Voest-Chef Eder im „trend“: „Werden 2030 nicht mehr fünf Hochöfen in Österreich betreiben“

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder erwartet angesichts der Flüchtlingskrise eine neue Diskussion über eine „Kern-EU“ und vermisst eine klare Standortpolitik in Österreich.

Wien (OTS) - Ab dem Jahr 2030 wird Wasserstoff die fossilen Brennstoffe Kohle und Koks als Energieträger abgelöst haben, prognostiziert Voestalpine-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eder einen Technologiewechsel in frühestens 15 Jahren. „Wenn wir aber jetzt gezwungen wären, völlig auf CO2-freie Produktion umzustellen, hätten wir einen Strombedarf von 33 Terawattstunden, das sind über 30 Donaukraftwerke oder fast 50 Prozent des gesamten heutigen Energiebedarfs Österreichs. Das ist eine totale Utopie“, sagt Eder in einem Interview mit dem ab Freitag wöchentlich erscheinenden Wirtschaftsmagazin „trend“.
Das neue Voestalpine-Werk in Corpus Christi, USA, ist laut Eder ein wichtiger Schritt zu einer CO2-ärmeren Produktion, für einen weiteren technologischen Zwischenschritt jedoch „muss man uns Zeit geben“. Worst Case: „Wir müssen auch Szenarien einplanen, die es uns im schlimmsten Fall ermöglichen, ab 2020 jederzeit Stopp sagen zu können.“ Über die künftige Anlagenstruktur wird der Linzer Stahl- und Technologiekonzern 2018 entscheiden, schon jetzt ist laut Eder aber klar, „dass wir 2030 nicht mehr fünf Hochöfen in Österreich betreiben werden“.

Kritisch bewertet der Topmanager im „trend“-Interview die aktuelle Lage der EU: Das Flüchtlingsthema werde „von vielen europäischen Regierungen als Anlass genommen, sich gegen die EU zu wenden und echte Desintegrationsschritte zu setzen“. Eder erwartet, „dass wir in einem Jahr wieder das Thema einer Kern-EU der ‚echten Europäer’ am Tisch haben werden“. Von der österreichischen Politik fordert er „ein verbindliches Standortkonzept“ noch im ersten Halbjahr 2016, mehr aber noch „konstruktive Leadership statt bloßem Reagieren“.

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