• 21.10.2015, 10:00:01
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BELVEDERE: Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen

Wien (OTS) - Am Anfang des 20. Jahrhunderts stellten weitreichende
gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen die
traditionellen Geschlechterrollen infrage. Das relativ freimütige
Bekenntnis zur sexuellen Lust auf männlicher und weiblicher Seite
versetzte die österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in
Aufruhr. Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka näherten sich
der damals allgemein als "Frauenfrage" bezeichneten Thematik jeweils
auf eigene Art und Weise, wobei es auch zu Überschneidungen kam. Die
Ausstellung "Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen" die vom 22.
Oktober 2015 bis zum 28. Februar 2016 im Unteren Belvedere zu sehen
ist, geht diesen Unterschieden und Gemeinsamkeiten auf den Grund und
liefert dabei neue Einblicke in die Geschlechterbeziehungen des
frühen 20. Jahrhunderts sowie in die Ursprünge der modernen sexuellen
Identität. Kuratorin Jane Kallir gliedert die Schau in vier
Hauptthemen: Porträt, (Liebes-)Paar, Mutter und Kind sowie Akt.

"Das Thema Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen wirft ein Licht auf
beide Seiten der Wiener Gesellschaft, auch die jenseits der
Salonkultur des Großbürgertums. Immer mehr bürgerliche Frauen und vor
allem die Frauen des Industrieproletariats opponierten und
organisierten sich in der Frauenbewegung. Ihnen lag nicht nur daran,
die männlich dominierte Erziehung, die rein repräsentative Tätigkeit
als Ehefrau und die sinnentleerten Konventionen zu überdenken, sie
forderten ganz konkret ihre Rechte ein und insistierten auf einer
Umwertung und Neuordnung der Geschlechterrollen", so Agnes
Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere und des 21er Haus.

Gustav Klimts kostbare, elegante und in leuchtenden Farben
ausgeführte Porträts fanden bei den Damen der Wiener Gesellschaft
großen Anklang. Doch die individuelle Persönlichkeit der
Dargestellten ließ der Künstler beinahe vollkommen zurücktreten.
Schiele und Kokoschka kehrten diese dekorative Formel um, indem sie
ihre Modelle in eine bildnerische Leere stießen. Damit erzwangen sie
eine Konfrontation mit existenziellen Ängsten, die hinter Klimts
"Horror Vacui" verborgen geblieben war.

"Gustav Klimts Prägung als Mensch und als Künstler liegt in diesem
Zeitgeist begründet. Klimt bewegte sich inmitten dieser Sphäre und
reagierte mit seiner Kunst vor allem auf die allgegenwärtige
Diskussion über das ‚Rätsel Frau‘, das er ab etwa 1900 zum Fixpunkt
seines Schaffens machte. Seine Kunst konzentrierte sich fortan
gänzlich auf das weibliche Geschlecht, allerdings auf
unterschiedliche Weisen", so Alfred Weidinger, Kurator und
Vizedirektor des Belvedere.

Während Klimt in seinen Liebespaardarstellungen den Inhalt auf eine
allegorische Ebene hob, ließen die beiden Expressionisten persönliche
Erfahrungen in ihr Schaffen mit einfließen. Tatsächlich sind
Evokationen glücklos verlaufender Beziehungen bei Schiele und
Kokoschka oft emotional überzeugender als ihre Darstellungen
idealisierter, glücklicher Liebender. Da Mann und Frau damals als
Gegensatz verstanden wurden, konnte keine reibungslose Vereinigung
der beiden stattfinden.

"Das intellektuelle Wien des Fin de Siècle war von der weiblichen
Sexualität geradezu besessen. Diese Obsession spiegelte sich auch im
Werk so unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Sigmund Freud und
Gustav Klimt, Otto Weininger und Oskar Kokoschka, Arthur Schnitzler
und Egon Schiele wider. Vor allem Schieles Darstellungen von Frauen
waren es aber, die als besonders anstößig erachtet wurden",
beschreibt die New Yorker Galeristin und Kuratorin Jane Kallir die
gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Bei den weiblichen Aktdarstellungen der westlichen Kunst bestand das
Ziel traditionell darin, die der Frau innewohnende Erotik durch einen
Prozess der Ordnung und der Idealisierung zu unterdrücken. Die Akte
von Schiele und Kokoschka, aber auch jene von Klimt verschleiern eine
unterschwellige männliche Angst. Man kann Klimt, Schiele und
Kokoschka sicherlich nicht als Feministen bezeichnen,
nichtsdestotrotz griffen sie die sogenannten "Frauenfrage" in ihrer
künstlerischen Arbeit auf.

Die Ausstellung "Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen" ist von 22.
Oktober 2015 bis 28. Februar 2016 im Unteren Belvedere zu sehen.

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