Innenministerium: 475 Verkehrstote im abgelaufenen Jahr

Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 10,5 %

Wien (OTS) - 475 Menschen verunglückten 2015 auf Österreichs Straßen tödlich. Das sind um 45 Opfer (10,5 %) mehr als 2014 (430) und um 20 Opfer (4,4 %) mehr als 2013 (455). Im Jahr 2014 wurde allerdings mit 430 Getöteten die bisher absolut niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen im BMI im Jahr 1950 registriert. In einer langfristigen Gesamtbetrachtung liegt das Ergebnis 2015 an dritter Stelle und bedeutet zum drittem mal weniger als 500 Verkehrstote innerhalb eines Jahres. In den Jahren vor 2013 lag diese Opferzahl immer über 500.

475 Verkehrstote sind etwa ein Sechstel der Todesopfer im Vergleich zu 1972, dem bisher schwärzesten Jahr in der Unfallstatistik (2.948 Tote). Obwohl der Fahrzeugbestand sich seit 1972 von 2,5 Millionen auf 6,5 Millionen mehr als verdoppelt hat. Die gestiegenen Unfallzahlen im Jahr 2015, die gegenüber dem Vorjahr v.a. in den Monaten Juli bis September verzeichnet wurden, sind deshalb im Zusammenhang mit steigenden Fahrleistungen und höherem Verkehrsaufkommen während längerer Schönwetterperioden in den Sommermonaten zu sehen. Ideale und trockene Fahrbahnbedingungen führen erfahrungsgemäß zu einem höheren Geschwindigkeitsniveau und zu vermehrtem Urlaubs- und Ausflugsverkehr, auch durch einspurige Verkehrsteilnehmer.

Mit 475 Getöteten wurde auch das Zwischenziel des Österreichischen Verkehrssicherheits-programmes 2011 bis 2020 für das Jahr 2015 mit 366 Verkehrstoten knapp verfehlt.

Bundesländerstatistik

Im Burgenland gab es 24 Verkehrstote (2014: 22), in Kärnten 40 (26), in Niederösterreich 130 (121), in Oberösterreich 87 (75), in Salzburg 43 (27), in der Steiermark 77 (86), in Tirol 54 (30), in Vorarlberg 9 (22) und in Wien 11 (21).
Eine Zunahme der Zahl an Verkehrstoten gab es im Burgenland (+ 2), in Kärnten (+ 14) in Niederösterreich (+ 9), in Oberösterreich (+ 12), in Salzburg (+ 16), und in Tirol (+ 24). Die Bundesländer Steiermark, Vorarlberg und Wien verzeichnen Rückgänge. Vorarlberg und Wien erreichten 2015 die bisher geringste Zahl an Verkehrstoten seit 45 Jahren.

Verkehrsbeteiligung
Bei den tödlichen Verkehrsunfällen 2015 verloren 239 Pkw-Insassen ihr Leben, 21 Lkw-Insassen (einschl. Klein-Lkw), 82 Motorradfahrer (davon 18 mit Leicht-Motorrädern), 8 Mopedfahrer, 39 Radfahrer (davon 3 mit Elektro-Fahrrad), 79 Fußgänger, 3 Traktor-Lenker/Mitfahrer und 4 sonstige Verkehrsteilnehmer. Angestiegen gegenüber 2014 ist die Zahl der getöteten Pkw-Insassen, Motorradfahrer und Fußgänger, zurückgegangen ist die Zahl der Mopedfahrer und Radfahrer.

Hauptunfallursachen
Als vermutliche Hauptunfallursachen der tödlichen Verkehrsunfälle gelten Unachtsamkeit/Ablenkung (31,7 %), nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (26,3 %), Vorrangverletzung (10,5 %), Überholen (7,8 %), Fehlverhalten von Fußgängern (6,8 %), Übermüdung (3,9 %), Herz-/Kreislaufversagen/akute Erkrankungen (3,2 %), Missachtung von Geboten/Verboten (2,5 %), Hindernisse auf der Fahrbahn (1,6 %), technische Defekte (1,4 %) und mangelnder Sicherheitsabstand (0,9 %). Alkoholisierung war bei 15 oder 3,4 % der tödlichen Unfälle gegeben.

2015 gab es weniger Unfälle durch Vorrangverletzungen und Alkohol. Bei den übrigen Ursachen musste ein Anstieg verzeichnet werden.

Anmerkung: Unter der vermutlichen Hauptunfallursache "Unachtsamkeit und Ablenkung" sind vor allem Unaufmerksamkeiten, Unkonzentriertheiten, die Außerachtlassung der nötigen Sorgfalt und das bloße "Übersehen" von anderen Verkehrsteilnehmern zu verstehen und nur in einem sehr geringen Ausmaß ablenkende und fahrfremde Tätigkeiten wie beispielsweise das Aufheben oder Suchen von (hinuntergefallenen) Gegenständen, Ablenkung durch Kinder oder Tiere im Auto, Interaktionen mit Beifahrern, Rauchen, Sprechen, Lesen, Essen, Trinken, Körperpflege, Schminken, Frisieren, visuelle Ablenkungen von außen (Werbung, Straßenumfeld) sowie die Bedienung von Geräten wie Radio/CD, Navigations-Tätigkeiten, Bordcomputer, Klimaanlage, Telefonieren/SMS/Internet oder Fernsehen.

Kinderunfälle
11 Kinder im Alter bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr 2015 ums Leben, davon 5 als Fußgänger, 5 als Pkw-Insassen, und 1 Kind als Radfahrer. 2014 verunglückten 8 und 2013 10 Kinder tödlich. Ein Kind im Alter von 6 bis 15 Jahren kam bei einem Schulwegunfall ums Leben.

22 Getötete auf Bahnübergängen, 12 Fußgänger auf Schutzwegen getötet

Auf Bahnübergängen bei Eisenbahnkreuzungsanlagen verunglückten 22 Menschen tödlich (2014: 13). 12 Fußgänger kamen im Bereich von Schutzwegen ums Leben. 2014 kamen 10 Menschen auf Schutzwegen ums Leben. 5 Tote mussten 2015 in Straßentunneln beklagt werden (2014:
9). Bei Verkehrsunfällen mit Geisterfahrern kamen 2015 keine Verkehrsteilnehmer ums Leben (2014: 3).

Straßenarten

50 Verkehrstote gab es auf Autobahnen und Schnellstraßen; das bedeutet einen Anstieg um 2 Opfer gegenüber 2014 (48). Der Großteil der tödlichen Unfälle ereignet sich auf den ehemaligen Bundesstraßen (198 Getötete), Landesstraßen (116) und sonstigen Straßen (111).

159 oder 36 % aller tödlichen Unfälle sind Alleinunfälle, das heißt, es ist nur ein einziges Fahrzeug am Unfall beteiligt. 83 tödlich verletzte Fahrzeuginsassen waren nicht angegurtet. 19 % der Getöteten waren ausländische Staatsangehörige, der Anteil der ausländischen Verursacher von tödlichen Verkehrsunfällen ist ebenso groß.
Jeder schwere Verkehrsunfall ist mit viel Leid für die Opfer und deren Angehörigen verbunden ist, deshalb ist größtmögliche Verkehrssicherheit ein ganz wichtiges Anliegen für die Polizei und das BMI. Neben der zielgerichteten Überwachung und Kontrolle ist auch die Prävention und Bewusstseinsbildung eine wesentliche Aufgabe zur Verhinderung von Unfällen durch die Exekutive.

Rückfragen & Kontakt:

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