Funkhausverkauf

Wien (OTS) - Wirtschaftsprüfer Robol: ORF argumentiert Radio-Absiedlung aus dem Funkhaus mit „weltfremden und absurden“ Berechnungen

In unserem offenen Brief an den ORF-Stiftungsrat sowie Medienminister Josef Ostermayer von vergangener Woche – gemeinsam mit Karl Markovics und vielen Prominenten aus Kultur und Wissenschaft sowie dem Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister – haben wir erklärt:
Die Behauptung einer Kostenersparnis durch den Verkauf des Funkhauses und die Absiedlung der Radios beruht auf „hingebogenen“ Zahlen, auf unsinnigen Annahmen.

Daraufhin wurde uns von der ORF-Geschäftsführung unterstellt, wir würden „Halb- und Unwahrheiten“ verbreiten. Dies weisen wir zurück.

Unsere Analyse bezieht sich auf jenes „interne Papier“, auf dessen Grundlage im März 2014 der Verkauf des Funkhauses beschlossen wurde. Auf Basis eines derart mangelhaften Papiers hätte ein Aufsichtsrat keinesfalls eine Entscheidung von solcher Tragweite treffen sollen.

ORF-internes Papier hält professioneller Bewertung nicht stand

Wesentliche Grundlage für die betriebswirtschaftliche Rechtfertigung der Zentralisierung auf dem Küniglberg ist ein Kosteneinsparungspotential, das gegenüber dem heutigen Status Quo bis ins Jahr 2041 (!) auf mehr als € 150 Mio. geschätzt wird. Welche Kosten hier miteinander verglichen werden, ist aus dem Papier überhaupt nicht nachvollziehbar. Trotzdem geht der ORF von einem sogenannten Normaljahr aus – jenem Jahr, in dem die Zentralisierung am Küniglberg abgeschlossen sein soll (geplant: 2021). Der ORF gibt hier eine Kostenersparnis von rund € 10 Mio. an.

Derartige Prognosen beinhalten erhebliche Realisationsrisiken.
Denn dass im Jahre 2021 die technischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse noch so sind wie heute, ist nicht sehr wahrscheinlich. In den prognostizierten Einsparungen von € 10 Mio. sind pauschal Synergieeffekte von ca. € 5 Mio. ohne jeglichen detaillierten Nachweis angeführt.

Zusammengefasst ergibt sich, dass die Wahrscheinlichkeit von Kosteneinsparungen im Jahre 2021 wenn überhaupt nur sehr gering ist. Mit großer Sicherheit jedoch nicht € 10 Millionen. Es sei denn, man holt sie sich über weitere Personalkürzungen. Was jedoch laufend dementiert wird.

Wahrscheinlichkeit für Einsparungen gering. Groteskes Rechenmodell

--- Um das Einsparungspotential ab dem Jahr 2021 von heute aus zu bewerten, trifft die interne Berechnung zwei weitere schwer nachvollziehbare Annahmen.

  • Das Einsparungspotential bleibt lt. Annahme unverändert über die nächsten 20 Jahre bis ins Jahr 2041 (!)
  • Für die Ermittlung des Wertes der künftigen Kosteneinsparungen werden diese mit 3 % abgezinst.

Beide Annahmen sind so weltfremd, dass auch „absurd“ oder „grotesk“ noch harmlose Formulierungen dafür sind.

Wie können gerade 20 Jahre sachlich begründet werden? Wie können konstante 10 Mio. sachlich begründet werden?

In dieser wirtschaftlich unsicheren Zeit ist von einem konstanten Zinsniveau nicht auszugehen. Genau das tut das interne Papier aber! Wir können uns keinen anerkannten Experten vorstellen, der eine solche Annahme gutachterlich bestätigt hätte.

Der momentane Zinssatz liegt bei 0% - inklusive Risikoaufschlag sind das 3%. Sollte der Basiszinssatz auf 3 % steigen und man rechnet wieder einen Risikoaufschlag von 3 % dazu, kämen wir auf einen Zinssatz von 6%. Dies würde einen wesentlich niedrigeren Barwert der Kostenersparnisse ergeben als im Papier angenommen.

ORF möge Detailberechnungen vorlegen

Wir haben wiederholt betont, dass uns Gutachten bzw. interne Detailberechnungen nicht vorliegen und daher unsere Stellungnahmen möglicherweise unvollständig sein können. Daher ersuchen wir auch im Interesse der GebührenzahlerInnen um Vorlage von Gutachten und Detailberechnungen.

Bietergenossenschaft im öffentlichen Interesse

Wir haben in einer internen Besprechung mit Vertretern des Stiftungsrates und der Direktion als Bietergenossenschaft für das Funkhaus 60 Millionen € als Anbot in den Raum gestellt.

Jetzt kommt das Funkhaus zu einem Mindestgebot von 18 Mio. auf den Markt. Das ist weniger, als der ORF für den Song Contest 2015 angesetzt hat!

Wir als stetig wachsende Bietergemeinschaft werden in den Bieterprozess einsteigen.

Rückfragen & Kontakt:

Günther Robol, Wirtschaftsprüfer,
ehemals Vorstandsvorsitzender Price Waterhouse ( 0650 7538877)
Christoph Robol, Leiter RSR Managament GmbH. (0664 73122696)

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