• 07.10.2015, 10:15:01
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BELVEDERE: Mehr als ZERO - Hans BISCHOFFSHAUSEN

Wien (OTS) - Der 1927 in Feld am See geborene Kärntner Maler Hans
Bischoffshausen zählt zu den wesentlichen Vertretern der
österreichischen Nachkriegsavantgarde der 1950er- und 1960er-Jahre.
Seine Ausstellungen in Venedig, Mailand und Paris ließen
Bischoffshausen erste Erfahrungen mit der ZERO-Bewegung und der
Malerei der Monochromie machen.

Seine zunächst düstere und materialbezogene Kunst entwickelte sich im
Sinne des Purismus von ZERO hin zu klaren Formen und Strukturen.
Bischoffshausens monochrome Strukturbilder der 1960er-Jahre sind
Ausdruck seiner intensiven Auseinandersetzung mit den Themen Schrift,
Sprache und Stille, über die er die Welt zu begreifen versuchte.

In der ersten retrospektiven Ausstellung eines Wiener Bundesmuseums
zu Bischoffshausen würdigt das Belvedere den Künstler vom 8. Oktober
2015 bis 14. Februar 2016 unter dem Titel "Mehr als ZERO - Hans
BISCHOFFSHAUSEN". Die Schau in der Orangerie beschränkt sich nicht
nur auf die ZERO-Periode Bischoffshausens, sondern zeigt die
Zusammenhänge und die Freundschaft mit der Galerie Hildebrand in
Klagenfurt und Künstlern und Wegbegleitern aus Holland, Deutschland,
Italien und Frankreich. Bischoffshausen hatte das Ehepaar Hildebrand
maßgeblich bei der Gründung der Galerie und der Auswahl der Künstler
unterstützt und beraten. So ergaben sich oft gemeinsame
Freundschaften mit Künstlern, etwa mit Bernard Aubertin, Lucio
Fontana oder Herman de Vries. Bischoffshausens Umfeld wird in der
Ausstellung durch Werke seiner Künstlerfreunde präsentiert, und somit
wird der wechselseitige Einfluss zum Kärntner Maler deutlich.

Die Ausstellung widmet sich den bildnerischen Hauptwerken des
Multitalents Bischoffshausen. Aufgezeigt werden die künstlerischen
Wechselbeziehungen zu Malerkollegen der Nachkriegsavantgarde aus
Frankreich, Deutschland, Italien und Holland. "Wo, wenn nicht im
Museum für österreichische Kunst, dem Belvedere, sollte diese kultur-
und kunsthistorische Aufarbeitung geleistet und gezeigt werden?",
betont Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere und des 21er
Haus, und ergänzt: "Zumal die kritische Aufarbeitung und Revision
wichtiger Kapitel der heimischen Nachkriegskunstgeschichte in diesem
Museum einen festen Ort und konzentrierte Kompetenz gefunden hat."

Bischoffshausens reduziertes, die Grenzen der Malerei auslotendes,
materialbezogenes Schaffen hatte er im Zusammenhang mit seinen Reisen
nach Italien und Frankreich bereits sehr früh entwickelt.
Ausstellungsbesuche in Galerien von Venedig und Mailand legten den
Grundstein zu einer Kunst, die immer weiter die Grenzen der Malerei
ertastete. War sein Schaffen anfänglich noch von einer gestischen,
abstrakten Malerei geprägt, fand er mit Materialien wie Sand, Zement,
Lochungen oder Brandspuren zu einer neuen Formensprache, die sich mit
den Zusammenhängen von Schrift und Bild beschäftigte.

"Mit Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Friedensreich Hundertwasser, Josef
Mikl, Markus Prachensky und Hans Staudacher gehörte Bischoffshausen
zu jenen Künstlerinnen und Künstlern, die bereits Mitte der
1950er-Jahre innerhalb der internationalen Avantgardeszene auf sich
aufmerksam machten. Außer ihm waren alle Genannten schon in der
ersten Hälfte der 1950er-Jahre in Paris präsent oder hatten
Studienreisen dorthin unternommen und somit eine maßgebliche
künstlerische Prägung in Richtung der Art Informel erfahren. Bei
Bischoffshausen war es etwas anders: Sein Weg führte über Italien in
die französische Metropole", so Kurator Harald Krejci.

Die Freundschaft mit dem italienischen Avantgardekünstler Lucio
Fontana, der durch seine Schnittbilder weltberühmt wurde, öffnete
Bischoffshausens Werkbegriff, an dem er nach seinem Umzug nach Paris
1959 konsequent weiterarbeitete. Bischoffshausen fand rasch Eingang
in die französische Künstlerszene. Der bildende Künstler und
ZERO-Vertreter Bernard Aubertin wurde zu einem wichtigen
Wegbegleiter. Zwischen 1962 und 1965 nahm Bischoffshausens Karriere
einen intensiven Verlauf, Ausstellungen in Frankreich und Deutschland
sowie Beteiligungen in Italien waren die Folge. Kontakte zur
internationalen Künstlergruppierung NUL um Jan Schoonhoven
ermöglichten ihm, auch in Holland künstlerisch zu reüssieren. Ebenso
sind seine Freundschaften mit Herman de Vries oder Heinz Mack Thema
der Ausstellung.

Seine individuelle Ikonologie des Materials und seine konzeptuelle
Neuorientierung in der Kunst vor und nach 1968 machten ihn zu einem
der wesentlichen Vertreter der Avantgarde. Die Ausstellung versucht,
den Bogen von den ersten Materialbildern der 1950er-Jahre bis zur
Pariser Zeit der ZERO-Bewegung zu spannen. Erstmals werden auch die
1970er- und 1980er-Jahre beleuchtet. Die Aufarbeitung des umfassenden
Archivs von Ernst und Heide Hildebrand ist wesentliche Basis der
Begleitpublikation und damit Teil der fortlaufenden Forschung zur
Kunst der Nachkriegszeit, die erneut einen in Europa zu Unrecht wenig
bekannten österreichischen Künstler ins Zentrum stellt.

Die Ausstellung ist von 8. Oktober 2015 bis 14. Februar 2016 in der
Orangerie im Unteren Belvedere zu sehen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

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