• 14.10.2015, 10:39:00
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Brot für die Welt und FIAN warnen: Machtzuwachs von Konzernen entpolitisiert und verschärft Ernährungskrise

Neuer Right to Food and Nutrition Watch veröffentlicht: Einfluss von Agrar- und Lebensmittelkonzernen nimmt zu, Industrie schlägt aus Mangelernährung Profite

Utl.: Neuer Right to Food and Nutrition Watch veröffentlicht:
Einfluss von Agrar- und Lebensmittelkonzernen nimmt zu,
Industrie schlägt aus Mangelernährung Profite =

Wien (OTS) - Transnationale Lebensmittel- und Agrarunternehmen üben
wachsenden Einfluss auf das globale Ernährungssystem aus. Vor diesem
Missstand warnen Brot für die Welt und FIAN anlässlich des
Welternährungstages am 16. Oktober.

Zur Überwindung von Hunger und Mangelernährung bringen Konzerne immer
mehr Lebensmittel auf den Markt, die künstlich mit Zusatzstoffen
angereichert wurden. Ihre Rolle als Mitverursacher von Mangel- und
Fehlernährung wird dabei von der Politik oft ausgeblendet. FIAN und
Brot für die Welt prangern diesen Machtzuwachs der Konzerne im neuen
Right to Food and Nutrition Watch an. "Ausreichende und ausgewogene
Ernährung sicherzustellen, ist eine staatliche Verpflichtung und darf
nicht von privatwirtschaftlichen Interessen unterlaufen werden",
betont Dagmar Lassmann, Brot für die Welt (Auslandshilfe der
Diakonie).

Lebensmittelindustrie schlägt aus Mangelernährung Profite

Während die Zahl der Hungernden mit 795 Millionen Menschen laut
Welternährungsorganisation FAO leicht gesunken ist, nimmt die
Mangelernährung - also die Unterversorgung mit Vitaminen und
Mineralstoffen - zu. Weltweit leiden zwei Milliarden Menschen an
Mangelernährung. Besonders kritisch sehen Brot für die Welt und FIAN
die verstärkte Einflussnahme von Nahrungsmittelkonzernen auf die
Politikgestaltung - auch über Plattformen wie Scaling Up Nutrition
(SUN) oder die Global Alliance for Improved Nutrition (GAIN). "Die
oberste Priorität von transnationalen Unternehmen ist es, ihre
Marktanteile auszuweiten und nicht, eine gerechte Gesellschaft zu
stärken", betonen FIAN und Brot für die Welt.

"Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Mangelernährung in
Entwicklungsländern setzt SUN auf High-Tech-Lösungen, anstatt auf
gemeinschaftsbasierte Lösungsansätze, die auf dem Menschenrecht auf
Nahrung aufbauen. Die strukturellen Ursachen von Mangelernährung
werden ignoriert. Die Förderung von Wirtschaftspartnerschaften im
Bereich der Mangelernährung gibt Unternehmen beispiellosen Einfluss
auf die Politikgestaltung", so Brigitte Reisenberger von FIAN
Österreich.

Diese Initiativen promoten technische Lösungen, wie künstliche
Zusatzstoffe, und versuchen so eine Entpolitisierung der
Ernährungskrise zu bewirken. "Gesunde Ernährung braucht meist keine
künstlich beigesetzten Vitamine. Durch den Ausbau von lokalen,
kleinbäuerlichen Strukturen und eine Rückbesinnung auf traditionelle
Anbaumethoden kann in vielen Regionen eine ausgewogene Ernährung
erreicht werden", so Bischof Michael Bünker, Schirmherr von Brot für
die Welt.

Ernährung ist politisch

Der Right to Food and Nutrition Watch steht 2015 unter dem Motto
"Peoples’ Nutrition Is Not a Business". Der jährlich erscheinende
Bericht deckt die subtilen, aber erschreckenden Verstöße gegen das
Menschenrecht auf Nahrung durch internationale Konzerne auf. Er
klagt an, dass die Unternehmen häufig straflos davon kommen. Der
Bericht reduziert das Thema Ernährung nicht auf medizinische und
technische Bereiche, sondern erweitert seine Analyse um kritische
politische und systemische Dimensionen. Es braucht auf den
Menschenrechten basierende und von Wirtschaftsinteressen unabhängige
Lösungsansätze, um vielfältige, gesunde, nachhaltige und kulturell
angemessene Ernährung sicherstellen, so das Fazit des Right to Food
and Nutrition Watch.

Weblink - Right to Food and Nutrition Watch:
www.rtfn-watch.org

Der Watch ist ein zivilgesellschaftliches Instrument, das die Politik
überwacht und Ungerechtigkeit im Ernährungssystem benennt. Er
erscheint 2015 zum 8. Mal in Englisch, Französisch und Spanisch und
wird von einem internationalen Konsortium aus Fachorganisationen und
Netzwerken herausgegeben.

Macht Handel Hunger? 

 Präsentation des Right to Food and Nutrition Watch 
 
 durch FIAN und VHS Wien
 
 mit Biraj Patnaik, Chefberater zum Recht auf Nahrung, Oberster
 Gerichtshof in Indien


 Datum:   30.10.2015, 18:00 - 20:00 Uhr
 Ort:     VHS Wiener Urania Dachsaal
          Uraniastraße 1, 1010 Wien

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