- 17.01.2016, 18:30:01
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Die Landes-SP, ein Fall für den Therapeuten", von Gerald Mandlbauer
Ausgabe vom 18. Jänner 2016
Utl.: Ausgabe vom 18. Jänner 2016 =
Linz (OTS) - Oberösterreichs Sozialdemokratie steckt in ihrer
schlimmsten Krise, verstrickt in Flügelkämpfe, geblieben sind zwei
Blöcke – die Gewerkschaften und die beiden Städte Linz und Steyr. Sie
verschleißt einen Vorsitzenden nach dem anderen, und nun, begrenzt
auf ein Jahr, darf sich Johann Kalliauer daran versuchen, den Sturz
zu bremsen. Dass dies gelingen könnte, wäre nicht unbedingt
illusorisch, wenn wir dieselben Ansagen nicht schon oft gehört
hätten, wenn die Bereitschaft gegeben wäre zu schonungsloser Analyse,
wenn die Personalreservoirs prall gefüllt wären und wenn die
Innensicht der Funktionäre und die Außensicht der Wähler weitgehend
deckungsgleich übereinanderlägen, wenn der Erneuerer schon immer als
ein solcher aufgefallen wäre, wenn... Doch das alles ist nicht der
Fall.
Vorerst werden daher jetzt die Überlebensmechanismen aktiviert. Die
SP ordnet nach dem wirrsten Parteitag ihrer Geschichte ihre Trümmer.
Sie spricht sich Mut zu, klopft ihrem Ex-Vorsitzenden („unser Reini“)
dankend auf die Schultern (ja, das ist derselbe, den viele dieser
Schulterklopfer bis vor wenigen Tagen noch als schwach und ablösereif
bezeichnet haben). Die SP bedient mit dieser schizophrenen
Sprunghaftigkeit ihre Gefühle. Dazu wird sie die Methoden
intensivieren, die sie beherrscht („kantiger werden“), auf die Gefahr
hin, als „retro“ wahrgenommen zu werden. Kader und Wähler leben in
anderen Zonen – und wenigen Rednern wie dem überlegt argumentierenden
Ex-Mandatar Edelmayr blieb es auf dem Parteitag vorbehalten, auf
diese Distanz zu verweisen.
Dass ausgerechnet Johann Kalliauer die Erneuerung anführen soll, ist
ein Paradoxon. Er gilt vielen als Sphinx, die AK sehr straff und über
einen engsten Kreis besonderer Vertrauter führend. Bestimmend sind
dabei die internen Kader und weniger die Betriebsräte, die im rauen
Wettbewerb realitätsbezogener sozialisiert worden sind.
Legt Kalliauer sein AK-Rollenmodell über die Partei, dann bliebe ein
Schulterschluss mit Linz wahrscheinlich Illusion. Die
Zentrifugalkräfte würden nicht ab-, sondern zunehmen. Erfahren, wie
er ist, wird Kalliauer es wissen und hoffentlich danach handeln. Denn
dem ganzen Land würde ein weiterer Sturz der SP Richtung
Bedeutungslosigkeit Unwucht bereiten, sogar die VP würde ihre
Schadenfreude vergessen und beginnen, die SP als stabilisierenden
Faktor zu vermissen.
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