- 08.01.2016, 08:00:01
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Grüne Wien/ Hebein: Offener Brief an Polizeipräsident Pürstl
"Frauen und Mädchen darin bestärken, den öffentlichen Raum lautstark zu nützen."
Utl.: "Frauen und Mädchen darin bestärken, den öffentlichen Raum
lautstark zu nützen." =
Wien (OTS) - Die Sicherheits- und Sozialsprecherin der Grünen Wien,
Birgit Hebein, hat am Donnerstagabend folgenden Offenen Brief an
Polizeipräsident Gerhard Pürstl geschickt:
Sehr geehrter Herr Polizeipräsident Pürstl,
Es mag sein, dass Sie in der Kronen Zeitung völlig verkürzt und aus
dem Zusammenhang zitiert worden sind, wie Sie gegenüber Florian
Klenk, dem Chefredakteur des Falter, betonen. Ihr Zitat lautete wie
folgt: „Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein,
Angst-Räume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden
annehmen. Das war früher so und wird auch in Zukunft so bleiben."
Sie verweisen auf den Präventionsfolder für Frauen und betonen, dass
die Polizei nicht beabsichtigt als „Reaktion auf Köln" die
Freiheitsrechte von Frauen im weiteren Sinne einzuschränken.
Mit Verlaub, Sie sind ein erfahrener Polizeipräsident und geben einem
Medium ein Interview. Es liegt in Ihrer Verantwortung, was Sie sagen
und bei falscher Wiedergabe auf einer Richtigstellung zu bestehen.
Dies ist meines Wissens noch nicht geschehen, obwohl Ihnen aus Ihrer
langjährigen Erfahrung vollkommen bewusst sein muss, dass derartige
„Verhaltensmaßregeln für Frauen" die Verantwortung von den Tätern auf
die Opfer lenken.
Wenn wir der Gewalt gegen Frauen ein Ende bereiten wollen, dürfen
Belästigungen und Übergriffe nicht mehr als Bagatelldelikte abgetan
werden. Mit Schaudern erinnere ich an den „Pograpscher“ Markus Franz.
Durch Ihre verkürzten Aussagen ist Schaden entstanden: Im 21.
Jahrhundert Frauen und Mädchen zu vermitteln zu Hause zu bleiben und
den öffentlichen Raum zu meiden, statt der U-Bahn also ein Taxi zu
nehmen etc. bedeutet ihre Freiheit einzuschränken.
Sie fordern Frauen als Polizeipräsident unserer Stadt auf, sich
besser zu schützen. Als Polizeipräsident. Aber es ist Ihre Aufgabe
für Sicherheit im öffentlichen Raum zu sorgen. Sicherheit für Alle.
Ich würde mir von einem Polizeipräsidenten wünschen, präventiv und
als Vorbild für seine BeamtInnen genau das Gegenteil von dem zu tun,
was Sie vermittelt haben: Alle Frauen und Mädchen darin zu bestärken,
den öffentlichen Raum lautstark zu nützen und klarzustellen, dass
PolizistInnen bestmöglich für die notwendige Sicherheit Sorgen
werden.
Ich wünsche mir, dass Sie Folgendes gesagt hätten:
Dass für ein Eingreifen bei Gewaltdelikten Unterstützung und
Ressourcen notwendig sind; dass Ihre BeamtInnen in den letzten
Monaten ebenfalls zur Stelle waren und tatkräftig mitgeholfen haben
Flüchtlinge menschenwürdig zu versorgen; dass der Apparat, den Sie
steuern, nicht von BeamtInnen bestimmt wird, die lieber Aufmärsche
der Rechten schützen, sondern nein, dass Sie gerade jetzt, während
der völlig verständlichen Aufregung nach den Übergriffen von Köln,
dass Sie gerade jetzt, wo einmal mehr offensichtlich geworden ist,
dass jede Frau jederzeit mit einem Übergriff oder Überfall rechnen
und sich schützen muss, Null-Toleranz für sexuelle Übergriffe
ausrufen.
Ich würde mir wünschen, dass Sie sich gerade jetzt für einen dringend
notwendigen, öffentlichen und sachlichen Diskurs über Gewalt an
Frauen einsetzen – nicht zuletzt aufgrund der tagtäglichen
Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt.
Ich wünsche mir, dass Sie all das betont hätten. Sie können es immer
noch tun. Wir können das gemeinsam tun.
Gerade jetzt müssen wir reden, Herr Polizeipräsident. Über einen
umfassenden Sicherheitsbegriff, der Frauen und Männer betrifft.
Mit besten Grüßen für das Jahr 2016
Birgit Hebein
Sicherheits- und Sozialsprecherin der Wiener Grünen
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