Ex-Kanzler Vranitzky: Wirtschaftsstandort Österreich durch Innovation stärken

Schumpeter Gesellschaft brachte Entscheidungsträger in Palais Rothschild der Schoellerbank zusammen

Wien (OTS) - Gestern fand in der Schoellerbank in Wien im Palais Rothschild ein Joseph Schumpeter Symposium statt. Unter dem Motto „Braucht Österreich neue Unternehmer?“ diskutierten prominente Entscheidungsträger, Wirtschaftskapitäne, Fachleute und Investoren zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Österreich. Dabei stand der Begriff der „Innovation“, der durch den österreichischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter (1883-1950) maßgeblich geprägt wurde, im Mittelpunkt der Diskussionen. Die Teilnehmer erörterten die Wichtigkeit und die Herausforderungen für Innovation und Unternehmertum in Österreich. Gastgeber war der Präsident der Schumpeter Gesellschaft, Bundeskanzler a.D. Franz Vranitzky.

Vranitzky: „Für den Wirtschaftsstandort Österreich und im Interesse des Landes ist Innovation grundlegend wichtig.“

„Für den Wirtschaftsstandort Österreich und im Interesse des Landes ist Innovation grundlegend wichtig. Von Innovation spricht man nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik und in der Wissenschaft. Das Keynote- und Diskussionsforum setzt sich daher im Sinne der Schumpeter Gesellschaft aus einer besonderen Auswahl an Personen, die konkreten Einfluss auf ihren Wirkungskreis – volkswirtschaftlich, betriebswirtschaftlich, politisch – ausüben können“, sagte Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, Präsident der Schumpeter Gesellschaft.

Ex-Kanzler Vranitzky fordert von der Politik mehr Aktion

Vranitzky fordert daher von der Politik mehr Aktion: „In einer Zeit, in der sich die meisten Länder der Eurozone – ich klammere die Flüchtlingsproblematik aus – in so mancher Hinsicht als ermüdet präsentieren: Die Konjunktur schleppt sich mühsam dahin, die politischen Verantwortungsträger widmen sich – auch nicht gerade lebhaft – lange bekannten Parolen und Überschriften, ohne sie mit energischen Umsetzungsschritten anzureichern. Eine gar nicht so kleine Anzahl von Bürgern ist von diesen Ermüdungserscheinungen offenbar angesteckt, zieht sich in Bezug auf Politik in Nullerwartung und Interesselosigkeit zurück und hört den lösungsleeren Phrasendreschern zu.“ Vranitzky ergänzt: „Dabei kann niemand behaupten, das intellektuelle und professionelle Hinterland sei leer gefegt.“

Vranitzky: „Mutige Schritte sind notwendig, ohne die Sozialpartner auf das historische Abstellgleis zu stellen.“

Im Sinne des österreichischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter, der den Begriff der Innovation maßgeblich geprägt hat, seien Innovationen und „mutige Schritte“ notwendig. Ex-Kanzler Vranitzky: „Alles in allem sollten im Sinn Schumpeters umfassend definierte mutige Schritte in die neue, die nächste Zukunft (Stichwort Industrie 4.0) gegangen werden und es müssen durch verantwortungsvolle und qualifizierte Kommunikation mit den Bürgern diese Wege gemeinsam gegangen werden, um dem oft beschworenen Vertrauensverlust der Bürger, der Unternehmer, der Sozialpartner, ja eines ganzen Landes in die Zukunft gezielt und überzeugend abzubauen.“ Dabei sieht er nach wie vor eine wichtige Rolle für die Sozialpartnerschaft: „Die Sozialpartnerschaft wurde vor Jahren als Nebenregierung glorifiziert. Sie war es nie. Sie jetzt aber durch parteipolitische Brille gesehen auf das historische Abstellgleis stellen zu wollen, wäre der Verzicht auf Partner der Innovation, so fern liegend das im Augenblick erscheinen mag, aber woran eben gearbeitet werden muss“, ergänzt der Ex-Kanzler.

Vranitzky: „Bankenbashing ist ein kontraproduktiver Luxus der Politik“

Ex-Kanzler Vranitzky äußerst sich kritisch über aktuelle Meinungslagen in der öffentlichen Meinung: „Das Bankenbashing ist ein kontraproduktiver Luxus der Politik. Finanzinstitute sind integrierender Bestandteil einer funktionierenden Volkswirtschaft. Das gilt auch und trotz der bekannten Verwerfungen in dem einen oder anderen katastrophalen Fall.“

„Die Wirtschaft braucht mehr Dynamik, indem Innovationen in den Mittelpunkt gestellt werden.“

Herbert Matis, der wissenschaftliche Leiter des Symposiums, verweist auf die Notwendigkeit einer „Dynamik des ökonomischen Prozesses“: „Es kommt nicht darauf an, das Bestehende zu verwalten, sondern wir müssen dem ökonomischen Prozess eine Dynamik verleihen, indem Innovationen in den Mittelpunkt gestellt werden. Dabei gilt es, nicht nur auf die Wirtschaft fixiert zu sein, sondern auch auf Personen, die Widerstände überwinden, Neues durchsetzen und schöpferische Zerstörung realisieren.“ Matis ergänzt: "Die Frage, die sich stellt, ist nicht, ob wir neue Unternehmer brauchen, sondern vielmehr: Welche Rahmenbedingungen schaffen wir, damit neue Unternehmer eine Chance haben?" Derzeit stehe politisch die Verteilungsfrage im Vordergrund. Matis: „Das präjudiziert Arbeitslosigkeit. Das gibt jungen Menschen keine Chancen. Wir brauchen andere Signale.“

Hochkarätige Diskussionsteilnehmer und Gäste aus Wirtschaft und Politik

Teilnehmer des Symposiums waren neben Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D. und Präsident der Schumpeter Gesellschaft, Wolfgang Eder, Vorsitzender des Vorstandes der voestalpine, Monika Kircher, Vorsitzende des Ausschusses für Forschung, Technologie und Innovation der Industriellenvereinigung, Harald Mahrer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Herbert Matis, Univ. Prof. und Mitglied des Vorstandes der Schumpeter Gesellschaft und Robert Zadrazil, Mitglied des Vorstandes der Bank Austria. Die Begrüßung nahm Franz Witt-Dörring, Vorsitzender des Vorstandes der Schoellerbank, vor. Unter den prominenten Gästen nahmen neben zahlreichen prominenten Gästen aus Wirtschaft und Politik Dieter Stiefel, Vorsitzender des Vorstandes der Schumpeter Gesellschaft, Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), und Stephan Maxonus, Managing Director Schoellerbank, teil.

Die Schumpeter Gesellschaft

Die Schumpeter Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gesetzt, innovative Leistungen auf den Gebieten der Wirtschaft, der Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftspolitik im Sinne der Ideen des Ökonomen Joseph A. Schumpeter (1883-1950) zu fördern. Die Schumpeter Gesellschaft vergibt den renommierten internationalen Schumpeter Preis. Der aus Mitteln des „Helmut-Zilk-Fonds für Internationale Beziehungen Wiens“ der Bank Austria gestiftete Schumpeter-Preis wird jährlich auf Vorschlag der Schumpeter Gesellschaft vergeben.

Pressefotos können unter www.schumpeter-gesellschaft.at heruntergeladen werden.

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