• 02.02.2016, 11:57:33
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ORF-Stiftungsrat: Ablöse Haufts für Küberl "unverständlich"

Steirischer Caritas-Chef kritisiert als langjähriges Mitglied in ORF-Gremien geplante Neubesetzung des Oberösterreich-Vertreters im ORF-Stiftungsrat - Stiftungsräte nur dem ORF verpflichtet, sonst "Gesetzesbruch" - Kritik auch von Frauenbewegungs-Vorsitzender Pernsteiner

Utl.: Steirischer Caritas-Chef kritisiert als langjähriges Mitglied
in ORF-Gremien geplante Neubesetzung des
Oberösterreich-Vertreters im ORF-Stiftungsrat - Stiftungsräte
nur dem ORF verpflichtet, sonst "Gesetzesbruch" - Kritik auch
von Frauenbewegungs-Vorsitzender Pernsteiner =

Linz-Graz (KAP) - Kritik an der angekündigten Ablöse von Margit Hauft
als Vertreterin Oberösterreichs im ORF-Stiftungsrat hat der
steirische Caritasdirektor Franz Küberl gegenüber "Kathpress" geübt.
Der langjährige Kirchenvertreter im ORF, der seit knapp zwei Jahren
mit einem Mandat der Bundesregierung im obersten
ORF-Entscheidungsgremium sitzt, nannte es "unverständlich", dass mit
Hauft eine engagierte, unabhängige Persönlichkeit entfernt werden
solle. Wenn das damit begründet wird, die frühere Vorsitzende der
Katholischen Frauenbewegung Österreichs sei "schwer lenkbar", rieche
das für ihn nach "Gesetzesbruch", so Küberl. Laut ORF-Gesetz seien
nämlich Stiftungsräte ausschließlich dem Wohl des ORF und niemandem
sonst verpflichtet.

Küberl selbst - er wurde vor 18 Jahren erstmals von der
Bischofskonferenz in den ORF entsendet - hatte genau diese geforderte
Unabhängigkeit nach seiner Entsendung durch die Regierung im April
2014 hervorgehoben: "Ich bin als Stiftungsrat nur dem ORF
verpflichtet, sonst niemandem; keiner Partei und auch keiner
Regierung", so Küberl damals wörtlich. Das seien auch die Vorgaben
gewesen, unter denen er der Entsendung durch die Regierung zugestimmt
habe.

Küberl zeigte sich im Gespräch mit "Kathpress" auch persönlich
enttäuscht über den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef
Pühringer, der während seiner Zeit im ORF-Kuratorium (Vorgängerorgan
des ORF bis 2001) "exzellente" Arbeit geleistet habe und nun durch
das Regierungsübereinkommen mit der FPÖ offenbar zu Kompromissen
gezwungen sei. Vor der Wahl des ORF-Generaldirektors werde leider
"immer gerne ins Fettnäpfchen der Parteipolitik getreten", Haufts
Ablöse sieht Küberl in diesem Kontext.

Pühringer selbst attestierte Margit Hauft am Dienstag in den
"Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN), ihre seit 2001 ausgeübte
Aufgabe im Stiftungsrat "sehr gut" zu erfüllen. Er habe "vollstes
Vertrauen" zu ihr, sehe sich aber an das schwarz-blaue
Arbeitsübereinkommen gebunden, das für die Entsendung in den
ORF-Stiftungsrat Einvernehmlichkeit hinsichtlich der Person vorsieht.
Die FPÖ habe mitgeteilt, dass sie hier eine Veränderung wünsche,
heißt es in den OÖN.

Franz Küberl bedauerte diesen Schritt auch im Hinblick auf die nun
geschwächte Frauenpräsenz im Stiftungsrat. Margit Hauft habe dort
"wichtige Initiativen gesetzt" in Richtung gleiche Wertschätzung der
Geschlechter. Hauft damals zu entsenden sei "ein starkes Zeichen" des
Landes Oberösterreich gewesen, die nunmehrige Schwächung der Frauen
"sichtlich gewollt", sagte Küberl mit Verweis auf die frauenlose neue
Landesregierung.

Kein "Stachel im Fleisch" mehr

Scharfe Kritik an der Ablöse Haufts äußerte am Dienstag auch deren
Nachfolgerin als Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung
Österreichs, Veronika Pernsteiner. Margit Hauft habe immer unter dem
Anspruch agiert, "Stachel im Fleisch der Kirche und Gesellschaft" zu
sein, und das passe offenbar nicht zu den derzeitigen Vorgaben der
oberösterreichischen Landespolitik.

Es passe in die Linie einer Landesregierung, die ohne Frauen
auszukommen glaube, wenn nun statt einer unabhängigen Frau ein
"vermutlich leicht lenkbarer Mann" installiert werde. Das gebe auch
im Hinblick auf die anstehende Wahl der ORF-Chefetage durch den
Stiftungsrat Anlass zur Sorge, so Pernsteiner.

((ende)) RME/FAM
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