- 29.10.2015, 10:42:42
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Bünker, Hennefeld, Pöll: Stacheldraht-Zäune sind aus christlicher Sicht grundsätzlich abzulehnen
Im Vorfeld des Reformationstages treten die Spitzen der Evangelischen Kirchen für eine weitere und verstärkte Unterstützung für Menschen auf der Flucht ein
Utl.: Im Vorfeld des Reformationstages treten die Spitzen der
Evangelischen Kirchen für eine weitere und verstärkte
Unterstützung für Menschen auf der Flucht ein =
Wien (OTS) - "Die Errichtung von stacheldrahtbewehrten Zäunen und
Mauern und die Rede von einer 'Festung Europa' führen angesichts der
konkreten Not in die Irre und sind daher aus christlicher Sicht
grundsätzlich abzulehnen", betonen die Spitzen der drei Evangelischen
Kirchen, der lutherische Bischof Michael Bünker, der reformierte
Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der methodistische
Superintendent Lothar Pöll, in einer gemeinsamen Erklärung zum
Reformationstag 2015. Das Recht auf Asyl sei ein verbürgtes Recht, zu
dem sich die Länder Europas verpflichtet haben. Dem kriminellen
Schlepperunwesen könne nur dann der Boden weggezogen werden, wenn es
rasch legale Wege nach Europa gebe.
Die Bewältigung der Flüchtlingsströme erfordere ein "solidarisches
und faires Miteinander" der EU-Staaten. Zudem sei es notwendig, bei
den Ursachen der derzeitigen Fluchtbewegungen anzusetzen und vor
allem den Bürgerkrieg in Syrien sowie andere aktuelle Konfliktherde
mit wirksamen politischen und gewaltfreien Mitteln zu bekämpfen.
Jetzt gehe es darum, für die Menschen, die in Österreich um Asyl
angesucht haben, geeignete Quartiere für die kalte Jahreszeit zu
finden. Hier sei Österreich immer noch säumig. Bünker, Hennefeld und
Pöll ersuchen in der Erklärung "alle Gemeinden und Einrichtungen
unserer Kirche, aber auch alle Einzelpersonen, die sich dazu in der
Lage sehen", Quartiere zur Verfügung zu stellen und Menschen, die
fliehen mussten, weiter und verstärkt "menschenwürdig" aufzunehmen.
Der Umgang mit den Menschen auf der Flucht sei "eine Nagelprobe für
unseren Glauben", schreiben die Spitzen der drei Kirchen und erinnern
an die Bedeutung, die den Fremden und Menschen auf der Flucht in der
Bibel zukommt.
Die Feier zum Gedenken der Reformation stehe in Österreich und ganz
Europa unter dem Eindruck der Flüchtlingssituation. "Die Schicksale
der Frauen, Männer und Kinder werden uns täglich durch die
Nachrichten vor Augen gestellt. All das kann niemanden gleichgültig
lassen. Trauer und Mitleid erfüllen uns." Der Bischof, der
Landessuperintendent und der Superintendent zeigen sich in der
gemeinsamen Erklärung dankbar für die Welle der Hilfsbereitschaft und
Solidarität in Österreich. "Wir sind uns bewusst, dass die
gastfreundliche Aufnahme von Menschen, die Hilfe und Schutz suchen,
ein zentrales christliches Gebot ist. Dankbar sehen wir den großen
Einsatz der christlichen Kirchen, Hilfsorganisationen und Gemeinden
für Menschen auf der Flucht. Wir können froh und stolz sein auf den
Flüchtlingsdienst unserer Diakonie, der - gemeinsam mit anderen
Hilfsorganisationen - großartige Arbeit leistet, die unsere
Unterstützung verdient. Gleichzeitig bitten wir, diesen Einsatz nicht
aufzugeben, sondern angesichts der andauernden Not, wo immer es
möglich ist, noch zu verstärken."
Gleichzeitig rufen Bünker, Hennefeld und Pöll dazu auf, "allen
vereinfachenden Parolen und vor allem jeder Hetze gegen Asylsuchende
entschieden entgegenzutreten". An die Regierung appellieren die
Spitzen der drei Evangelischen Kirchen, vom "Kurs der Menschlichkeit"
nicht abzurücken und gleichzeitig europäische Solidarität
einzufordern. An die Verantwortlichen in den Gemeinden richten
Bünker, Hennefeld und Pöll die Bitte: "Öffnet eure Herzen und Hände.
Seht nicht tatenlos zu. Wir sind uns sicher: Unsere Enkel werden uns
fragen: Was hast du gewusst? Was hast du getan? Gott gebe, dass wir
eine Antwort mit gutem Gewissen geben können."
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