Unheimliche Heimat. Triest als Erinnerungsraum.

Simon Wiesenthal Lecture von Susanne C. Knittel, Universität Utrecht.

Wien (OTS) - In der Region um Triest lassen sich die widerstreitenden Impulse der italienischen Erinnerungskultur seit 1945 wie in einem Mikrokosmos besichtigen. Die Spannung zwischen Gedächtnisarbeit und einer Rehabilitierung des Faschismus wird am Beispiel zweier Gedenkstätten besonders deutlich: der Risiera di San Sabba, einem ehemaligen KZ, und der Foiba di Basovizza, die an die Opfer jugoslawischer Partisanen erinnert. Beide präsentieren ein entlastendes Geschichtsbild, das Italiener als Opfer darstellt und sich über Kollaboration und Zwangsitalianisierung genauso ausschweigt wie über die Politik der Rassenhygiene des Faschismus. Ein Gegengewicht zu dieser dominanten Version bilden literarische Werke von slowenischen, kroatischen oder jüdischen Autoren, die Verdrängtes ans Licht holen und an ausgelöschte Biografien erinnern. Triest ist ein exemplarischer Fall des „Unheimlichen in der Geschichte“: ein Palimpsest unterdrückter Erinnerungen, die beharrlich auftauchen und die Stadt und ihr historisches Selbstbild stören.

Susanne C. Knittel ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Utrecht in den Niederlanden. Sie forscht zur kulturellen Erinnerung in Europa, mit Schwerpunkt auf marginalisierten und umstrittenen Erinnerungen. Ihr Buch The Historical Uncanny: Disability, Ethnicity, and the Politics of Holocaust Memory beleuchtet verdrängte Aspekte des deutschen und italienischen Erinnerungsdiskurses nach 1945. Ihr aktuelles Forschungsprojekt, Faces of Evil, untersucht die Darstellung von Tätern und Täterschaft in den Erinnerungskulturen Deutschlands und Rumäniens seit 1989. Im Rahmen dieses Projekts hat sie das interdisziplinäre Perpetrator Studies Network gegründet.

Moderation: Béla Rásky, Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)

Unheimliche Heimat. Triest als Erinnerungsraum.

Simon Wiesenthal Lecture von Susanne C. Knittel,
Universität Utrecht.

Datum: 18.2.2016, 18:30 - 20:00 Uhr

Ort:
Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Dachgeschoß
Minoritenplatz 1, 1010 Wien

Url: www.vwi.ac.at

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Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)
Dr. Jana Starek
Tel.: +43-1-8901514-300
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