• 10.02.2016, 14:45:07
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Papst-Merkel-Telefonat: Dementi vom Vatikan und aus Berlin

Berliner Regierungssprecher: "Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern, ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich"

Utl.: Berliner Regierungssprecher: "Bundeskanzlerin kann sich an
einen Anruf beim Papst nicht erinnern, ansonsten schätzt sie
jede Begegnung mit ihm außerordentlich" =

Berlin-Rom (KAP) - Das angebliche Telefonat zwischen Bundeskanzlerin
Angela Merkel und Papst Franziskus über den Zustand Europas hat es
nicht gegeben. Sowohl der Berliner Regierungssprecher Steffen Seibert
als auch Vatikansprecher Federico Lombardi dementieren am
Dienstagnachmittag diese Meldung. Vatikansprecher Federico Lombardi
präzisierte am Dienstagnachmittag gegenüber den Agenturen "cath.ch"
und "imedia", Merkel habe Ende 2014 nicht angerufen, um Franziskus
ihr Erstaunen über dessen Rede vor den europäischen Institutionen zu
vermelden, wo er Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen habe.
Lombardi äußerte sich, nachdem kurz zuvor der deutsche
Regierungssprecher Seibert dementiert hatte.

Der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls erklärte, dass das
Berliner Dementi zurecht erfolgt sei, denn der Papst habe ein
diesbezügliches Telefonat in dem von der italienischen Tageszeitung
nacherzähltem Journalistengespräch sicher nicht erwähnt. Vielmehr
habe sich Franziskus auf "ein herzliches Gespräch, in lockerem Ton,
das er mit der Kanzlerin zum Thema Europa im Februar 2015 geführt"
habe, bezogen. Lombardi nutzte die Gelegenheit, daran zu erinnern,
welche "hohe Wertschätzung Franziskus für Angela Merkel" habe.
Regierungssprecher Seibert sagte laut "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" wörtlich: "Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim
Papst nicht erinnern. Ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm
außerordentlich."

Die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" hatte unter Berufung auf
den Papst berichtet, die deutsche Bundeskanzlerin habe diesen
angerufen, weil sie sich über Äußerungen von ihm über Europa geärgert
haben soll. Die Zeitung hatte Franziskus am Montag mit den Worten
zitiert, er habe einen Anruf von Merkel erhalten, in dem sie ihn für
Äußerungen zu Europa kritisiert habe. "Sie war ein bisschen
verärgert, weil ich Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen
habe", sagte Franziskus demnach. Merkel habe auf die Papstrede vor
dem EU-Parlament im November 2014 reagiert.

"Sie hat mich gefragt, ob ich tatsächlich der Meinung sei, Europa
könne keine Kinder mehr bekommen", sagte der Papst laut der Zeitung.
Er habe geantwortet, dass Europa dies durchaus könne, "weil Europa
starke und tiefe Wurzeln hat". "In seinen dunkelsten Momenten" habe
der Kontinent "gezeigt, dass er unerwartete Ressourcen hat". Vor dem
EU-Parlament hatte der Papst Europa als "Großmutter" bezeichnet, die
"nicht mehr fruchtbar und dynamisch" sei.

((ende)) FAM/HKL
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