Unterstützung von Land Niederösterreich, Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien, CINE ART und Zukunftsfonds der Republik Österreich – gaben. Der Einladung zur TV-Premiere folgten weiters die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, Herwig Hösele, Generalsekretär des Zukunftsfonds der Republik Österreich und ORF-Stiftungsrat, Hermann Dikowitsch, Kulturabteilungsleiter im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Cinestyria-Generalsekretär Enrico Jakob, ORF-Onlinechef Thomas Prantner sowie zahlreiche Vertreter der „Universum History“- bzw. „Universum“-Koproduktionspartner, -Produzenten und -Filmer.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: „Aufarbeitung von Zeitgeschichte ist wesentlicher Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrags“

„Wir können die Probleme und Herausforderungen der Zukunft nur bewältigen, wenn wir die Vergangenheit verstanden haben. Es ist einer der wesentlichen Bestandteile des öffentlich-rechtlichen Auftrags, sich der Aufarbeitung auch von schwierigen Themen der Zeitgeschichte mit dokumentarischen Mitteln zu widmen. Ich habe das in den vergangenen zehn Jahren mit ganz besonderen Schwerpunkten ausgebaut, einerseits mit einer 15-teiligen Weltkriegsserie in der Reihe ‚Menschen & Mächte‘, die sich erstmals in dieser thematischen Breite und österreichzentrierten Perspektive mit der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts beschäftigt hat. Zusätzlich haben wir ‚Universum History‘ gestartet, das sich seit 2013 in neuer Form mit zeitgeschichtlichen Themen befasst. Die Dokumentation über die wenig bekannte Geschichte Margarethe Ottillingers ermöglicht es, die Geschichte einer herausragenden Persönlichkeit zu erzählen und gleichzeitig einen Bezug zu aktuellen geopolitischen und wirtschaftspolitischen Fragestellungen herzustellen.“

Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll: „Aufarbeiten der eigenen Geschichte ist wesentliches Anliegen“

„Für das Land Niederösterreich ist das Aufarbeiten der eigenen Geschichte ein wesentliches Anliegen. Daher unterstützen wir die Produktion über das Leben von Margarethe Ottillinger. Zum einen ist die Niederösterreicherin Margarethe Ottillinger eine beeindruckende Frau und faszinierende Persönlichkeit, die sich stets mit Mut, Haltung und Willenskraft den Herausforderungen ihres Lebens gestellt hat. Zum anderen wird damit einer der spektakulärsten Spionagefälle im Kalten Krieg im Nachkriegsösterreich aufgearbeitet und ein Kapitel österreichischer Zeitgeschichte dokumentiert.“

Mag. Richard Grasl, Kaufmännischer Direktor des ORF: „Weiterer Mosaikstein in Investitionsoffensive für österreichische Zeitgeschichte“

„Die Idee zu dieser Dokumentation entstand im Gespräch mit Historiker Stefan Karner, der eindrucksvoll die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum bekannte Geschichte Margarethe Ottillingers schilderte. Mit der nun vorliegenden ‚Universum History‘-Produktion setzen wir wie zuletzt mit dem erfolgreichen Auftakt der Porträtreihe aller neun Bundesländer einen weiteren Mosaikstein in unserer Investitionsoffensive für österreichische Zeitgeschichte. Margarethe Ottillinger hat für unser Land erreicht, dass Österreich die zweithöchste Quote aus dem Marshallplan erhielt. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, wie dankbar wir als nachgeborene Generation ihr eigentlich sein müssen. Der ORF ist auf die Produktion über diese mutige Frau besonders stolz. Ich danke allen am Zustandekommen der Dokumentation Beteiligten und freue mich, dass wir Margarethe Ottillingers Geschichte nunmehr einem breiten Publikum näherbringen können und es nicht Google braucht, um mehr über sie zu erfahren.“

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: „Zeigen Dokumentation ganz bewusst zum Weltfrauentag“

„Selbstbewusstsein, Selbstverständnis und die Normalität eines Lebens auf Augenhöhe in einer Männerwelt war für Margarethe Ottillinger eine Selbstverständlichkeit“, sagte ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner und führt weiter aus, dass es von Gleichstellung und Gleichheit keine Spur gab. „Diese gab es dann, wenn es darum ging, Margarethe Ottillinger aus dem Weg zu räumen, sie zu foltern und zu peinigen. Dieser Gedanke begleitet uns leider auch weiterhin in unserer Zeit. Somit werden ihr Lebensweg und ihre Geschichte auch für uns relevant. Wir zeigen diese Dokumentation ganz bewusst zum Weltfrauentag, um diesen Aspekt herauszuheben. Mein Dank gilt Autor Martin Betz, Regisseur Klaus Steindl und Produzent Dieter Pochlatko für ihre sensible und genaue Umsetzung und Uschi Strauss, deren Darstellung der Margarethe Ottillinger uns Ottillingers Haltung und Kraft so emotional vor Augen führt.“

Ursula Strauss: „Bin stolz, ein Teil davon zu sein, dieser Frau eine Plattform geben zu können“

„Es ist eine besondere Herausforderung, eine historische Doku zu drehen, aber es war nicht schwer, mich von dieser Rolle zu überzeugen. Einer Rolle über eine Frau, die Unglaubliches geleistet hat, die aber nur ganz wenige Menschen kennen. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diese Frau verkörpern darf, die Mut und Stärke bewiesen hat, und hoffe ihr gerecht zu werden. Ich bin stolz, dass ich ein Teil davon sein kann, dieser Frau eine Plattform geben zu können.“

Markus Schleinzer: „Fall Ottillinger ist Beispiel für viele verdrängte Frauenbiografien“

„Die Geschichte der Margarethe Ottillinger ist nur ein Beispiel für viele verdrängte und zur Seite geschobene Frauenbiografien in den von Männern dominierten Jahrhunderten“, so Markus Schleinzer: „Es ist atemberaubend und zum Teil schmerzhaft schön, dass nach und nach, auch durch einen neuen wissenschaftlichen Blick, diese Leben nun wieder an eine Oberfläche gelangen können und dadurch so etwas wie Gerechtigkeit erfahren.“

„Universum History: Margarethe Ottillinger – Die Frau, die zu viel wusste“ am 4. März in ORF 2

Margarethe Ottillinger wurde 1955 die aus der Haft entlassen, sie selbst erfuhr bis zu ihrem Tod 1992 nicht, warum sie sieben qualvolle Jahre in sowjetischen Straflagern zubringen musste. Anhand neuer Dokumente des KGB und der westlichen Geheimdienste lässt sich Margarethe Ottillingers Verschwinden als Verkettung politischer und menschlicher Komponenten rekonstruieren. Dabei wird ein Bild jener Personen gezeichnet, die am Schicksal Ottillingers maßgeblich beteiligt waren.

Weitere Statements von epo-film-Produzent Dieter Pochlatko, Historiker Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner und dem „Universum History“-Projektleiter Tom Matzek sowie nähere Informationen zur Produktion sind unter http://presse.ORF.at abrufbar.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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