• 06.10.2015, 09:52:43
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Kaske: ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen müssen von der Digitalisierung in Arbeitswelt und Wirtschaft profitieren!

Bad Ischl (OTS) - "Von der Digitalisierung in Wirtschaft und
Arbeitswelt müssen auch die ArbeitnehmerInnen und die KonsumentInnen
profitieren und nicht bloß eine kleine Elite." Das sagte AK Präsident
Rudi Kaske heute im Rahmen des von den österreichischen
Sozialpartnern ausgerichteten "Bad Ischler Dialogs 2015". Kaske, der
das Panel 1 - Daten als Rohstoff - leitete, - nannte die AK in diesem
Zusammenhang einen "aktiven Gestalter der Zukunft Österreichs" und
forderte (analog zu einem Papier des Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschusses) hohe Mindeststandards in den Europäischen
Datenschutzvorschriften. Der AK Präsident spricht sich im
Zusammenhang mit der Verwendung von Beschäftigtendaten dafür aus, es
den Mitgliedssaaten zu erlauben, über die EU-Mindeststandards
hinauszugehen.

Weiters sei wichtig zu prüfen, welche Maßnahmen auf nationaler und
europäischer Ebene sinnvoll sind, um die allumfassende Verfügbarkeit
und Erreichbarkeit der Beschäftigten zu begrenzen. "ArbeitnehmerInnen
haben auch im digitalen Zeitalter ein Recht auf Privatleben", so Rudi
Kaske wörtlich.

Zum Dritten verlangte Präsident Kaske für sämtliche
ArbeitnehmerInnen, auch für jene in nicht-standardisierten
Beschäftigungsverhältnissen, einen angemessenen gesetzlichen
Sozialversicherungsschutz. EU, nationale Regierungen und
Sozialpartner sind gefordert, sich angesichts des voranschreitenden
digitalen Wandels auf geeignete Maßnahmen zu verständigen. In Sachen
"fairer Entlohnung" geht es Kaske um eine Förderung der
Tarifverträge, insbesondere in jenen Bereichen, die von der
Digitalisierung am stärksten betroffen sind. Um nachhaltige
Sozialsysteme und eine Entlastung des Faktors Arbeit sicherzustellen,
schlägt der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss vor, einen
Teil der "Digitalisierungsdividende" zu verwenden, brachte Kaske auch
die künftige Finanzierung des Sozialstaates in die Diskussion ein.

"Die Politik und wir Sozialpartner müssen gemeinsame Lösungen im
Bereich Datenschutz, bei der technischen und regulatorischen
Infrastruktur und nicht zuletzt in punkto faire Verteilung der auf
dem ‚Rohstoff Daten‘ aufbauenden Wertschöpfung finden. Gelingt uns
das, dann sind wir auf dem richtigen Weg", so Präsident Kaske
abschließend.

Im von Rudi Kaske geleiteten Panel diskutierten Viktor
Mayer-Schönberger vom "Oxford Internet Institute", Robert Bodenstein
(CMC Infomanagement), Michael Hell (LKÖ) und Tim Schmidt,
Gewerkschaftssekretär ver.di sowie früher Betriebsrat bei Amazon.

"Wenn Daten der Rohstoff der Zukunft sind, dann müssen wir nicht
mehr über das Ob, sondern nur über das Wann und Wie reden, wie die
neue Wertschöpfung einen Beitrag zum Budget leisten kann. Das ist
nicht Ideologie, sondern Notwendigkeit", meinte Viktor
Mayer-Schönberger, für den es in erster Linie um eine optimale
Nutzung der Daten und um die Rechte der Betroffenen geht. "Denn", so
der Daten-Experte weiter, "wir müssen die menschliche Würde in der
Arbeitswelt wahren und die KonsumentInnen schützen."

Für Michael Hell bringt die Digitalisierung große Chancen und
viele Herausforderungen, insbesondere für den ländlichen Raum.
Zukünftig gehe es darum, nicht nur mit Qualität und Bildung zu
punkten, sondern sich durch Digitalisierung Wettbewerbsvorteile zu
verschaffen. Wie AK Präsident Kaske sprach auch er sich für eine
bessere Grundversorgung und den Breitband-Ausbau aus.

Robert Bodenstein sprach sich für eine Entemotionalisierung der
Debatte aus und verlangte einen praktikablen Verbraucherschutz.
Europa müsse es außerdem gelingen, seine eigenen Amazonhändler zu
schaffen. "Wir müssen aus dem Krisenmodus herausfinden und einen
Offensivstart hinlegen", so Bodenstein wörtlich.

Bezugnehmend auf Bodenstein sagte Tim Schmidt: "Wenn es um
Menschen geht, dann kann ich schlecht von einer Entemotionalisierung
sprechen, denn dann werde ich nämlich sehr emotional." Er mache
jedenfalls lieber langsam Dinge richtig, als schnell Dinge falsch.
Der ehemalige Amazon-Betriebsrat hielt fest, dass "die
Datensammlerei" genau dort ihre Grenzen findet, "wo ArbeitnehmerInnen
beobachtet und überwacht werden." So zeige insbesondere der Fall
Amazon, dass die Krankenstandsraten weit über dem Durchschnitt liegen
(20% gegenüber 7%). Schmidt forderte vor diesem Hintergrund einen
sehr sensiblen Umgang mit Daten. Die Gewerkschaft tritt daher nicht
für einen Boykott von Amazon ein, sondern für eine Verbesserung der
Arbeitsbedingungen.

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