- 04.02.2016, 11:04:12
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Kinderärzte trotz bürokratischer Hürden zur Entlastung der Spitalsambulanzen bereit
Ärztekammer initiiert freiwillige Öffnung von Ordinationen an Wochenenden für die Dauer der Grippewelle – „Politik muss Ärzte endlich ihre Arbeit machen lassen“
Utl.: Ärztekammer initiiert freiwillige Öffnung von Ordinationen an
Wochenenden für die Dauer der Grippewelle – „Politik muss
Ärzte endlich ihre Arbeit machen lassen“ =
Wien (OTS) - Die Grippewelle hat Österreich diese Woche offiziell
erreicht und sorgte auch gleich für chaotische Zustände: Tumulte und
ein Polizeieinsatz in der völlig überfüllten Kinderambulanz des
Donauspitals.
„Es herrschen unzumutbare Zustände, die wir so nicht hinnehmen
wollen. Wir werden deshalb im Sinne unserer Patienten einige Wiener
Kinderärzte bitten, für die Dauer der Grippewelle ihre Ordinationen
auch am Wochenende zu öffnen, um dem Ansturm gerecht zu werden“, so
der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der
Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart. Auch der Ärztefunkdienst
der Wiener Ärztekammer, der Kleinkinder ab einem Jahr mobil versorgen
kann, ist am Wochenende verstärkt im Einsatz und für die Patienten
unter der Nummer 141 erreichbar, eine offene Ordination in der
Pillergasse im 15. Wiener Gemeindebezirk hat am Wochenende von
8.00-20.00 Uhr geöffnet. ****
Hinter der aktuellen Misere steckt ein strukturelles Problem, das
laut Steinhart trotz jahrelanger politischer Versprechen immer noch
nicht gelöst wurde: „Die Patienten werden an den Wochenenden geradezu
in die Ambulanzen gedrängt, weil den Kinderarztordinationen mit
Kassenvertrag unglaubliche bürokratische Steine in den Weg gelegt
werden.“ Daher startet die Ärztekammer nun ihre Wochenendinitiative,
„und das, obwohl wir im niedergelassenen Bereich eigentlich schon
längst am Ende unserer Leistungskapazität angelangt sind“.
Seit Langem herrscht im niedergelassenen Bereich dringender
Handlungsbedarf: 300 zusätzliche Kassenplanstellen müssten sofort
geschaffen werden, um die Leistungen aufrechterhalten zu können. In
den Ordinationen braucht es mehr und vor allem flexiblere Angebote,
besonders für die kinderärztliche Versorgung. Ein Wiener Kinderarzt
behandelt täglich durchschnittlich 70 bis 80 Kinder, und trotz dieser
großen Zahl, die bei Grippewellen schnell weiter in die Höhe schießt,
ist es Ärztinnen und Ärzten nicht erlaubt, einen Kollegen zur
Unterstützung anzufordern.
Die Politik müsse diese bürokratischen Hürden der
Sozialversicherung sofort streichen und die Ärzte endlich ihre Arbeit
machen lassen, betont Steinhart. Denn wegen der strengen
Vertretungsbestimmungen sei es selbst in Notsituationen derzeit nicht
zulässig, zu zweit mit einem Kollegen gemeinsam zu arbeiten.
Vertretungen seien lediglich im Urlaubs- oder Krankheitsfall
gestattet.
„Wie voll das Wartezimmer und wie hoch der Bedarf ist, ist den
Bürokraten in der Sozialversicherung offensichtlich egal.“ So könne
es aber nicht weitergehen: „Was wir brauchen ist eine sofortige
Lockerung dieser patientenfeindlichen Vertretungsbestimmungen. Und
zwar jetzt.“ Die Sozialversicherung sei nach wie vor nicht bereit,
teurere Wochenendöffnungszeiten zu honorieren, kritisiert Steinhart,
der hier wörtlich von einem „gesundheitspolitischen Skandal“ spricht
und dabei auch die Politik in die Pflicht des Handelns nimmt. (lsd)
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