Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 8. Januar 2016; Leitartikel von Alois Vahrner: "Strom-Kompromiss ohne echte Sieger"

Innsbruck (OTS) - Der Streit um die Strompreise ist beigelegt. LH Günther Platter erreichte ein Trostpflaster für die Kunden, die in Summe trotzdem mehr zahlen müssen. Und auf Tiwag-Chef Erich Entstrasser warten nach dem Stolperstart harte Aufgaben.

Angesichts des vor Weihnachten völlig aus dem Ruder gelaufenen Strompreis-Streits zwischen LH Platter und dem scheidenden Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer durfte man auf den gestrigen Antrittsbesuch von Neo-Tiwag-Boss Entstrasser gespannt sein. Ein Krisentreffen, bei dem es vor allem um Deeskalation und Gesichtswahrung beider Seiten ging. Mit der Ankündigung, dass die Strompreise im April nochmals um 2,5 Prozent sinken sollen, scheint der Krach, den es so hätte nie geben müssen, vorerst beigelegt. Aber da ist zuletzt zu viel schiefgelaufen in der Kommunikation zwischen der Führungsriege des Energie-Landesversorgers und dem höchsten Eigentümervertreter. Die Probleme beim Kraftwerksausbau, für sie man sich bei Tiwag und Land gegenseitig die Schuld zuschob, die Gagen-Diskussion um eine seit Jahren bezogene Beamtenzusatzpension von Bruno Wallnöfer und vor allem der Streit um die Strompreise, als den Kunden statt der angekündigten Verbilligung eine Verteuerung ins Haus stand. Das sorgte für Ärger, auch weil man die Netztarif-Erhöhung zuvor bei der Senkung des Strompreises nicht kommuniziert hatte. Dass die Tiwag-Spitze zumindest vom Ausmaß (um 11 Prozent !) der von der E-Control genehmigten Netztarif-Erhöhung offenbar selbst überrascht war, ist dafür keine Entschuldigung. Das alles ließ jedenfalls die Funken sprühen. Der Start der Ära mit neuen Chefs in Vorstand und Aufsichtsrat stand unter keinem guten Stern.
Jetzt wurde ein Minimal-Kompromiss gefunden, der aber in Reaktion zu den Aussagen vor wenigen Wochen wohl das Maximum war, um doch halbwegs aus dem Schlamassel zu kommen. Was kürzlich noch wörtlich als „systemisch, fachlich und wirtschaftlich völlig verfehlt“ abgelehnt wurde, kommt jetzt doch in bescheidenem Ausmaß: Die Tiwag-Spitze senkt die Strompreise doch noch einmal. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und Kundenbindung, weil neue Anbieter vor der Tür stünden, lautet die offizielle Lesart. Damit zeigt sich auch Platter zufrieden, weil Tirol dann wieder den billigsten Strom aller Landesgesellschaften habe. Wegen der Netz- und Ökostrom-Verteuerung bleibt die Rechnung für die Kunden aber heuer höher, wenn nun auch abgebremst.
Die Strompreis-Klippe ist mit einigen Schrammen umschifft, härtere Aufgaben stehen Entstrasser und Co. aber erst bevor. Vor allem die äußerst schwierig umzusetzenden Kraftwerkspläne, aber auch das Problem, dass wegen der international tiefen Preise und Markt-Turbulenzen die Tiwag-Gewinne dahinzuschmelzen drohen.

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