Presserat: Reportage auf „profil.at“ diskriminiert FPÖ-Sympathisanten

Bezeichnung als "hässlichste Menschen Wiens" diskriminierend

Wien (OTS) - Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich mit dem Artikel „Hilfe für Flüchtlinge: Meine Freundin weint“, erschienen am 06.9.2015 auf „profil.at“. Der Artikel verstößt nach Meinung des Senats gegen Punkt 7 des Ehrenkodex für die österreichische Presse, der vor Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung schützt.

In dem Artikel geht es um die große Zahl von Flüchtlingen, die von Ungarn nach Österreich kamen und weiter nach Deutschland reisten. Kurz wird aber auch eine Parteiveranstaltung der FPÖ am Viktor-Adler-Markt in Wien erwähnt, auf der auch H.C. Strache gesprochen hat. Über die FPÖ-Sympathisanten, die an dieser Veranstaltung teilgenommen haben, wird geschrieben: „Es ist zum Heulen: die Menschen, die ihm zukreischen und wie sie aussehen. Es sind die hässlichsten Menschen Wiens, ungestalte unförmige Leiber, strohige, stumpfe Haare, ohne Schnitt, ungepflegt, Glitzer-T-Shirts, die spannen, Trainingshosen, Leggins. Pickelhaut. Schlechte Zähne, ausgeleierte Schuhe. Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sind ein schönerer Menschenschlag. Und jünger.“

Mehrere Leserinnen und Leser haben sich an den Presserat gewandt und diese Art der Beschreibung von FPÖ-Sympathisanten kritisiert.

In der oben wiedergegebenen Passage werden nach Meinung des Senats Menschen (die Teilnehmer an der Veranstaltung der FPÖ) pauschal als die „hässlichsten Menschen Wiens“ bezeichnet und es werden ihnen weitere, detailliert beschriebene Eigenschaften zugeschrieben. Eine derartig intensive, pauschale Häufung negativer Attribute ist für sich betrachtet eine eindeutige Diskriminierung dieser Menschen. Dabei kommt es nach Ansicht des Senates nicht darauf an – wie von der Medieninhaberin von „profil.at“ vorgebracht wurde – ob die Verfasserin des Artikels damit nur einen „subjektiven Eindruck“ schildern wollte, was in der Passage im Übrigen auch nicht zum Ausdruck kommt.
Der Senat fordert die betroffene Medieninhaberin auf, die vorliegende Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND VON MITTEILUNGEN MEHRERER LESERINNEN UND LESERN
Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.
Im vorliegenden Fall führt der Senat 1 des Presserats aufgrund von Mitteilungen mehrerer Leserinnen und Leser ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund von Mitteilungen). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht.
Die Medieninhaberinnen von „profil.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht.

Rückfragen & Kontakt:

Alexander Warzilek, GF, 01/23 699 84 - 01

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OPR0001