Papst-Merkel-Telefonat: Dementi vom Vatikan und aus Berlin

Berliner Regierungssprecher: "Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern, ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich"

Berlin-Rom (KAP) - Das angebliche Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus über den Zustand Europas hat es nicht gegeben. Sowohl der Berliner Regierungssprecher Steffen Seibert als auch Vatikansprecher Federico Lombardi dementieren am Dienstagnachmittag diese Meldung. Vatikansprecher Federico Lombardi präzisierte am Dienstagnachmittag gegenüber den Agenturen "cath.ch" und "imedia", Merkel habe Ende 2014 nicht angerufen, um Franziskus ihr Erstaunen über dessen Rede vor den europäischen Institutionen zu vermelden, wo er Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen habe. Lombardi äußerte sich, nachdem kurz zuvor der deutsche Regierungssprecher Seibert dementiert hatte.

Der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls erklärte, dass das Berliner Dementi zurecht erfolgt sei, denn der Papst habe ein diesbezügliches Telefonat in dem von der italienischen Tageszeitung nacherzähltem Journalistengespräch sicher nicht erwähnt. Vielmehr habe sich Franziskus auf "ein herzliches Gespräch, in lockerem Ton, das er mit der Kanzlerin zum Thema Europa im Februar 2015 geführt" habe, bezogen. Lombardi nutzte die Gelegenheit, daran zu erinnern, welche "hohe Wertschätzung Franziskus für Angela Merkel" habe. Regierungssprecher Seibert sagte laut "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wörtlich: "Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern. Ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich."

Die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" hatte unter Berufung auf den Papst berichtet, die deutsche Bundeskanzlerin habe diesen angerufen, weil sie sich über Äußerungen von ihm über Europa geärgert haben soll. Die Zeitung hatte Franziskus am Montag mit den Worten zitiert, er habe einen Anruf von Merkel erhalten, in dem sie ihn für Äußerungen zu Europa kritisiert habe. "Sie war ein bisschen verärgert, weil ich Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen habe", sagte Franziskus demnach. Merkel habe auf die Papstrede vor dem EU-Parlament im November 2014 reagiert.

"Sie hat mich gefragt, ob ich tatsächlich der Meinung sei, Europa könne keine Kinder mehr bekommen", sagte der Papst laut der Zeitung. Er habe geantwortet, dass Europa dies durchaus könne, "weil Europa starke und tiefe Wurzeln hat". "In seinen dunkelsten Momenten" habe der Kontinent "gezeigt, dass er unerwartete Ressourcen hat". Vor dem EU-Parlament hatte der Papst Europa als "Großmutter" bezeichnet, die "nicht mehr fruchtbar und dynamisch" sei.

((ende)) FAM/HKL
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