• 07.01.2016, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 8. Januar 2016; Leitartikel von Alois Vahrner: "Strom-Kompromiss ohne echte Sieger"

Innsbruck (OTS) - Der Streit um die Strompreise ist beigelegt. LH
Günther Platter erreichte ein Trostpflaster für die Kunden, die in
Summe trotzdem mehr zahlen müssen. Und auf Tiwag-Chef Erich
Entstrasser warten nach dem Stolperstart harte Aufgaben.

Angesichts des vor Weihnachten völlig aus dem Ruder gelaufenen
Strompreis-Streits zwischen LH Platter und dem scheidenden Tiwag-Chef
Bruno Wallnöfer durfte man auf den gestrigen Antrittsbesuch von
Neo-Tiwag-Boss Entstrasser gespannt sein. Ein Krisentreffen, bei dem
es vor allem um Deeskalation und Gesichtswahrung beider Seiten ging.
Mit der Ankündigung, dass die Strompreise im April nochmals um 2,5
Prozent sinken sollen, scheint der Krach, den es so hätte nie geben
müssen, vorerst beigelegt. Aber da ist zuletzt zu viel schiefgelaufen
in der Kommunikation zwischen der Führungsriege des
Energie-Landesversorgers und dem höchsten Eigentümervertreter. Die
Probleme beim Kraftwerksausbau, für sie man sich bei Tiwag und Land
gegenseitig die Schuld zuschob, die Gagen-Diskussion um eine seit
Jahren bezogene Beamtenzusatzpension von Bruno Wallnöfer und vor
allem der Streit um die Strompreise, als den Kunden statt der
angekündigten Verbilligung eine Verteuerung ins Haus stand. Das
sorgte für Ärger, auch weil man die Netztarif-Erhöhung zuvor bei der
Senkung des Strompreises nicht kommuniziert hatte. Dass die
Tiwag-Spitze zumindest vom Ausmaß (um 11 Prozent !) der von der
E-Control genehmigten Netztarif-Erhöhung offenbar selbst überrascht
war, ist dafür keine Entschuldigung. Das alles ließ jedenfalls die
Funken sprühen. Der Start der Ära mit neuen Chefs in Vorstand und
Aufsichtsrat stand unter keinem guten Stern.
Jetzt wurde ein Minimal-Kompromiss gefunden, der aber in Reaktion
zu den Aussagen vor wenigen Wochen wohl das Maximum war, um doch
halbwegs aus dem Schlamassel zu kommen. Was kürzlich noch wörtlich
als „systemisch, fachlich und wirtschaftlich völlig verfehlt“
abgelehnt wurde, kommt jetzt doch in bescheidenem Ausmaß: Die
Tiwag-Spitze senkt die Strompreise doch noch einmal. Aus Gründen der
Wettbewerbsfähigkeit und Kundenbindung, weil neue Anbieter vor der
Tür stünden, lautet die offizielle Lesart. Damit zeigt sich auch
Platter zufrieden, weil Tirol dann wieder den billigsten Strom aller
Landesgesellschaften habe. Wegen der Netz- und Ökostrom-Verteuerung
bleibt die Rechnung für die Kunden aber heuer höher, wenn nun auch
abgebremst.
Die Strompreis-Klippe ist mit einigen Schrammen umschifft, härtere
Aufgaben stehen Entstrasser und Co. aber erst bevor. Vor allem die
äußerst schwierig umzusetzenden Kraftwerkspläne, aber auch das
Problem, dass wegen der international tiefen Preise und
Markt-Turbulenzen die Tiwag-Gewinne dahinzuschmelzen drohen.

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