- 26.01.2016, 10:47:47
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Industrie: Stabilisierte Geschäftslage, skeptischer Ausblick
IV-GS Neumayer zu aktuellen Konjunkturdaten: Klarer Auftrag für weitere vertrauensbildende und potentialstärkende Maßnahmen – Akuter Handlungsbedarf bei Entbürokratisierung
Utl.: IV-GS Neumayer zu aktuellen Konjunkturdaten: Klarer Auftrag
für weitere vertrauensbildende und potentialstärkende
Maßnahmen – Akuter Handlungsbedarf bei Entbürokratisierung =
Wien (OTS) - Die internationalen Börsen präsentieren sich zu
Jahresbeginn in einer schwachen Verfassung. So markant der Fehlstart
an den Aktienmärkten ausgefallen ist, so gering ist er mit der
tatsächlichen Konjunkturentwicklung verknüpft. Vielmehr handelt es
sich um die Korrektur einer Hausse, die von einer unkonventionellen
Geldpolitik, welche auf negative Einlagezinsen und – global
betrachtet – billionenschwere Anleihenkäufe setzt, befeuert wurde.
Vorübergehend wurden im Ergebnis ambitionierte Bewertungsniveaus
erreicht, sodass für sich genommen wiederholt zu beobachtende,
wenngleich eher kleine Unterschreitungen der erwarteten
makroökonomischen Dynamik genügten, um eine kräftige Kurskorrektur
auszulösen.
Denn schon seit dem Sommer hat sich das globale Konjunkturumfeld
abgekühlt. Sowohl in China als auch in den USA hat sich diese Tendenz
über den Jahreswechsel hinweg fortgesetzt. Der Verfall des Ölpreises,
noch verstärkt durch die Rückkehr des Irans auf die internationalen
Märkte, und der Preise für Industrierohstoffe spiegeln die globale
Nachfrageschwäche wider. Selbige bremst die Erholung in Europa zwar,
hält sie aber (noch) nicht auf. Dementsprechend „berichten die
Unternehmen einerseits von einem stabilisierten Geschäftsgang,
andererseits überwiegt ein skeptischer Tenor bei den
Geschäftsaussichten“, so der Generalsekretär der
Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, in einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian
Helmenstein zu den Ergebnissen des aktuellen Konjunkturbarometers aus
dem 4. Quartal 2015 am heutigen Dienstag.
Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den
Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage
in sechs Monaten bestimmt wird, erholt sich nach dem Rücksetzer im
Vorquartal und steigt von +16 Punkten auf +22 Punkte. Dieser Wert
übertrifft zwar die bisherigen Ergebnisse des Jahres 2015, liegt aber
nach wie vor hinter den Werten der beiden letzten Erholungsphasen
2010/2011 und 2013/2014 zurück. Getragen wird der Anstieg von einer
verbesserten aktuellen Geschäftslage (+46 nach +35 Punkten).
„Hingegen verharren die Geschäftserwartungen nach ihrem Einbruch im
Herbst weiterhin auf einem besorgniserregend tiefen Niveau“, so
Helmenstein. „Der negative Saldo von -2 nach -3 Punkten im Vorquartal
bringt zum Ausdruck, dass der Anteil jener Respondenten, die einen
ungünstigen Geschäftsgang erwarten, weiterhin überwiegt“, so
Helmenstein.
Belastend wirkt dabei der Rückgang der Gesamtauftragsbestände, die um
2 Punkte von +43 Punkten per Saldo auf +41 Punkte sinken. Zwar
erweisen sich die Auftragsbestände noch als überwiegend auskömmlich,
um die Produktionskapazitäten weitgehend auszulasten. Auftragsmangel
herrscht bei lediglich jedem fünfundzwanzigsten Unternehmen.
Allerdings entfernt sich der betreffende Wert immer weiter von den
für eine normale Aufschwungsphase typischen Niveaus, sodass sich bei
schrumpfender Auftragsreichweite die Voraussetzungen für die Vornahme
von Erweiterungsinvestitionen weiter eintrüben. Stabilisierend wirkt
derzeit vor allem die Komponente der Auslandsaufträge, welche sich
von +36 Punkten auf +41 Punkte verbessert, sodass sich die seit einem
Jahr bestehende Lücke zwischen Inlands- und Auslandsdynamik wieder
geschlossen hat. Dies deutet darauf hin, dass die höhere
Wachstumsdynamik insbesondere auf den zentral- und osteuropäischen
sowie den deutschen Märkten in abgeschwächter Weise nunmehr auch die
heimischen Betriebsstätten erreicht. Dennoch sind die Exporteure mit
erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, ihre internationale
Marktposition trotz der exportfördernden absatzseitigen Preisvorteile
im Gefolge der deutlichen Abwertung der europäischen
Gemeinschaftswährung zu halten.
Im Einklang mit der schwächeren Auftragslage gestalten die
Unternehmen ihre Produktionsplanung für die nächsten Monate weiterhin
vorsichtig. Der saisonbereinigte Wert der Produktionstätigkeit auf
Sicht eines Quartals bildet sich von +16 auf +12 Punkte zurück.
Aufgrund grosso modo stagnierender Produktionserwartungen und einer
abnehmenden Auftragsreichweite verfestigt sich der im vorhergehenden
Quartal zu beobachtende Trendwechsel bei der Einstellungsneigung: Der
Saldo für den Beschäftigtenstand bleibt mit -4 nach -5 Punkten in
negativem Terrain.
Unverändert herausfordernd ist die Situation bei den Verkaufspreisen.
Hier schlagen sich die international weiterhin vorhandenen
Überkapazitäten in einem hohen Preisdruck nieder (Saldo von -8
Punkten nach -7 Punkten im Vorquartal), der zu nach wie vor fallenden
Verkaufspreisen für industriell erzeugte Güter führt.
Im Einklang mit einer rohstoffkostenbedingten Entlastung auf der
Beschaffungsseite, zugleich aber auch einem unverändert hohen Druck
auf die Verkaufspreise bei einer noch befriedigenden Auftragslage
verbessert sich die aktuelle Ertragslage etwas (Saldo +16 Punkte nach
+12 Punkten). Auf Sicht von sechs Monaten hingegen zeichnet sich
keine Verbesserung der Ertragsaussichten ab, im Gegenteil: Auch
dieser Indikator bleibt bei einem Saldo von -2 Punkten nach zuvor -4
Punkten auf Schrumpfkurs.
Umso wichtiger ist die beschlossene Senkung der Arbeitszusatzkosten
in mehreren Etappen. Sie kann den Einstieg in eine nachhaltige
Trendumkehr zugunsten einer kostenseitigen Entlastung der Produktion
am Standort Österreich markieren, sofern die Vorhaben den Auftakt für
eine Serie weiterer Maßnahmen bilden. Kostensenkende Reformen sind
notwendig, aber nicht hinreichend, um verlorengegangene
Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Zugleich braucht es sowohl
vertrauensbildende als auch potenzialerhöhende Maßnahmen, um den
Standort Österreich wieder an die europäische Spitze zurückzuführen.
Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung
beteiligten sich 422 Unternehmen mit rund 265.400 Beschäftigten. Bei
der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung:
den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv,
neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten)
Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der
konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und
negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.
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