- 22.01.2016, 11:02:39
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Schultes: Alle gemeinsam die Klimawandel-Bremse ziehen
Bauern treten mit geschlossenen CO2-Kreisläufen gegen Erderwärmung an
Utl.: Bauern treten mit geschlossenen CO2-Kreisläufen gegen
Erderwärmung an =
Wien (OTS) - "Die Weltklimakonferenz in Paris hat klare Zeichen
gesetzt: Wer die Klimakatastrophe vermeiden will, muss die Welt der
fossilen Rohstoffe Schritt um Schritt verlassen und den
Kohlenstoffkreislauf wieder schließen. Das gilt für alle und jeden.
Unseren Bauern kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Sie ernähren
die Bevölkerung, was in Paris auch gesondert hervorgehoben worden
ist, und wirtschaften dabei in kurzen geschlossenen Kreisläufen mit
der Sonne als Motor und einer immer besseren CO2-Bilanz. Die Land-
und Forstwirtschaft sowie mit ihr alle Menschen, die ihre Produkte
zum Leben brauchen, sind jedoch vom Klimawandel negativ betroffen.
Deshalb treten die Bauern aktiv dagegen an." Dies erklärte LK
Österreich-Präsident Hermann Schultes heute im Rahmen der
"Klartext"-Veranstaltung zum Thema "Klimawandel - Schluss mit heißer
Luft" in Wien.
"Gute fachliche Praxis, hervorragendes Know-how und optimale
Effizienz in Pflanzenbau, Tierzucht und Forstwirtschaft können in
enger Zusammenarbeit mit Forschung und Landtechnik die Beschleunigung
des Klimawandels dämpfen. All diese Bemühungen werden aber nur dann
Erfolg haben, wenn auch die übrigen Bereiche, vom Verkehr und der
Bauwirtschaft über die Industrie bis hin zu den Haushalten, von
offenen auf geschlossene CO2-Kreisläufe umstellen", sagte der
LK-Präsident.
Bei der Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 sei ein für alle
Staaten rechtlich bindendes Abkommen vereinbart worden, mit dem Ziel,
die durchschnittliche globale Erwärmung im Vergleich zur
vorindustriellen Zeit auf möglichst weit unter 2 °C zu beschränken.
Die Bundesregierung müsse jetzt einen Etappenplan erstellen, um die
entsprechenden Maßnahmen für Österreich aufzulisten, damit diese
Schritt für Schritt umgesetzt werden können, so Schultes. Die
Sozialpartner würden dazu ebenfalls ein Papier vorlegen, die
Landwirtschaftskammer werde sich hier intensiv einbringen.
CO2-Reduktion ist eine gemeinsame Aufgabe
"Sowohl die Land- und Forstwirtschaft als auch die übrigen
Bereiche können aktiv den Klimawandel bekämpfen", betonte Schultes
und nannte einige Beispiele: Eine vierköpfige Familie (zwei
Erwachsene, zwei Kinder) kann durch einige Kurskorrekturen ihre
CO2-Emissionen um 75% reduzieren. Das beginnt bei der Urlaubsplanung
(Verzicht auf Langstreckenflüge, stattdessen Erholung in der Region),
geht über den teilweisen Umstieg vom Auto auf öffentliche
Verkehrsmittel oder für Kurzstrecken aufs Fahrrad beziehungsweise auf
die Bewältigung kurzer Wege zu Fuß bis hin zum Umstieg von Heizöl auf
Brennholz, Hackgut und Pellets. Der Einkauf regionaler Lebensmittel
kann noch einen guten zusätzlichen Beitrag leisten.
Tierproduktion
Eine Vielzahl von Studien belegt, dass die Emissionen je
Produktionseinheit in Österreich aufgrund einer nachhaltigen und
effizienten Wirtschaftsweise im internationalen Vergleich besonders
gering sind. So verursacht ein österreichischer Landwirt 14 kg
Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion von 1 kg Rindfleisch, der
EU-Schnitt liegt bei 22 kg, in Brasilien liegt der Wert bei 80 kg
CO2. Auch in der Milchproduktion ist die heimische Landwirtschaft mit
1 kg CO2 je Liter Milch besonders emissionsarm. Der EU-Durchschnitt
liegt bei 1,5 kg CO2.
Ackerbau
Angestoßen durch das Umweltprogramm ÖPUL sind in Österreich in den
letzten Jahren die Humus-Gehalte der Böden deutlich gestiegen. Humus
ist gleichzeitig ein Wasser- wie auch ein Kohlenstoff-Speicher und
dämpft so den Klimawandel. Bereits eine Steigerung des Humusgehaltes
um 0,015% pro Jahr und ha Ackerfläche bewirkt die Speicherung von 1
Tonne CO2 pro ha und Jahr. Umgerechnet auf ganz Österreich speichert
der zusätzlich aufgebaute Humus den CO2-Ausstoß von 450.000 Pkw, von
denen jeder pro Jahr 15.000 Kilometer zurücklegt.
Forstwirtschaft
In den Wäldern sind Österreichs CO2-Emissionen eines Jahres 35 Mal
gebunden. 48% der Landesfläche sind Wald. Hier stehen rund 3,4 Mrd.
Bäume. Im Holz der Bäume und im Waldboden sind insgesamt 800 Mio. t
Kohlenstoff gespeichert. Das entspricht rund 3 Mrd. t gebundenem CO2.
Pro Sekunde entsteht ein Kubikmeter Holz, in dem 1 t CO2 gebunden
ist.
Ein sorgsam bewirtschafteter Wald ist damit eines der wirksamsten
Instrumente gegen den Klimawandel: Die Bäume entziehen beim Wachstum
der Atmosphäre den Kohlenstoff. Wird Holz, also gebundenes CO2, in
Wohn- und Wirtschaftsgebäuden oder in Möbeln und anderen
Einrichtungsgegenständen verwendet, so wird CO2 auf lange Zeit, quasi
wie in einem zweiten Wald gespeichert. Werden in einem Haus 90 m3
Massivholz verbaut, fallen vom Wald bis zur Baustelle mehr als 500 m3
Nebenprodukte an, aus denen Platten, Papier, Zellstoff und Energie
hergestellt werden. Mit den Nebenprodukten könnte dieses Haus mehr
als 70 Jahre beheizt werden. Im Vergleich mit einem sich selbst
überlassenen Wald hält die vielfältige Verwendung von Holz damit eine
mehrfache CO2-Menge im Kreislauf.
Wasser
Die Folgen des Klimawandels werden einzelne Regionen in ihrer
agrarischen Produktionskraft beeinträchtigen und anderen neue
Möglichkeiten bieten. Heftige Niederschlagsereignisse brauchen darauf
vorbereitete Böden und Arbeitsabläufe, die mithelfen, das Wasser im
Boden versickern zu lassen. Von Dürre betroffene Regionen benötigen
jetzt schon die Planung und Umsetzung überregionaler
Wasserversorgungsmaßnahmen.
Bodenschutz ist Klimaschutz
"Der Boden in der Hand der Bauern speichert Kohlenstoff. Daher
muss mit dieser wertvollen Ressource besonders achtsam umgegangen
werden. Der jetzige Bodenverbrauch mit rund 20 ha pro Tag ist nicht
nur im Hinblick auf die künftige Ernährung Österreichs, sondern auch
hinsichtlich des Klimaschutzes mehr als problematisch. Aktiver
Bodenschutz ist effektiver Klimaschutz", stellte Schultes fest und
forderte, dem rasanten Bodenverbrauch durch Versiegelung agrarischer
Flächen endlich national und auf Länder-Ebene entgegenzuwirken.
Schutz für innovative Projekte
"Das billige Öl konterkariert alle unsere Bemühungen um
erneuerbare Rohstoffe und Energie. Jetzt brauchen wir für unsere
innovativen Projekte den entsprechenden Schutz, damit diese im
Preiskrieg der Ölprinzen nicht verglühen", verlangte Schultes. "Eine
effiziente, ressourcenschonende und wettbewerbsfähige Land- und
Forstwirtschaft wirkt dem Klimawandel aktiv entgegen. Sie hat ihre
Hausaufgaben gemacht und in den letzten zwei Jahrzehnten den
Treibhausgas-Ausstoß deutlich gesenkt. Sie wird weiterhin beste
Nahrungsmittel und wertvolle klimafreundliche Energie zur Verfügung
stellen. Wenn nun Reduktionsverpflichtungen für einzelne Sektoren
festgelegt werden sollen, muss diese Sonderrolle der Landwirtschaft
anerkannt werden. So ist die Viehwirtschaft in weiten Teilen
Österreichs die einzige Möglichkeit, Grünland sinnvoll zu nutzen und
in Lebensmittel umzuwandeln. Unsere Bäuerinnen und Bauern sowie ihre
Produkte, die jeder Mensch täglich braucht, dürfen daher nicht
gefährdet werden. Für die Umsetzung der Pariser Klimaziele brauchen
wir in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch für Österreich von
unserer Bundesregierung einen verbindlichen Arbeitsplan mit
erreichbaren Zielen", unterstrich der LK-Präsident.
(Schluss)
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