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Neues Volksblatt: "Sternschnuppen" von Harald GRUBER
Ausgabe vom 28. Dezember 2015
Utl.: Ausgabe vom 28. Dezember 2015 =
Linz (OTS) - Ahmed stellt die Tasse zur Seite und lässt die Finger
nachdenklich auf der Tischplatte galoppieren: „Österreich gut! Hier
studieren, Haus, Pferde!“, gewährt der 21-jährige Syrer Einblick in
seine Gedankenwelt. Dann steigt er hoffnungsfroh in den Bus zum
Erstaufnahmezentrum für Asylwerber. Wenige Tage und offenkundig
einige Behördenkontakte später, meldete sich Ahmed am Telefon: „Habe
Diplome Hochschule. Aber Syrien“, sieht der Kriegsflüchtling und
Deserteur aus der syrischen Armee im gelobten Land plötzlich die
Felle davon schwimmen. Kein Zugang zu Erwerbsarbeit, ohne Papiere
kein Zugang zum Studium. Haus gedanklich eingestürzt, Pferde
gedanklich durchgegangen. Frust.
Wie Ahmed wird es in diesen und den kommenden Tagen vielen
Flüchtlingen gehen. Sie kommen mit oftmals völlig überzogenen
Erwartungen sowie einer breiten Kluft zwischen Selbsteinschätzung und
Fakten. Schnell verglühen daher ihre Träume wie Sternschnuppen am
Himmel.
Doch Frustration und Enttäuschung bergen die Gefahr von Abwendung und
Radikalisierung. Umso wichtiger ist es, diesen Menschen
(realistische) Perspektiven aufzuzeigen. Auch, indem Wege zum Tun
vermittelt werden. Zunächst z. B. in Vereinen oder durch
ehrenamtliche Arbeiten. Dann durch straff organisierte Sprachkurse.
Und schließlich auch durch neue Zugänge zu bezahlter Beschäftigung.
Herumsitzen ist nämlich diesmal nicht gemütlich, sondern gefährlich!
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