- 14.10.2015, 09:00:01
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Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs verleiht erstmals „Beryll“-Award für visuelle Barrierefreiheit
Auszeichnung für Unternehmen und Projekte im Rahmen des Festaktes zum 80-Jahre-Jubiläum der größten Sehbehinderten-Selbsthilfeorganisation des Landes
Utl.: Auszeichnung für Unternehmen und Projekte im Rahmen des
Festaktes zum 80-Jahre-Jubiläum der größten
Sehbehinderten-Selbsthilfeorganisation des Landes =
Wien (OTS) - Anlässlich ihres 80-Jahre-Jubiläums setzt die
Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs als
älteste und mit rund 4.300 Mitgliedern auch größte
Sehbehinderten-Selbsthilfeorganisation des Landes auf umfassende
visuelle Barrierefreiheit. Im Rahmen eines Festakts unter dem
Ehrenschutz von Bundespräsident Heinz Fischer wurde zu diesem Zweck
erstmals der "Beryll" verliehen - ein Award für Unternehmen und
Projekte, die barrierefreie Lösungen für Menschen mit Sehbehinderung
schaffen.
"Ein neues Projekt zum 80er - so bleibt man jung", schmunzelt Elmar
Fürst, Vorsitzender der größten
Sehbehinderten-Selbsthilfeorganisation des Landes im Rahmen der
80-Jahre-Feierlichkeiten am 13. Oktober 2015 in Wien. In der Tat
sieht man in der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen
Österreichs im 80. Jahr ihres Bestehens vieles glasklar: Die
Organisation vertritt die Interessen von rund 318.000 stark
sehbeeinträchtigten Menschen in ganz Österreich, damit diese
selbstständig und unabhängig ihren Alltag leben können. "Zu unserem
Engagement gehört nicht nur die direkte Unterstützung sehbehinderter
und blinder Personen, sondern auch das Eintreten für eine
barrierefreie Umwelt und die Begleitung fortschrittlicher Projekte in
diesem Bereich. Deshalb haben wir den 80er als Anlass genommen, um
einen Award ins Leben zu rufen. ‚Beryll‘ heißt die neue Auszeichnung
für Unternehmen und Projekte, die barrierefreie Lösungen für Menschen
mit Sehbehinderung verwirklicht haben", erklärt Fürst, der im
Jubiläumsjahr 2015 den Vorstandsvorsitz der gemeinnützigen
Organisation übernommen hat.
Der Name "Beryll"
"Der Name ‚Beryll‘ hat eine besondere Bedeutung: Das lateinische Wort
Beryllus wurde im Mittelalter für klare Kristalle gebraucht. Daraus
entstand das Wort für Brille - denn die ersten Linsen waren aus
Kristall geschliffen. Der Beryll bündelt - ganz wie eine optische
Linse - Aufmerksamkeit und beleuchtet so besondere Leistungen",
ergänzt Geschäftsführerin Irene Vogel. "Der Beryll ist unser Ansporn
für die Gesellschaft, sich am Thema visuelle Barrierefreiheit zu
beteiligen und soll gleichzeitig eine Anerkennung für in diesem Feld
Geleistetes sein." Der Award wurde von der niederösterreichischen
Künstlerin Regine Haunschmidt, Azur - Kunst&Technik, eigens
entworfen.
Die Sieger
Kategorie "Bauen und Mobilität"
Sieger: Flughafen Wien AG
Projektbeschreibung: Barrierefreie Gestaltung des Flughafen Wien.
Seit drei Jahren gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Flughafen
Wien und Vertretern von Behindertenorganisationen. Über 150
Einzelmaßnahmen wurden definiert, die in den Bereichen Lifte,
Treppen, Toiletten, Ausstattung oder Leitsystem für Barrierefreiheit
sorgen.
Begründung der Jury: Der Flughafen Wien lässt erkennen, dass er die
Anliegen von blinden und sehbehinderten Menschen ernst nimmt und
bereit ist, in Barrierefreiheit zu investieren. Die Zusammenarbeit
mit den Arbeitsgruppen ist intensiv und das Bemühen um Lösungen
ernsthaft. Eine ganze Reihe von Maßnahmen wurde bereits umgesetzt.
Für Menschen mit Sehbehinderung ist die Orientierung am Flughafen
signifikant verbessert: Die Farbgebung wurde verändert, Schriften
wurden vergrößert, das Leitsystem wurde komplett neu gestaltet,
einzelne Piktogramme neu gestaltet und eine Farbcodierung für die
jeweiligen Terminalbereiche eingeführt. Insgesamt wurden über 650
Hinweistafeln ausgetauscht. Besonders hervorzuheben ist die komplette
Neuentwicklung von Informationsmonitoren. Weitere Maßnahmen sind in
Planung und die Fortsetzung der engen Zusammenarbeit, auch bei neuen
Bauvorhaben, wurde zugesagt.
"Barrierefreiheit ist uns ein zentrales Anliegen und wir schätzen die
gute Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen und Betroffenen sehr.
Daher freuen wir uns sehr über diese positive Anerkennung unseres
Engagements", sagen die Vorstände der Flughafen Wien AG, Julian Jäger
und Günther Ofner.
Kategorie "Kommunikation und Information"
Sieger: Michael Kastelic, AUDIO2
Projektbeschreibung: Ausbau der Audiodeskription in den Bereichen
Sport und Kultur
Begründung der Jury: Michael Kastelic hat mit seinem Unternehmen
AUDIO2 wesentlich dazu beigetragen, das Angebot an Audiodeskription
zu verbessern, sowohl in der Quantität als auch in der Qualität. Ganz
besonders ist dabei das Projekt Theater4all hervorzuheben, das
Michael Kastelic ins Leben gerufen hat. Er hat es sich zur Aufgabe
gemacht, Theater für blinde Menschen und für Menschen mit
Sehbehinderung barrierefrei möglich zu machen. Über Kopfhörer
erhalten blinde und sehbehinderte Besucher alle wichtigen
Informationen abseits der Bühnendialoge. So können blinde
Theaterbegeisterte dem Geschehen auf der Bühne mühelos folgen.
Der Audiokommentar trägt dazu bei, dass Menschen mit Sehbehinderung
selbstständig und unabhängig an gesellschaftlichen Ereignissen
teilhaben können.
Michael Kastelic, Geschäftsführer von AUDIO2 dazu: "Die Idee, auch
Theater mit Audiodeskription über Radiosender anzubieten, kam bei
einem Schirennen. Die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher hat
uns weiter motiviert. Ich möchte mich für das Engagement der Theater,
für die Unterstützung der Stadt Wien und nicht zuletzt bei den AUDIO2
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die mit Herzblut bei
diesem Projekt mitwirken."
Kategorie "Sehbehindertengerechte Dienstleistungen und
Service"
Sieger: Vinzenz Gruppe mit den Angeboten im Vinzentinum
(Schule für Gesundheits- und Krankenpflegeberufe am Krankenhaus
Barmherzige Schwestern Wien) und dem Pflegehaus St. Louise in Maria
Anzbach (Barmherzige Schwestern Pflege GmbH)
Projektbeschreibung: Schulungen für Mitarbeiter im Umgang mit
Menschen mit Sehbehinderung, Aufnahme von Sensibilisierungstrainings
in den Lehrplan für Pflegekräfte, Orientierungssystem im Pflegehaus
St. Louise
Begründung der Jury: Die Vinzenz Gruppe hat sich als
Unternehmensgruppe gleich in mehreren Bereichen für die Bedürfnisse
von Menschen mit Sehbehinderungen engagiert. Die Vinzenz Gruppe hat
beim Zubau des Pflegehauses St. Louise und in der Schule für
Gesundheits- und Krankenpflegeberufe des Krankenhauses der
Barmherzigen Schwestern in Wien (Vinzentinum) die Bedürfnisse
sehbeeinträchtigter Menschen umfassend berücksichtigt.
Im Pflegehaus St. Louise wurde anlässlich der baulichen Erweiterung
mit Eröffnung Anfang des Jahres 2015 im gesamten Haus weitgehend auf
bauliche Barrierefreiheit und kontrastreiche Gestaltung geachtet.
Aufgrund der Schließung des Seniorenwohnhauses Harmonie, das bis Ende
2014 in Unterdambach (NÖ) von der Hilfsgemeinschaft betrieben wurde,
stand man in engem Austausch, um den professionellen Umgang mit
sehbehinderten, pflegebedürftigen Menschen weiter zu verbessern. In
einer Art "Nachbarschaftshilfe" wurden flexible Lösungen für
ehemalige Bewohner des Hauses Harmonie geschaffen. Hier ist besonders
die Heimleiterin, Gerlinde Göschelbauer, zu erwähnen, die sich mit
großem persönlichen Einsatz darum bemüht hat, das Haus St. Louise
speziell für Menschen mit Sehbehinderung zu gestalten.
"Es ist unser Prinzip und Selbstverständnis allen Menschen, die in
unseren Pflegehäusern leben, ein echtes Zuhause-Gefühl zu geben! Dazu
gehört auch eine gut wahrgenommene Orientierung - mit allen Sinnen!",
freut sich Jana Bockholdt, Geschäftsführerin der Barmherzige
Schwestern Pflege GmbH.
In der Schule für Gesundheits- und Krankenpflegeberufe Vinzentinum
wurden Sensibilisierungs- und Schulungskonzepte in Kooperation mit
der Hilfsgemeinschaft umgesetzt. Besonders Claudia Zemann, eine der
Lehrerinnen für Gesundheits- und Krankenpflege im Vinzentinum, hat
sich persönlich dafür engagiert, dass diese Schulungsmaßnahmen keine
einmalige Sache blieben, sondern in den Lehrplan aufgenommen wurden.
"Wir versuchen Menschen in allen unseren Einrichtungen in ihrer
jeweiligen Einzigartigkeit wahrzunehmen. Wir freuen uns sehr, dass
das Engagement des Vinzentinum mit dem Beryll-Award zusätzliche
Wertschätzung findet", bedankt sich Thomas Pavek, Geschäftsführer des
Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Wien für die Auszeichnung.
Über die Hilfsgemeinschaft
Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs wurde
1935 von Jakob Wald noch unter dem Namen "Hilfsgemeinschaft der
später Erblindeten Österreichs" gegründet.
Die Arbeit der Selbsthilfeorganisation wird zu einem Gutteil durch
private Spenden und das Engagement freiwilliger Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter ermöglicht. Die Hilfsgemeinschaft ist seit 2001 Trägerin
des Österreichischen Spendengütesiegels.
Infos über die umfassenden Beratungs- und Serviceleistungen der
Hilfsgemeinschaft gibt es unter www.hilfsgemeinschaft.at.
Fotos von der Veranstaltung sind unter folgendem Dropbox-Link
abrufbar:
www.dropbox.com/sh/d7eo2jwy85a4x6p/AAAhB5ZSWxDJ2ZjK853IqVCMa?dl=0
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