- 14.12.2015, 11:48:30
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Katholische Kirche Anno Domini 2015
Schöpfungsverantwortung, Flüchtlingshilfe, Familiensynode und Kirchenreform - Die großen Themen von Papst Franziskus prägten in diesem Jahr die Weltkirche und die Kirche in Österreich - Ein kursorischer Jahresrückblick von Kathpress-Chefredakteur Paul Wuthe
Utl.: Schöpfungsverantwortung, Flüchtlingshilfe, Familiensynode und
Kirchenreform - Die großen Themen von Papst Franziskus
prägten in diesem Jahr die Weltkirche und die Kirche in
Österreich - Ein kursorischer Jahresrückblick von
Kathpress-Chefredakteur Paul Wuthe =
Wien (KAP) - "Die Kirche in der Welt von heute" - so lautet der Titel
des letzten großen Dokuments, mit dem vor 50 Jahren das Zweite
Vatikanische Konzil beendet wurde. Was wie eine nüchterne
Faktenfeststellung klingt, ist ein Dauerauftrag, dem gerade der
gegenwärtige Papst entsprechen will. Ob Krieg, Terror, Flucht, Armut
oder Umweltkrise, Franziskus erweist sich im dritten Jahr seines
weltweiten Dienstes als Mann des Evangeliums, Prophet der Hoffnung
und Botschafter der Barmherzigkeit - für die Menschheit, die
Weltkirche und die Kirche in Österreich.
Mit der am 18. Juni veröffentlichten Enzyklika "Laudato si" hat
Franziskus die "Sorge um das gemeinsame Haus" zu einem Hauptthema
seines Pontifikats gemacht. Selten hat ein päpstliches Dokument
weltweit so eine positive Resonanz erfahren. Bewusst im Vorfeld
seines Besuchs im September bei der UNO und in den USA sowie im Blick
auf den Weltklimagipfel veröffentlicht, macht der Papst in einer
Synthese von naturwissenschaftlicher Erkenntnis und christlichem
Glauben deutlich, wie dringlich eine "ökologische Umkehr" ist. Er hat
damit nicht nur innerhalb der rund 1,2 Milliarden Katholiken ein
Umdenken vorangetrieben, sondern vermutlich auch den Weltklimagipfel
nachhaltig geprägt. Konkrete Auswirken hat die Enzyklika auch auf die
Kirche in Österreich: So beschlossen im Herbst die Bischöfe erstmals
eine Klimaschutz- und Energiestrategie für alle Diözesen.
Hilfe für Flüchtlinge
Schon am Beginn seines Pontifikats machte der Papst mit dem Besuch
auf Lampedusa auf das Flüchtlingsleid aufmerksam und wollte damit der
grassierenden "globalisierten Gleichgültigkeit" begegnen. Spätestens
als heuer im Sommer Hunderttausende kamen, weil sie vor dem Krieg in
Syrien, dem islamistischen Terror und der aussichtslosen Situation in
den Nachbarländern flüchteten, war das Thema mitten in Europa und in
Österreich angekommen. Unter den Verfolgten sind viele Christen. Es
ist ein Teil der täglich erlebbaren Tragödie, dass das Christentum
nach einer fast zweitausendjährigen Geschichte in diesen Ländern zu
verschwinden droht.
Vor diesem Hintergrund tritt die Kirche hierzulande entschieden dafür
ein, dass Notleidenden zu helfen ist und das Menschenrecht auf Asyl
uneingeschränkt zu gelten hat. Entsprechend groß ist das konkrete
Engagement. So ist die Kirche nach dem Staat die größte Institution,
die laufend Grundversorgungsquartiere für Asylwerber zur Verfügung
stellt, diese betreut und auch bei der Integration hilft.
Federführend dabei ist die kirchliche Caritas, die mit Pfarren,
Diözesen und Orden zusammenarbeitet. Gemeinsam mit zahlreichen
Freiwilligen konnte so auch Tausenden "Transitflüchtlingen" geholfen
werden.
Familie und Synodalität
2015 war für die Kirche auch ein Jahr der Familie. Nach einer
zweijährigen Vorbereitung wurden schließlich von der Bischofssynode
am 24. Oktober insgesamt 94 Vorschläge mit Zweidrittelmehrheit
beschlossen. Dass trotz sehr unterschiedlicher Positionen etwa in der
Frage der wiederverheiratet Geschiedenen ein gemeinsames Ergebnis
erzielt wurde, das "Türen offen hält", kann als Erfolg der Synode und
Bestärkung der päpstlichen Linie bewertet werden. Einen maßgeblichen
Einfluss auf das Synodendokument hatte nicht zuletzt der von Kardinal
Christoph Schönborn moderierte deutschsprachige Arbeitskreis. Ihm
gehörten beispielsweise der Präfekt der Glaubenskongregation,
Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sowie die Kardinäle Walter Kasper und
Reinhard Marx an. Die Gruppe einigte sich einstimmig u.a. auf einen
Weg, der im Einzelfall auch den Sakramentenempfang von
wiederverheiratet Geschiedenen eröffnet.
Wie der Papst in dieser und in anderen Fragen über Ehe und Familie
letztlich entscheidet, bleibt noch abzuwarten. Zweifelsohne hat
Franziskus die im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils geschaffene
Bischofssynode insgesamt aufgewertet und in ihrer Arbeitsweise
deutlich verbessert. Die Stärkung einer synodalen Kirche auf allen
Ebenen war auch die Kernbotschaft des Papstes beim Festakt am 17.
Oktober anlässlich der Errichtung der Bischofssynode vor 50 Jahren.
Verbunden mit einer vom Papst am Ende der Synode in Aussicht
gestellten Dezentralisierung könnte künftig die Verantwortung der
Ortskirchen und Bischofskonferenzen nicht nur in Fragen von Ehe und
Familie zunehmen.
Weitreichende Veränderungen innerhalb einer Weltkirche brauchen Zeit:
Dies zeigt ein Blick auf das Projekt "Kurienreform", mit dem
Franziskus sein Amt angetreten hat. Auch im dritten Jahr seines
Pontifikats ist es noch nicht abgeschlossen. Dabei liegt es nicht nur
an der Komplexität der Aufgabe und der Etablierung geeigneter
Strukturen. Dass es immer auch der rechten Gesinnung bedarf, ist ein
Grundthema des Papstes, der nicht von ungefähr bei der letztjährigen
Weihnachtsansprache "15 Krankheiten der Kurie" diagnostizierte. Die
Vorkommnisse rund um die aktuelle "Vatileaks"-Affäre sind ein Beleg
dafür, unterstreichen aber gleichzeitig die Notwendigkeit der vom
Papst vorangetriebenen Kurienreform.
Neue Bischöfe und Strukturreformen
Eine deutliche Handschrift hat Papst Franziskus indes bereits in
Österreich hinterlassen. Nach der Ernennung von Bischof Benno Elbs
2013 für die Diözese Feldkirch gab es in diesem Jahr gleich drei
Bischofsernennungen: Wilhelm Krautwaschl wurde Bischof von
Graz-Seckau, Werner Freistetter übernahm die Leitung der
Militärdiözese und Bischof Manfred Scheuer wechselt von Innsbruck
nach Linz. Sie stehen dabei wie alle anderen Bischöfe u.a. vor der
Aufgabe, zeitgemäße Seelsorgestrukturen zu schaffen.
Im diesen Sinn hat beispielsweise die Erzdiözese Wien mit dem 1.
Adventsonntag 140 neue Entwicklungsräume für die derzeit 653 Pfarren
geschaffen, die auf ein neues Zusammenwachsen in der "Pfarre Neu"
abzielen. Einen ähnlichen, aber etwas anderen Weg geht die Diözese
Eisenstadt. Dort sollen bis 2025 die derzeit 172 Pfarren bestehen
bleiben und künftig 41 Seelsorgeräume bilden. Gemeinsames Ziel der
Änderungen in den Diözesen sind passende Strukturen für die
kirchlichen Grundaufgaben der Glaubensverkündigung, des
Gottesdienstes und des karitativen Wirkens.
Das von Papst Franziskus weltweit ausgerufene Heilige Jahr der
Barmherzigkeit bietet erstmals die Möglichkeit, dass auch außerhalb
Roms Heilige Pforten eröffnet werden, was in den österreichischen
Diözesen vielfach aufgegriffen wurde. Barmherzigkeit als christlichen
Zentralbegriff im Blick auf Gott und im Umgang miteinander zu
entdecken - das ist die Intention des Heilgen Jahres, das bis zum 20.
November 2016 dauert. Es geht um eine persönliche geistliche
Erneuerung als Mitte und Ziel aller Reformen, denen zeitgemäße
Strukturen zu dienen haben.
((ende)) PWU/RME
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