• 01.12.2015, 10:26:03
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Nachhaltige Altersvorsorge möglich – Politischer Wille gefragt

Die Impulsreferenten v.l.n.r.: Dr. Hans Groth, WDA
Forum, MMag. Peter Part, Bundesministerium für FInanzen (bis
September 2015 EPC Working Group), Prof. Dr. Martin Eling,
Universitaet St. Gallen, DI Manfred Rapf Sprecher der Sektion
Lebensversicherung im österreichischen versicherungsverband VVO,
Mag. Josef Bauernberger, Bundesministerium für Arbeit, Soziales und
Konsumentenschutz

Wien (OTS) - Der internationale Vergleich der Altersvorsorgesysteme
und die Position Österreichs in entsprechenden Rankings bilden immer
wieder Anlass zu kontroversen Diskussionen. Eine Veranstaltung am
gestrigen Abend an der Wirtschaftsuniversität Wien griff diese
Thematik auf und diskutierte die Altersvorsorge im internationalen
Vergleich. Vertreten waren etwa 100 Teilnehmer aus Politik und
Wirtschaft. In seinem Einstiegsreferat stellte Prof. Dr. Martin
Eling, Professor an der Universität St. Gallen, die Ergebnisse des
Melbourne Mercer Global Pension Index vor. Im internationalen
Vergleich sticht insbesondere die fehlende Nachhaltigkeit des
österreichischen Vorsorgesystems hervor. Die Einführung von
Automatismen, etwa die Anbindung von Rentenalter an die
Lebenserwartung, ist eine Möglichkeit, um die Nachhaltigkeit im
österreichischen Vorsorgesystem zu stärken.

Mag. Josef Bauernberger vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales
und Konsumentenschutz trat diesem mit der Aussage entgegen, dass das
öffentliche Pensionssystem durchaus langfristig – auch ohne
Automatismen – finanzierbar sei. Entscheidend für die
Finanzierbarkeit sei aber eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung der
über 50 Jährigen. Das betriebliche Gesundheitswesen und die Schaffung
altersadäquater Arbeitsplätze sind Voraussetzungen, um die Lücke
zwischen dem gesetzlichen Rentenalter und dem tatsächlichen
Renteneintrittsalter zu schliessen. Bauernberger sieht hier auch eine
Rolle für betriebliche und private Vorsorgesysteme. Diese können das
staatliche Vorsorgesystem aber nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

MMag. Peter Part, Bundesministerium für Finanzen, bis September
Vorsitzender der EU Arbeitsgruppe «Ageing and Fiscal Sustainability»,
beleuchtete anhand des EU Ageing Reports die Frage, was Österreich
vom Ausland lernen kann. Die demographische Alterung ist demnach eine
zentrale Herausforderung für die Finanzierung von Pensionen,
Gesundheit und Pflege nicht nur in Österreich, sondern in den meisten
EU Ländern. In den vergangenen Jahren wurden europaweit zahlreiche
Reformen im Pensionsbereich, insbesondere auch die Erhöhung des
Pensionsantrittsalters und die Einführung von
Nachhaltigkeitsmechanismen, durchgeführt. Zur Stärkung der
Nachhaltigkeit sind auch in Österreich in den nächsten Jahren
Reformen notwendig. In dem Zusammenhang richtet auch die EU konkrete
Empfehlungen an Österreich, etwa die Anbindung des gesetzlichen
Pensionsalters an die Entwicklung der Lebenserwartung und die
raschere Harmonisierung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters von
Frauen mit jenem der Männer.

Im Anschluss ging DI Manfred Rapf, Sprecher der Sektion
Lebensversicherung im Versicherungsverband, auf den Stellenwert der
kapitalgedeckten Vorsorge ein. Diese führt seiner Aussage nach in
Österreich noch ein stiefmütterliches Dasein. Sie kann allerdings ein
wichtiger Baustein werden, um den zunehmenden Finanzierungsdruck vom
staatlichen Vorsorgesystem zu nehmen. Gefragt ist der politische
Wille aller Beteiligten, um ein Konzept für ein integriertes
Drei-Säulen-Zukunftsmodell fernab von ideologischen Debatten zu
erarbeiten. Die kapitalgedeckte Vorsorge kann somit helfen, die mit
dem demographischen Wandel zu erwartende Versorgungslücke zu
schließen.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Dr. Georg
Wailand wurde die Frage diskutiert, wie ein nachhaltiges
Zukunftsmodell für Österreich aussehen kann. Dr. Ulrich Schuh,
Forschungsvorstand bei ECO Austria, stellte die immer noch
vorhandenen Fehlanreize für Frühverrentung und die mangelnde
Generationensolidariät in Frage. Es herrschte Einigkeit, dass eine
Ergänzung des umlagefinanzierten staatlichen Vorsorgesystems um eine
kapitalgedeckte Vorsorge sinnvoll ist. Auch die Stärkung der
Arbeitsmarktfähigkeit älterer Arbeitnehmer ist ein enorm wichtiges
Element. Insofern ist eine nachhaltige Altersvorsorge möglich, die
Stellhebel sind bekannt. Der Ball liegt damit bei der Politik und den
Sozialpartnern diese Stellhebel in Angriff zu nehmen.

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