„Menschen & Mächte“-Zweiteiler „Die Macht der Bilder“ im Rahmen von „Great Moments – 60 Jahre Fernsehen in Österreich“

Die Geschichte des Mediums Fernsehen am 15. Oktober ab 21.00 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Zum Auftakt des trimedialen Programmschwerpunkts "Great Moments" (Infos unter presse.ORF.at) dokumentiert der "Menschen & Mächte"-Zweiteiler "Die Macht der Bilder" am Donnerstag, dem 15. Oktober 2015, ab 21.00 Uhr in ORF 2 bzw. am Sonntag, dem 25. Oktober, ab 11.00 Uhr in 3sat die Geschichte des Mediums Fernsehen: 60 Jahre Fernsehen - das ist die Geschichte von stetig beschleunigter Information, aber auch eine Geschichte über die Magie der Bilder. Das Fernsehen wird zum elektronischen Bilderbuch, zum öffentlichen Auge, das im Laufe der Jahrzehnte in alle Lebenswelten und Lebensbereiche vorzudringen beginnt, Tabuzonen bricht, aber auch den Informationsbegriff stetig erweitert. Zudem ist "60 Jahre Fernsehen" auch ein wichtiges Stück österreichische Kulturgeschichte.

"Die Macht der Bilder" - Teil 1: 15. Oktober, 21.00 Uhr, ORF 2 und 25. Oktober, 11.00 Uhr, 3sat

Im ersten Teil zeichnet Andreas Novak den Weg des Fernsehens vom Minderheitenprogramm zum Massenmedium nach, die Geschichte eines immer facettenreicheren und stetig erweiterten Blicks auf Menschen, Politik, Kulturen, Alltag und Gesellschaft. Erstmals werden auch Ausschnitte aus jenem Film gezeigt, der am 1. August 1955 auf dem Programm stand: "Wie die Jungen sungen" - eine von den französischen Besatzern produzierte Spieldokumentation über das Lycée Français. Ein Film über Toleranz und Völkerverständigung. Der erste Teil der zweiteiligen "Menschen & Mächte"-Dokumentation behandelt die Jahre von 1955 bis 1986, begleitet von den Erinnerungen und Anekdoten von TV-Pionieren wie etwa Franziska Kalmar, Georg Skalar, Sylvia Dönch, Teddy Podgorski, Otto Schenk oder Felix Dvorak.

In seinen Anfängen ist das Fernsehen ein bestaunter "Wunderkasten". Die Lieferung eines TV-Geräts gleicht 1955 einer Sensation. Es ist die Magie des Neuen, des Ungewohnten, die begeistert. Das Medium ist noch unverbraucht, es wird als Gruppenerlebnis konsumiert und bringt die Leute zusammen. Im Gegensatz zum Kino kommt die Welt nun nach Hause, dabei kann man tratschen, trinken, staunen und essen. Trotz vieler technischer Kinderkrankheiten steigt die Popularität des "Patschenkinos" rasant, dafür sorgen die ersten TV-Stars wie etwa Heinz Conrads, Karl Farkas oder Otto König. Ein Unterhaltungsmedium, das sich rasch verbreitet, findet schnell die Aufmerksamkeit der Politik. So werden die Fernsehnachrichten ebenso schnell zum großkoalitionären Verlautbarungsorgan. Belang statt Information, bis 1967. Das von Hugo Portisch initiierte Rundfunkvolksbegehren gegen den Parteien-Proporz unterschreiben mehr als 832 000 Österreicherinnen und Österreicher.

Gerd Bacher, der erste Generalintendant des ORF, befreit Fernsehen und Radio vom Klammergriff der Parteien. Bacher beseitigt den Informationsnotstand der Bürgerinnen und Bürger. Das Fernsehen wird zum nationalen, kulturellen und regionalen Identitätsstifter, zum politischen Aufklärer und Volksbildner. Viele neue Sendungen spiegeln den Wandel von Zeitgeist und gesellschaftlicher Entwicklung, werden zu Indikatoren für die Veränderung von Wertesystemen, auch in der politischen Kommunikation. Das Fernsehen und seine rezeptionspsychologischen Mechanismen sollten die Vermarktung von Politik in den 1970er und 1980er Jahren wesentlich verändern, Kameras und Studios werden zu Röntgengeräten für politische Professionalität.

60 Jahre Fernsehen - das ist auch eine Geschichte über die Magie der Bilder, die Geschichte eines öffentlichen Auges, das konzentrischen Kreisen gleich in alle Lebensbereiche vorzudringen beginnt, ein elektronisches Spiegelbild der Gesellschaft und ihrer Wandlung zur Mediengesellschaft. Stetig erweitert wird auch der Informationsbegriff, ausgedehnt auf die Bereiche Service, Konsumentenschutz, Lebenshilfe. Das Fernsehen als Bürgeranwalt und Humanitarian Broadcaster. Nach 60 Jahren ist das Fernsehen selbst ein Teil der Nationalgeschichte geworden, aber auch Bestandteil der Demokratisierungsgeschichte von Information.

"Die Macht der Bilder" - Teil 2: 15. Oktober, 22.30 Uhr, ORF 2 und 25. Oktober, 11.55 Uhr, 3sat

"Alles wird schneller! Die Bilder fliegen vorbei: zack, zack, zack!", meint die ehemalige TV-Sprecherin Chris Lohner. Die zweiten 30 Jahre Fernsehgeschichte sind eine Geschichte immer rasanterer und schnellerer Bilderflut und telemedialer Innovationen: von analoger zu digitaler Technik, von nationalem Programm zu internationalem Content, vom ORF-Monopol zur Marktführerschaft. Robert Gokl, Edith Stohl und Andreas Novak analysieren im zweiten Teil des "Menschen & Mächte"-Zweiteilers "Die Macht der Bilder" die Geschichte des Fernsehens von der Mitte der 1980er Jahre bis in Gegenwart und Zukunft der globalen Mediengesellschaft.

Die Jahre 1955 bis 1990 waren die "goldene Ära" des ORF. "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf: "Man konnte senden, was man wollte. Millionen haben zugeschaut, weil sie keine Alternative hatten!" Von Programmerfolgen wie "Traumschiff" mit mehr als drei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern pro Folge bis hin zu ORF-Stars wie Horst Friedrich Mayer, Edith Klinger oder Kaplan August Paterno - es waren die letzten Jahre der monopolisierten österreichischen Fernsehwelt. Gerd Bacher gab angesichts steigender Konkurrenz ausländischer Sender in seiner letzten Amtsperiode bis 1995 die Devise aus: vom Monopol zum Marktführer. Diesem Postulat kommt die internationale Entwicklung entgegen. Stichwort: Öffnung. Politisch nach Osten durch den Fall des Eisernen Vorhangs, nach Westen durch den EU-Beitritt - beides über Jahre begleitet und analysiert in der innen- und außenpolitischen Berichterstattung des ORF - als elektronisches Fenster zu Europa und der Welt. Vom Zusammenbruch des Ostblocks bis zu den Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan oder dem Irak berichtete Fritz Orter von vielen Krisenherden: "Ich habe mich nie als Kriegsberichterstatter verstanden, sondern als Opfer-Berichterstatter!"

Aus der Feder von Mundl-Erfinder Ernst Hinterberger stammt das 1992 beginnende präzise Sezieren des Wiener Mikrokosmos Kaisermühlen mit prominenten österreichischen Schauspielern. 1994, in Gerd Bachers letztem Amtsjahr, gelingt mit einer vierbeinigen Kriminalschnüffelnase ein enormer Serienerfolg. Mit "Kommissar Rex" geht die Film- und TV-Karriere von Tobias Moretti steil bergauf. Gleichzeitig öffneten immer mehr Österreicherinnen und Österreicher ihre Wohnzimmer der internationalen Fernsehwelt - via Kabel und Satellit. Josef Broukal erinnert sich: "RTL ist den meisten Österreichern dadurch bekannt geworden, dass es einmal in der Woche in einer Show halbnackte Frauen zu sehen gab. Dem hatten wir nichts entgegenzusetzen." Immer mehr deutsche Sender strahlen über Kabel und Satellit herein. Bacher-Nachfolger Gerhard Zeiler reagierte 1995 auf diese Entwicklung mit der größten Programmreform seit 1967, die auch eine "Verösterreicherung" erfolgreicher deutscher Formate wie Talkshows brachte.

Von "Vera" über "Thema" und "Am Schauplatz" bis "Phettberg" und "kreuz und quer" - die Trendumkehr gelang. Unter Zeiler ist auch Schluss mit dem Sendeschluss, der ORF spielt 24 Stunden durch. Um das Medium zukunftsfit zu machen, soll es von der öffentlich-rechtlichen Anstalt zum öffentlich-rechtlichen Unternehmen mit multimedialer Ausrichtung werden. Gemäß dieser Absicht wird im Juli 1997 ORF-Online gestartet. 35 neue Sendungen, darunter etwa die Wiederbelebung des klassischen Reportageformats durch "Am Schauplatz" oder die neue Religionsdoku-Leiste "kreuz und quer". Eine damit einhergehende Schemareform soll klare Unterscheidbarkeit und Positionierung der beiden Kanäle bringen. Filme und Serien für Junge und Sport in ORF 1. Informationssendungen, Kultur und Wissenschaft in ORF 2 für älteres Publikum.

Unter Nachfolger Gerhard Weis wird "Taxi Orange" zum Erfolg - danach folgten Castingshows wie "Starmania", "Dancing Stars", "Helden von morgen" oder "Die große Chance". Fernsehen personalisiert, produziert Stars, entscheidet auch wesentlich über die Halbwertszeit ihrer Popularität. Siegen, verlieren, vergessen werden … Das Zukunftsmagazin "Modern Times" führte viele Österreicherinnen und Österreicher in die Welt des Internets ein; Zeitgeschichte-Schwerpunkte analysieren die Geschichte Österreichs von der Monarchie über Diktatur hin zur Demokratie; "Science Busters" verbinden Naturwissenschaft mit Humor; öffentlich-rechtliches Flaggschiff bleibt die Doku-Reihe "Universum". Der ehemalige ORF-Generalintendant Gerhard Weis: "Ich nenne das ‚meuchlings bilden‘! Das heißt, ohne dass die Zuschauer merken, dass ihnen jetzt Wissen vermittelt wird!"

Im Bereich der TV-Information liefert das zu Ende gehende Jahrtausend intensive Ereignisdichte: Kosovo-Krieg, Lassing, Galtür, Kaprun, der Jahrtausendersprung und 9/11. Der Terroranschlag in New York wird zum Live-Marathon. Die 1990er und 2000er Jahre prägen die Spindoktoren. Auch ehemals im ORF tätige Journalistinnen, Journalisten, Moderatorinnen und Moderatoren trainieren mit Frage-Antwort-Spielen und Auftrittsübungen nicht nur Politikerinnen und Politiker auf die Bedürfnisse der Mediengesellschaft. Intensiv bleiben über alle Jahrzehnte das Interesse der Parteien am ORF und ihre Versuche, Einfluss auf seine Berichterstattung zu nehmen - über alle Intendanten- und Direktoren-Bestellungen und ORF-Gesetzesnovellen hinweg. "Die Auseinandersetzung zwischen der Politik und denen, die einen unabhängigen ORF wollen, die wird nie aufhören!", meint Rudolf Nagiller.

Die internationale Medienentwicklung erfordert Anpassung an neues Seherverhalten. Das "Patschenkino" wird mobil, neue Kommunikationstechniken beschränken es schon längst nicht mehr auf das jahrzehntelang übliche Wohnzimmer. Betrachteten die Zeitungen Mitte der 1950er Jahre das Fernsehen als mögliche Existenzbedrohung bezüglich des schnelleren Transports von Nachrichten, so ist heute das Internet (auch via Smartphone) zur großen Konkurrenz geworden, ebenso Facebook oder Google, auf dessen Videoportal YouTube immer mehr Onlinevideos den Markt erobern. Mit der Einführung der Kleinelektronik und Videotechnik hat das Fernsehen in den 1980er Jahren vor allem in der Information den Abstand zwischen Ereignis und Nachricht bereits wesentlich verkürzt.

Mittlerweile lassen die neuen Plattformen die Zeitebenen beinahe völlig verschmelzen, sie berichten noch schneller, quasi in Echtzeit aus aller Welt und aus nächster Nähe. Tausende Flüchtlinge liefern täglich auf ihren Smartphones rasch ins Netz gestellte "Reportagen". Mit ORF.at und der TVthek ist der ORF auch Online-Marktführer. Um angesichts des geänderten Nutzungsverhaltens konkurrenzfähig zu bleiben und auf den neuen Plattformen zu bestehen, braucht der ORF aber dringend medienpolitisch ermöglichte Bewegungsfreiheit. Wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus, wird es im Internet aufgehen? Ingrid Thurnher: "Ich bin überzeugt, dass das Fernsehen in zehn Jahren ganz anders ausschauen wird als heute. Aber dass es das Fernsehen dann nicht mehr geben wird, ist unvorstellbar!"

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