- 08.12.2015, 09:55:01
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Margot Käßmann: Zäune sind "furchtbares Symbol"
Kirchen leisten wichtigen Beitrag zur Integration - Kritik an Ländern Osteuropas und PEGIDA
Utl.: Kirchen leisten wichtigen Beitrag zur Integration - Kritik an
Ländern Osteuropas und PEGIDA =
Wien (OTS) - "Dass nun wieder Zäune errichtet werden in Europa ist
für mich ein furchtbares Symbol", sagt Margot Käßmann angesichts der
Flüchtlingsbewegungen nach Europa. Von den Ländern Osteuropas, die
der EU angehören, fordert Käßmann im Gespräch mit Journalisten in
Wien mehr Solidarität. Die Botschafterin der Evangelischen Kirche in
Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017 besuchte in den letzten
Tagen Österreich und absolvierte ein dichtes Besuchsprogramm.
"Ich bin nach 1945 aufgewachsen und habe erlebt, wie Europa immer
mehr zusammenwächst", erzählt Käßmann. Sie selbst könne sich noch an
die Zeit erinnern, als man für den Grenzübertritt nach Dänemark einen
Reispass benötigt hat. Heute schätzt Käßmann an der Europäischen
Union unter anderem, dass man in andere Länder reisen kann, ohne
Grenzkontrollen zu haben. "Ohne Pass reisen zu können, aber auch die
Einführung des Euros, das hat eine Symbolik." Insofern habe sich
Käßmann auch sehr gefreut, als zehn osteuropäische Länder 2004 in die
Europäische Union aufgenommen wurden. "Das möglich zu machen, hat uns
damals Milliarden gekostet. Deshalb können wir jetzt auch erwarten,
dass sich die Länder Osteuropas solidarisch zeigen, wenn es
Belastungen gibt."
Bei der Frage des Umgangs mit Flüchtlingen seien aber auch die
Kirchen gefragt. Diese würden nicht nur Unterstützung im sozialen
Bereich anbieten. "Die Kirchen leisten auch einen Beitrag zur
Integration, indem sie etwa Deutschkurse anbieten. Speziell für
Menschen, die von Rechts wegen noch keinen Anspruch darauf haben."
Darüber hinaus seien Kirchen auch Begegnungsorte, wo Menschen auf der
Flucht und die Bevölkerung einander kennenlernen könnten. Alle, nicht
allein die Kirchen, seien jedenfalls aufgefordert, Barmherzigkeit zu
zeigen. "Barmherzigkeit ist ein zentraler Begriff der europäischen
Kulturgeschichte. Und ich beharre darauf, dass das Christentum eine
Kultur der Barmherzigkeit hervorbringt. Das kritisiere ich ja auch an
Bewegungen wie PEGIDA, die sich christlich nennt, wo Barmherzigkeit
aber keine Rolle spielt."
Handlungsbedarf sieht Käßmann beim Dialog mit dem Islam. "Wir haben
wenig Erfahrung im Dialog mit dem Islam, da brauchen wir eine neue
Basis", so die Reformationsbotschafterin. Zudem liege die Vertiefung
des Dialogs ja auch im staatlichen Interesse. Angesichts der
zunehmenden Terrorgefahr einerseits und der zunehmenden
Islamfeindlichkeit andererseits müsse auch dem Staat daran gelegen
sein, den Austausch mit den muslimischen Bürgerinnen und Bürgern zu
intensivieren. Damit eng verbunden sieht die frühere Bischöfin und
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland auch das
Thema Bildung. Hier brauche es dringend eine Schulreform, in der
Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe eine zentrale Rolle
spielen.
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