• 17.10.2015, 10:42:45
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Schönborn: Bischofssynode muss missionarischen Geist fördern

Wiener Erzbischof Hauptredner bei Festakt im Vatikan zum Jubiläum "50 Jahre Bischofssynode" - Bischofssynode ist Ort der Umsetzung und Interpretation des Konzils - Plädoyer für offene Rede, persönliches Zeugnis und demütiges Zuhören

Utl.: Wiener Erzbischof Hauptredner bei Festakt im Vatikan zum
Jubiläum "50 Jahre Bischofssynode" - Bischofssynode ist Ort
der Umsetzung und Interpretation des Konzils - Plädoyer für
offene Rede, persönliches Zeugnis und demütiges Zuhören =

Vatikanstadt/Wien (KAP) - "Der Erfolg der Institution
'Bischofssynode' ist vor allem daran zu messen, ob sie das Leben der
Kirche und seinen missionarischen Geist fördert." Das betonte
Kardinal Schönborn als Hauptredner beim Festakt zum 50-Jahr-Jubiläum
der Bischofssynode am Samstag im Vatikan. Im Beisein von Papst
Franziskus und den Synodenvätern beschrieb der Wiener Erzbischof die
Bischofsynode als "privilegierten Ort der Interpretation und
Umsetzung des Konzils". Dabei gelte es am Jerusalemer Apostelkonzil
Maß zu nehmen: "Reden wir weniger abstrakt und distanziert", so der
Wunsch des Kardinals an die Teilnehmer der seit zwei Wochen tagenden
Familiensynode. Es gehe vielmehr darum, einander konkret ein Zeugnis
vom Wirken Gottes zu geben, um schließlich gemeinsam ein Urteil über
den Willen Gottes zu bilden.

Der Rede Kardinal Schönborns, der auf Wunsch von Papst Franziskus den
Festvortrag hielt, folgten Ansprachen von Vertretern aller
Kontinente. Für Europa ergriff der Erzbischof von Westminster,
Kardinal Vincent Gerald Nichols, das Wort. Der Festakt ist ein
Höhepunkt während der ordentlichen Versammlung der Bischofssynode
über Ehe und Familie statt. Mit der Einrichtung der Bischofssynode
hatte Papst Paul VI. (1963-78) eine Idee der Konzilsväter
aufgegriffen und diese noch während des Zweiten Vatikanischen Konzils
realisiert. Offiziell geschah dies am 15. September 1965, unmittelbar
nach Eröffnung der vierten und letzten Sitzungsperiode des Konzils
mit dem Motu Proprio "Apostolica sollicitudo".

Das große, weltweite Interesse, das die laufende Synode ausgelöst
habe, zeige, "wie lebendig die Institution der Bischofssynode auch
nach fünfzig Jahren ist", hielt Kardinal Schönborn fest.
Bischofssynode und Konzil seien "untrennbar verbunden", nicht nur
wegen der Gründung vor 50 Jahren, sondern vor allem deswegen, weil
die Synode ein Ort der Interpretation und Umsetzung "der vom Konzil
gewollten Reformen" ist. Als berechtigt wertete Schönborn die in der
Vergangenheit immer wieder vorgebrachte Kritik an der Arbeitsmethode
der Synode. Vor diesem Hintergrund seien die methodischen
Erneuerungen unter Benedikt XVI. und Franziskus positiv und "dankbar"
zu vermerken.

Apostelkonzil als methodisches Vorbild

Ausführlich ging der Wiener Erzbischof auf die Frage nach der
richtigen Methode für die Bischofssynode ein. Dabei gehe es um ihre
Funktion als eine Institution der bischöflichen Kollegialität "cum et
sub Petro" ("mit und unter Petrus") in der Verantwortung für die
Kirche und als Beratungsorgan des Papstes. Schönborn plädierte dafür,
das neutestamentliche Apostelkonzil von Jerusalem als "Modell für die
synodale Methode" zu nehmen. Diese "erste Synode", bei der es "ums
Ganze des christlichen Weges", ging, "war so erfolgreich, dass wir
heute noch von ihren Früchten leben". Der damalige Konflikt wurde
"offen benannt und offen ausgetragen". Eine Parallele dazu ortete
Schönborn im Blick auf die aktuelle Situation und sagte: "Papst
Franziskus ermutigt uns, die Auseinandersetzungen nicht zu fürchten,
sie als die treibende Kraft zu leben, die die Unterscheidung der
Geister reifen lässt."

Beim Apostelkonzil habe man einander zwar nicht theologische
Gutachten vorgelegt, dennoch sei die "theologische Debatte der
letzten Monate ein wichtiger Beitrag zum Weg der Synode" gewesen,
konstatierte der Kardinal. Gleichzeitig sei die Debatte aber
"bisweilen auch mit einiger Verbissenheit, ja Verbitterung und nicht
immer im Geist des Aufeinander-Hörens" geführt worden, merkte
Schönborn kritisch an. Von daher riet er, sich wieder mehr an der
Methode der Urkirche zu orientieren. Dabei seien das persönliche
Zeugnis und das Erzählen über das, was man als "Wirken Gottes
erfahren hat", im Vordergrund gestanden. Diese sei dann von allen
vorerst schweigend angenommen worden. "Es wird nicht gleich
diskutiert, sondern gehört und im Herzen aufgenommen", so Schönborn.
Schließlich habe die Versammlung im Hören auf die heilige Schrift und
die persönliche Erfahrung den Weg und den Willen Gottes erkannt.

Im Blick auf die laufende Versammlung gab der Vorsitzende der
Österreichischen Bischofskonferenz zwei Empfehlungen: Die Bischöfe
als Mitglieder der Synode sollten sich nicht wie Repräsentanten
ähnlich Abgeordneten im Parlament sehen, weil der "Glaube nicht
repräsentiert, sondern nur bezeugt" werden könne. "Reden wir weniger
abstrakt und distanziert. Bezeugen wir einander, was der Herr uns
zeigt und wie wir sein Wirken erfahren." Und Einigkeit brauche es
beim Ziel des intensiven Ringens innerhalb der Synode: "Auch dort wo
abgestimmt wird, geht es nicht um Machtkämpfe", sondern um eine
gemeinschaftlichen Prozess zur Bildung eines Urteils.

"Im Ende kommt, so hoffen wir, nicht ein politischer Kompromiss
heraus, auf einem niedrigen gemeinsamen Nenner, sondern dieser
'Mehr-Wert', den der Heilige Geist schenkt", sagte Kardinal
Schönborn. Letztlich gehe es bei der Reform der Strukturen, die für
die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, um eine "Haltung des
Aufbruchs" und darum, "dass alle missionarischer werden", so der
Kardinal unter Bezugnahme auf Papst Franziskus.

Der Wortlaut der Rede sowie zahlreiche weitere Meldungen und
Hintergründe zur "Familiensynode" im Kathpress-Themenpaket unter
www.kathpress.at/synode

((ende)) PWU/GUT
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