- 15.02.2016, 15:00:01
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Suppenfastenessen in der Hofburg
Suppenfastenessen in der Hofburg
Utl.: Suppenfastenessen in der Hofburg =
Wien (OTS) - Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat heute gemeinsam
mit seiner Gattin Margit und der Vorsitzenden der Katholischen
Frauenbewegung, Frau Veronika Pernsteiner, zum „Suppenessen“ für die
Aktion Familienfasttag 2016 in die Wiener Hofburg eingeladen.
Das sogenannte Fastensuppenessen ist eine traditionsreiche
Veranstaltung der Katholischen Frauenbewegung, die Solidarität mit
Menschen in Not aus Nah und Fern zum Ausdruck bringen soll. Ihr Motto
lautet „TEILEN SPENDET ZUKUNFT“ und das Spendenergebnis soll dazu
beitragen, der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich mental und
materiell entgegenzuwirken.
In seiner Begrüßungsrede in Anwesenheit von Kardinal Dr. Schönborn,
der Minister Brandstetter, Heinisch-Hosek, Stöger und Oberhauser
sowie zahlreicher weiterer Ehrengäste ging der Bundespräsident auch
auf die vielschichtige Problematik der Flüchtlingsströme und auf den
Vorwurf, dass von Österreich allzu lange eine „Willkommenskultur“ für
Flüchtlinge praktiziert wurde, ein:
„Es ist nicht zu übersehen, dass es in Österreich, in Deutschland und
anderen europäischen Staaten einen schmerzhaften und schwer zu
lösenden Widerspruch zwischen dem Asylrecht und anderen Grundrechten
einerseits sowie der drohenden Überlastung durch eine rapid
anwachsende Zahl von Flüchtlingen andererseits gibt“, sagte der
Bundespräsident.
„Aber der Begriff „Willkommenskultur“ ist offenbar ein Kampfbegriff,
mit dem man den Eindruck erwecken will, dass Flüchtlinge wie
Luxustouristen behandelt werden, die man nach Österreich einladet und
ihnen einen roten Teppich ausrollt, was aber weder in Deutschland
noch in Österreich noch sonst wo der Fall ist. Allerdings ist es
besser einem verängstigten Flüchtlingskind am Wiener Westbahnhof
einige aufmunternde Worte zu sagen – auch wenn das in bestimmten
Medien immer wieder kritisiert wird - als wegzuschauen oder sich
feindselig zu verhalten.
Was viele Flüchtlinge auf dem Weg von zerbombten syrischen Städten
über gefährliche Zwischenstationen und Zwischenstrecken bis zu den
Flüchtlingslagern oder Auffanglagern in Mitteleuropa erleben und
erleiden, ist wahrscheinlich gerade jenen nicht bewusst, die eine
angebliche „Willkommenskultur“ ironisieren und kritisieren. Wenn wir
immer wieder europäische Grundwerte beschwören und deren Beachtung
einmahnen, dann gehört der Gedanke von der Unteilbarkeit der
Menschenwürde und von der Gleichwertigkeit aller Menschen ohne
Rücksicht auf Nationalität oder Religion ganz bestimmt zu diesen
europäischen Grundwerten, die man auch dann nicht beiseite schiebend
darf, wenn es Anstrengungen erfordert.
Den Satz, dass Österreich nicht die Probleme aller Flüchtlinge dieser
Welt lösen kann und schon gar nicht alle Flüchtlinge aufnehmen kann,
wird niemand bestreiten. Aber er darf nicht dazu dienen, das genaue
Gegenteil davon zu tun, nämlich Augen, Ohren, Herzen und Grenzen
gegenüber Flüchtlingen so dicht wie möglich zu verschließen und das
Asylrecht pauschal zu negieren, wie das manche europäische Länder zu
Lasten aller anderen tun.
Wir brauchen eine Flüchtlingspolitik mit Augenmaß und wenn man die
unbestrittenermaßen nicht unbegrenzte Aufnahmekapazität unseres
Landes in sachlich begründeten „Richtwerten“ festschreibt, die auf
Erfahrungswerten und Vergleichszahlen beruhen , wie das die
österreichische Bundesregierung getan hat (und auf deren Einhaltung
hinarbeitet), wenn man die Arbeit der Flüchtlingsorganisationen
bestmöglich unterstützt und wenn das, was sich die Europäische Union
vorgenommen hat nur einigermaßen wirksam durchgeführt wird, dann
bleibt das Flüchtlingsproblem immer noch enorm schwierig, aber es ist
auf der Basis gemeinsamer Anstrengungen nicht unlösbar.
Vor allem dann, wenn gleichzeitig die Ursachen für die
Flüchtlingsströme bekämpft werden, sagte Bundespräsident Dr. Fischer
und fügte hinzu, dass seiner Meinung nach Europa in Gefahr sei die
Ziele solidarischer Zusammenarbeit aus den Augen zu verlieren:
„Meines Erachtens steht fest, dass das Verhalten der europäischen
Gesellschaft und einzelner europäischer Staaten in Zukunft und von
der nächsten Generation genauso sorgfältig analysiert und bewertet
werden wird, wie wir das Verhalten früherer Generationen in
kritischen Phasen unserer Geschichte beurteilen und bewerten. Ich
möchte nicht haben, dass die nächste Generation uns vorwerfen muss,
dass wir bei der Lösung des Flüchtlingsproblems versagt und außerdem
das europäische Projekt stark beschädigt haben, schloss der
Bundespräsident.
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