Industrie: Qualifikation von Flüchtlingen ist Chance und Herausforderung

IV-GS Neumayer: Kompetenztests flächendeckend ausrollen – Qualifizierten Personen Arbeitsmarktzugang ermöglichen – Qualifizierungsoffensive starten

Wien (OTS) - „Die aktuell präsentierten Zahlen zur Frage der Qualifizierung von Flüchtlingen stimmen vorsichtig optimistisch und lassen erkennen, dass es sehr wohl möglich ist diesen Menschen einen Platz am Arbeitsmarkt zu ermöglichen, um Know-how-Verluste zu vermeiden und die Integration zu fördern. Die Hälfte der getesteten Personen verfügt demnach über eine Matura oder einen vergleichbaren Abschluss“, hielt Mag. Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), heute, Dienstag zu den von Sozialminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Chef Johannes Kopf präsentierten Analysen und Empfehlungen zur Qualifikationssituation von Flüchtlingen fest. „Schon parallel zum Asylverfahren könnte es daher aus unserer Sicht für gut qualifizierte Menschen – etwa aus Syrien, Iran oder Irak – berufsspezifische Deutsch- und Weiterqualifizierungskurse geben“, so der Generalsekretär weiter. Potenziale frühzeitig zu erkennen sei entscheidend. „Daher fordern wir seitens der Industrie, dass die Kompetenztests flächendeckend ausgerollt und bereits innerhalb der ersten Wochen nach Einbringung des Asylantrags gestartet werden. Wer besondere Fähigkeiten nachweisen kann, soll dann auch in das System der RWR-Karte umsteigen können“, so Neumayer. „Man soll sich aber auch keinen Illusionen hingeben: es wird eine große Herausforderung bei der ohnehin angespannten Arbeitsmarktlage eine große Zahl an zusätzlichen gering Qualifizierten zu integrieren.“ Umso wichtiger sei es daher, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes rasch durch eine weitere kontinuierliche Senkungen der Lohnnebenkosten und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit zu stärken. Nur bei entsprechenden Rahmenbedingungen werde die Wirtschaft wieder anziehen und die Unternehmen ausreichend Arbeitsplätze schaffen können.

Angebote an unterschiedliche Bildungsniveaus anpassen

Die IV schlage darüber hinaus vor, auf die im Kompetenzcheck ermittelten Qualifikationen ein maßgeschneidertes individuelles Integrationscoaching aufzusetzen und damit eine Qualifizierungsoffensive zu starten. „Damit erreichen wir in relativ kurzer Zeit gute Chancen auf Beschäftigungsmöglichkeiten bei den qualifizierten Personen“, so der IV-Generalsekretär, und weiter: „Auf der anderen Seite müssen wenig Qualifizierte und im großen Umfang meist jugendliche Flüchtlinge die Möglichkeit haben, den Pflichtschulabschluss nachzuholen, auch wenn sie bereits das Pflichtschulalter überschritten haben. Hier ist insbesondere der Bildungsbereich gefordert.“ Aus IV-Sicht müsse der Zugang zu Lehrstellen für jugendliche Asylwerberinnen und Asylwerber in allen Berufen – nicht nur in Mangelberufen – möglich sein. „Wir müssen die Qualifizierungslage der Flüchtlinge als Chance begreifen und als Herausforderung angehen. Daher bedarf es abgestufter Angebote für unterschiedliche Bildungsniveaus. Während bei der ersten Gruppe der gut Qualifizierten das Tempo und die Flexibilität der Maßnahmen entscheidend sind, benötigt die zweite Gruppe grundlegende und längerfristige Ausbildungsprogramme“, so Neumayer abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
+43 (1) 711 35-2306
info@iv-newsroom.at
www.iv-net.at/medien

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001