- 20.01.2016, 11:29:30
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Austrian Standards: Österreich benötigt „rot-weiß-rote Normungsstrategie von internationalem Format“
Fünf-Punkte-Programm für Österreichs Erfolg mit Normung
Utl.: Fünf-Punkte-Programm für Österreichs Erfolg mit Normung =
Wien (OTS) - Die Bedeutung der Teilnahme Österreichs an der
europäischen Normung (CEN) und internationalen Normung (ISO) wird
weiter steigen; schon jetzt sind über 90 Prozent aller
österreichischen Standards europäischen und internationalen
Ursprungs. „Was Österreich daher rasch braucht, ist eine
rot-weiß-rote Normungsstrategie von internationalem Format“, erklärt
der Präsident von Austrian Standards, Walter Barfuß, in der
Jahresauftakt-Pressekonferenz von Austrian Standards am Mittwoch.
„Nun wurde im Dezember 2015 zwar ein neues Normengesetz beschlossen,
allein eine Normungsstrategie der Bundesregierung, wie sie im
Regierungsübereinkommen angekündigt wurde, fehlt noch. Was das
Normengesetz 2016 und seine Auswirkungen betrifft, ist noch zu
klären, ob die Teilnahme Österreichs an der europäischen und
internationalen Normung weiterhin möglich ist“, so Barfuß. Für Stefan
Ehrlich-Adám, Vize-Präsident von Austrian Standards und
Geschäftsführer der EVVA Sicherheitstechnologie GmbH muss Normung als
Export- und Wirtschaftsmotor begriffen und in eine gesamthafte
wirtschaftspolitische Strategie eingebettet werden. „Österreich wird
in der Normung dann erfolgreich sein, wenn – so wie in den Strategien
anderer Staaten – erkannt worden ist, dass Normung Flügel verleiht
und keine Fessel ist“, so Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin von
Austrian Standards.
Insgesamt haben die intensiven Debatten im vergangenen Jahr den hohen
Stellenwert von Normung unterstrichen. Allein die Tatsache, dass es
während der Begutachtungsfrist zum Normengesetz-Entwurf beinahe so
viele Stellungnahmen gab wie zur Steuerreform – rund 100, darunter
sehr kritische aus der Wirtschaft, von internationaler Seite und aus
verfassungsrechtlicher Sicht –, zeigt die wirtschaftliche,
gesellschaftliche und politische Bedeutung des Themas. „Das
politische Interesse an der Normung lässt sich auch daran ablesen,
dass in der parlamentarischen Behandlung des Normengesetzes für jede
im Nationalrat vertretene Partei ein Sitz im nunmehr 26-köpfigen
Beirat vorgesehen wurde“, so Barfuß. Letztlich sind im Endspurt
einige der Mängel im Gesetz behoben worden, viele Fragen sind aber
offen. „Es wäre vermutlich effizienter gewesen, wenn man Austrian
Standards als die für Normung verantwortliche Organisation in die
Gespräche eingebunden hätte. So müssen grundlegende Fragen, wie jene,
ob die Mitgliedschaft Österreichs bei CEN und ISO und damit die
Teilnahme Österreichs an der europäischen und internationalen Normung
nach wie vor möglich ist, erst jetzt, nach dem Beschluss des
Gesetzes, geklärt werden“, legt der Präsident von Austrian Standards
dar.
Fünf-Punkte-Programm „Wie Österreich mit und in der Normung
erfolgreich sein kann“
Was es für Österreich braucht, um mit und in der Normung erfolgreich
zu sein, erläuterten Stampfl-Blaha und Ehrlich-Adám in einem
„Fünf-Punkte-Programm für Österreichs Erfolg in der Normung“.
1.Österreich wird nur dann ein erfolgreicher Mitspieler in der
Normung sein, wenn das Trugbild der letzten Monate, bei Normen gehe
es ausschließlich um den Baubereich, aufgelöst ist. Schließlich
betreffen nur rund 3 000 aller österreichischen Normen im weitesten
Sinn den Baubereich. Was die Gesamtzahl der Normen 2015 betrifft, so
ist diese in etwa stabil. Es gab sogar einen Rückgang: auf 23 050
gegenüber 23 424 im Jahr davor. Die Konsolidierung des europäischen
Normenwerks setzt sich damit wie schon in den letzten Jahren fort.
2.Österreich muss sich in die Lage versetzen, „in der richtigen Liga
zu spielen“; das heißt, es muss gelingen, dass Österreich den Level
in puncto Teilnahme an der europäischen und internationalen Normung
hält und wie bisher unter den Top Ten bei der Mitgestaltung von
Normen bleibt. Auch die Frage der Finanzierung der Normung spielt
eine wichtige Rolle dabei, in welcher Liga Österreich spielt. Die
Direktorin von Austrian Standards konnte berichten, dass das
österreichische Normungssystem 2015, also in seiner bisherigen Form,
zu 95 Prozent selbstfinanziert war. „2016 wird sich die Finanzierung
jedenfalls sehr viel schwieriger gestalten, denn laut neuem
Normengesetz darf Austrian Standards in Zukunft keine
Teilnahmebeiträge mehr einheben – ohne, dass es dazu eine finanzielle
Kompensation gibt“, erklärte Stampfl-Blaha.
3.Österreich wird dann erfolgreich sein, wenn erkannt worden ist,
dass Normen die Basis für Rationalisierung und die Brücke für
Innovationen in den Markt sind. Dazu gibt es schon zahlreiche
Erfolgsbeispiele. Um nur zwei zu nennen: Das Land Oberösterreich hat
dies etwa getan und eine beispielgebende Strategie im Bereich der
besonders zukunftsweisenden Baunormen verfolgt. Es hat es geschafft,
Standards optimal umzusetzen und an deren Weiterentwicklung
mitzuwirken, inzwischen sogar auf europäischer Ebene. Das Polymer
Competence Center Leoben wiederum hat mit der Montanuniversität
Leoben und der Kunststoffrohrindustrie eine neue Prüfmethodik
entwickelt, die Eingang in die Internationale Norm ISO 18489 gefunden
hat. „Beide haben Normung als Chance begriffen und ergriffen; beide
werden heute Abend gemeinsam mit weiteren Unternehmen und
Organisationen mit dem ‚Living Standards Award 2016’ ausgezeichnet“,
so die Direktorin von Austrian Standards „Es muss erkannt werden,
dass Normung Flügel verleiht und keine Fessel ist“, so Stampfl-Blaha.
4.Österreich wird dann erfolgreich sein, wenn Normung in eine
nationale wirtschaftspolitische Strategie und in Sektor- und
Unternehmensstrategien zur Normung eingebettet ist. „Die Branchen
werden sich selbst noch mehr mit den Normen in ihrem Fachbereich
auseinandersetzen müssen. Das von Austrian Standards initiierte
‚Dialogforum Bau’ geht den richtigen Weg. In einer Art
Open-Innovation-Prozess lassen die Anwender ihre Praxiserfahrung in
die Weiterentwicklung der Standards einfließen“, erklärte
Ehrlich-Adám. Weiteres Best-Practice-Beispiel ist OTIS, ebenfalls mit
dem „Living Standards Award 2016“ prämiert. Das Unternehmen ist in
allen für OTIS relevanten Normungskomitees auf europäischer und
internationaler Ebene bei CEN und ISO vertreten und wendet die Normen
beispielhaft an; das OTIS World Headquarter für Normungsstrategie ist
in Wien. Ebenso die Stadt Wien, die Normung als wichtiges
strategisches Instrument begreift und anwendet und dafür 2015 mit dem
„Living Standards Award“ ausgezeichnet wurde.
5.Schließlich wird Österreich nur dann erfolgreich sein, wenn auch in
Österreich Normung als Export- und Wachstumsmotor begriffen wird. In
Deutschland wird gerade in einem breiten Dialog an einer
Aktualisierung der Normungsstrategie gearbeitet, um Standardisierung
als integralen Bestandteil der Wirtschafts- und Innovationspolitik
weiter zu stärken. Die dänische Normungsstrategie 2015 trägt das Ziel
schon in ihrem Titel: "Wachstum durch verstärkte Anwendung von
Internationalen Normen". „Normung funktioniert generell und weltweit
als nicht-staatliches System. Das hat sich bewährt. Diese Arbeit muss
erfolgreich weitergeführt werden“, so Ehrlich-Adám.
„Elchtest für erfolgreiche Normungsstrategie“
„Diese fünf Punkte werden Maßstab dafür sein, ob Österreich mit einer
Normungsstrategie auf dem richtigen Weg ist – ein Elchtest für eine
Normungsstrategie“, betonte Stampfl-Blaha. Die dänische
Normungsstrategie stützt sich auf die Erkenntnis, dass Unternehmen,
die Normen anwenden, eine bis zu 25 Prozent höhere Wertsteigerung,
eine bis zu 15 Prozent höhere Produktivität und einen bis zu 50
Prozent höheren Export aufweisen. In fünf Jahren sollten Unternehmen,
die sich in der Normung sehr engagieren und ihre strategischen
Ansätze auch weltweit einbringen, besonders gefördert werden. In fünf
Jahren sollte eine österreichische Normungsstrategie wesentlich dazu
beigetragen haben, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft
heimischer Unternehmen zu stärken. „Und es sollte 2021 allgemeines
Kopfschütteln auslösen, wenn die Kraft von Normung für Österreichs
Wirtschaft nicht erkannt und genützt wird“, betonte die Direktorin.
Die notwendige Evaluierung einer österreichischen Normungsstrategie
sollte 2020/2021 in einer gemeinsamen und transparenten Initiative
unter Einbindung aller betroffenen Kräfte erfolgen, wie dies in
anderen Bereichen auch schon gemacht wird.
Wichtige Projekte 2016
Zu wichtigen Vorhaben 2016 zählen u. a. die Fortsetzung des
„Dialogforum Bau Österreich – gemeinsam für klare und einfache
Bauregeln“, das gestern seinen erfolgreichen Auftakt hatte, sowie die
Mitarbeit österreichischer Fachleute an internationalen Projekten für
Smart Solutions im Bereich Smart Cities, Intelligente
Transportsysteme (ITS) oder drahtlose Sensoren-Netzwerke für die
Automobil-, Luftfahrtindustrie, das Schienenverkehrs- und
Gebäudemanagement. Es geht aber auch um gefährliche Baustoffe, Cyber
Security oder so einfache Dinge wie sichere Fahrradgepäckträger und
Wickeltische. Darüber hinaus wird Austrian Standards die
Informationsoffensive zu den Möglichkeiten, Standards mitzugestalten,
fortsetzen.
Über Austrian Standards
Standards sind Normen und Regelwerke. Sie dienen dem Wohl und der
Sicherheit aller, machen das Leben einfacher und sorgen dafür, dass
eins verlässlich zum anderen passt. Standards stehen für Qualität und
damit für Vertrauen in Produkte und Leistungen. Austrian Standards
stellt seit 1920 als unabhängige und neutrale Plattform einen
transparenten Normungsprozess in Österreich sicher.
Als das österreichische Mitglied von CEN, dem Europäischen Komitee
für Normung, und ISO, der Internationalen Organisation für Normung,
ermöglicht Austrian Standards allen, Normen mitzugestalten und macht
Standards als sinnvolles, international anerkanntes Fachwissen leicht
zugänglich und anwendbar.
Austrian Standards beschäftigt derzeit 113 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Standards sorgen in Österreich für ein Mehr an
innovativer Wirtschaftsleistung in Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro pro
Jahr.
www.austrian-standards.at
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