ORF-Stiftungsrat: Ablöse Haufts für Küberl "unverständlich"

Steirischer Caritas-Chef kritisiert als langjähriges Mitglied in ORF-Gremien geplante Neubesetzung des Oberösterreich-Vertreters im ORF-Stiftungsrat - Stiftungsräte nur dem ORF verpflichtet, sonst "Gesetzesbruch" - Kritik auch von Frauenbewegungs-Vorsitzender Pernsteiner

Linz-Graz (KAP) - Kritik an der angekündigten Ablöse von Margit Hauft als Vertreterin Oberösterreichs im ORF-Stiftungsrat hat der steirische Caritasdirektor Franz Küberl gegenüber "Kathpress" geübt. Der langjährige Kirchenvertreter im ORF, der seit knapp zwei Jahren mit einem Mandat der Bundesregierung im obersten ORF-Entscheidungsgremium sitzt, nannte es "unverständlich", dass mit Hauft eine engagierte, unabhängige Persönlichkeit entfernt werden solle. Wenn das damit begründet wird, die frühere Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs sei "schwer lenkbar", rieche das für ihn nach "Gesetzesbruch", so Küberl. Laut ORF-Gesetz seien nämlich Stiftungsräte ausschließlich dem Wohl des ORF und niemandem sonst verpflichtet.

Küberl selbst - er wurde vor 18 Jahren erstmals von der Bischofskonferenz in den ORF entsendet - hatte genau diese geforderte Unabhängigkeit nach seiner Entsendung durch die Regierung im April 2014 hervorgehoben: "Ich bin als Stiftungsrat nur dem ORF verpflichtet, sonst niemandem; keiner Partei und auch keiner Regierung", so Küberl damals wörtlich. Das seien auch die Vorgaben gewesen, unter denen er der Entsendung durch die Regierung zugestimmt habe.

Küberl zeigte sich im Gespräch mit "Kathpress" auch persönlich enttäuscht über den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer, der während seiner Zeit im ORF-Kuratorium (Vorgängerorgan des ORF bis 2001) "exzellente" Arbeit geleistet habe und nun durch das Regierungsübereinkommen mit der FPÖ offenbar zu Kompromissen gezwungen sei. Vor der Wahl des ORF-Generaldirektors werde leider "immer gerne ins Fettnäpfchen der Parteipolitik getreten", Haufts Ablöse sieht Küberl in diesem Kontext.

Pühringer selbst attestierte Margit Hauft am Dienstag in den "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN), ihre seit 2001 ausgeübte Aufgabe im Stiftungsrat "sehr gut" zu erfüllen. Er habe "vollstes Vertrauen" zu ihr, sehe sich aber an das schwarz-blaue Arbeitsübereinkommen gebunden, das für die Entsendung in den ORF-Stiftungsrat Einvernehmlichkeit hinsichtlich der Person vorsieht. Die FPÖ habe mitgeteilt, dass sie hier eine Veränderung wünsche, heißt es in den OÖN.

Franz Küberl bedauerte diesen Schritt auch im Hinblick auf die nun geschwächte Frauenpräsenz im Stiftungsrat. Margit Hauft habe dort "wichtige Initiativen gesetzt" in Richtung gleiche Wertschätzung der Geschlechter. Hauft damals zu entsenden sei "ein starkes Zeichen" des Landes Oberösterreich gewesen, die nunmehrige Schwächung der Frauen "sichtlich gewollt", sagte Küberl mit Verweis auf die frauenlose neue Landesregierung.

Kein "Stachel im Fleisch" mehr

Scharfe Kritik an der Ablöse Haufts äußerte am Dienstag auch deren Nachfolgerin als Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Veronika Pernsteiner. Margit Hauft habe immer unter dem Anspruch agiert, "Stachel im Fleisch der Kirche und Gesellschaft" zu sein, und das passe offenbar nicht zu den derzeitigen Vorgaben der oberösterreichischen Landespolitik.

Es passe in die Linie einer Landesregierung, die ohne Frauen auszukommen glaube, wenn nun statt einer unabhängigen Frau ein "vermutlich leicht lenkbarer Mann" installiert werde. Das gebe auch im Hinblick auf die anstehende Wahl der ORF-Chefetage durch den Stiftungsrat Anlass zur Sorge, so Pernsteiner.

((ende)) RME/FAM
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