• 01.10.2015, 11:29:59
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Unterzucker – Unterschätzte Gefahr mit hohem Risiko für Beruf und Straßenverkehr

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7097
(v.r.n.l.) Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher | Vorsitzender
Österreichische Diabetesgesellschaft (ÖDG); Univ.-Prof. Dr. Bernhard
Schwarz | Ao. Univ. Professor am Zentrum für Public Health der
Medizinischen Universität Wien; Dr. Armin Kaltenegger | Leiter des
Bereichs Recht & Normen des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV);
(h.v.l) Dr. Walter Wintersberger | Senior Research Director Spectra
Marktforschung; Mag. Martin Schaffenrath | stv. Vorsitzender des
Verbandsvorstands im Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger (HVB)

Wien (OTS) - Die Problematik von hohen Zuckerwerten bei Diabetikern
ist weithin bekannt. Viel weniger Menschen ist aber bewusst, dass es
eine weit häufiger auftretende und auch gefährliche Komplikation bei
Diabetes mellitus gibt: die Hypoglykämie, also die Gefahr des
Unterzuckers. Mittels umfangreicher Aufklärung soll Awareness unter
Betroffenen geschaffen werden, um Anzeichen rechtzeitig zu erkennen
und mögliche Risikosituationen für sich und das Umfeld zu vermeiden.

Weltweit lässt sich eine deutliche Zunahme der Diabetesprävalenz
ausmachen, für einer Vielzahl an Patienten wurde bis dato noch keine
Diagnose gestellt und sie leiden häufig bereits an Folgeerkrankungen,
wenn Diabetes erkannt wird. In Österreich wird die Diabetes
mellitus-Prävalenz auf etwa 6 Prozent geschätzt. Neben einer
frühzeitigen Diagnosestellung ist in der Folge vor allem eine
umfassende Beratung und Information der Betroffenen zum täglichen
Umgang mit der Krankheit essentiell. Besonders für die Gefahr einer
Unterzuckerung soll nun Awareness geschaffen werden. Fällt der
Blutzuckerspiegel unter einen definierten Wert, kann das Gehirn nicht
mehr ausreichend mit dem Energielieferanten Zucker versorgt werden.
"Hypoglykämien bedeuten für die Betroffenen eine Einschränkung der
Handlungsfähigkeit. Vor allem Schwindel und eingeschränkte
Wahrnehmungsfähigkeit bis hin zur Ohnmacht haben in Abhängigkeit von
der jeweiligen Situation ein erhebliches Potential für eine Selbst-
und Fremdgefährdung", weißt Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz,
Ao.Univ.Professor am Zentrum für Public Health der Medizinischen
Universität Wien, im Rahmen der Pressekonferenz, am 01. Oktober 2015,
auf das häufig unterschätzte und vielfach unbekannte
Gefahrenpotenzial des Unterzuckers hin. Die Veranstaltung soll den
Startschuss für eine großflächige Informationskampagne zum Thema
Unterzucker setzen und auch über individuelle Behandlungsansätze
aufklären. Folgeschäden, die bei schweren Hypoglykämien
beispielsweise unter der Einnahme von Sulfonylharnstoffen auftreten
können, sind etwa dank alternativer Behandlungstherapien für einen
Großteil an Diabetikern vermeidbar.

Gefahr: Therapieinduzierte Hypoglykämien durch
Sulfonylharnstoffe

"Eine Hypoglykämie oder Unterzuckerung ist ein Zustand, in dem es zur
Entwicklung von Symptomen kommt, die durch einen niedrigen Blutzucker
entstehen. Diese Unterzuckerung entsteht immer dann, wenn im Körper
entweder zu viel Insulin, zu wenig Nährstoffe oder eine Kombination
aus beiden besteht", beschreibt Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, stv.
Vorsitzender der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG) die
Unterzuckerung. Typische Symptome sind Konzentrationsschwierigkeiten,
Verwirrtheit, Sprechstörungen, Schläfrigkeit, Benommenheit oder
Sehstörungen. Darüber hinaus kann Unterzuckerung Kopfschmerzen oder
Schwindel verursachen. "Von Hypoglykämien sind besonders jene
Diabetiker betroffen, die blutzuckersenkende Medikamente zu sich
nehmen - allen voran Typ-1-Diabetiker, die mit Insulin behandelt
werden. Zudem haben Patienten mit Typ-2 Diabetes, die einer
medikamentösen Behandlung mit Insulin oder mit Sulfonylharnstoffen
unterliegen, ein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko", so Toplak weiter.
Häufig kommt es also in Folge der Behandlung mit Sulfylharnstoffen zu
therapieinduzierten, schweren Hypoglykämien, da diese den
Insulinspiegel im Körper steigern. Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher,
Präsident der ÖDG, spricht sich dezidiert für eine der jeweiligen
Patientensituation entsprechenden Therapiewahl, unter der
Berücksichtigung bestimmter Einflussfaktoren und möglicher
Nebenwirkungen, aus. "So bedarf es bei der Wahl antidiabetischer
Medikamente etwa bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion
ebenso erhöhter Aufmerksamkeit, da die Rate an schweren Hypoglykämien
bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz zunimmt. Der Einsatz
moderner Substanzen, wie z.B. DPP-4-Hemmer, kann hier zur Anwendung
kommen, um dieses Risiko möglichst ausschließen zu können. Immer auch
relevant im Zusammenhang mit der Medikamentenwahl ist das Alter, der
Beruf und vor allem die Bereitschaft der Patienten im Umgang mit der
Medikation. DPP-4-Hemmer sind auch besonders für ältere Patienten im
Prinzip eine gut verträgliche Medikamentengruppe, ohne bzw. mit nur
geringem Hypoglykämie-Risiko", so Wascher.

Risikopotenzial im Alltag

Die Spectra Marktforschung hat in den Jahren 2010 und 2015 Ärzte- und
Patientenbefragungen zum Thema durchgeführt. "Geht man vom
österreichischen Diabetesbericht 2013 aus, in dem die Zahl der
diagnostizierten Diabetes-Patienten mit 430.000 beziffert ist, sind
in Österreich jedes Jahr mehr als 40.000 Personen von einer
Hypoglykämie betroffen. Zudem hat eine Befragung gezeigt, dass sich
sechs von zehn Diabetikern daran erinnern, im Verlauf Ihrer
Erkrankung schon eine oder mehrere Hypoglykämien erlebt zu haben -
meist bei körperlicher Anstrengung, während der Arbeit und auch - was
besonders gefährlich sein kann - während des Autofahrens", gibt Dr.
Walter Wintersberger von Spectra Einblicke in die Ergebnisse der
Erhebung. Im Job und im Straßenverkehr ist es also für den
Selbstschutz und den Schutz des Umfeldes essentiell, im Ernstfall
Warnzeichen der Hypoglykämie zu erkennen und richtig zu reagieren. Es
gibt aber auch Betroffene, bei denen sich Bewusstseinsveränderungen
oder Verhaltensstörungen plötzlich und ohne typische Warnzeichen
einstellen und sie daher keine Gegenmaßnahmen ergreifen können. "Im
Umgang mit Zuckerkrankheit im Straßenverkehr tut sich ein großes
gesellschaftliches Spannungsfeld auf: auf der einen Seite steht das
Interesse des Gesamtsystems Straßenverkehr an einer möglichst
sicheren Abwicklung, auf der anderen Seite das nachvollziehbare
Interesse des Erkrankten an der Aufrechterhaltung seiner
individuellen Mobilität. Österreich hat diesen Antagonismus auf
europaweit beispielhafte Weise gelöst und dabei auch noch
administrative Erleichterungen für alle am Prozess beteiligten
Personen - Fachärzte, Amtsärzte, Behördenjuristen, Lenker -
geschaffen" erläutert Dr. Armin Kaltenegger vom Kuratorium für
Verkehrssicherheit (KfV). Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz,
Arbeitsmediziner und Betriebsarzt bei der Bank Austria rät
Betroffenen unbedingt, ihr jeweiliges Umfeld über die spezifischen
Risiken aufzuklären. Vor allem Vorgesetzte müssten darüber
unterrichtet werden um jede Form von Selbst- und Fremdgefährdung
möglichst gering halten zu können. "Für den Arbeitsplatz heißt das
erhöhte Vorsicht in allen potentiellen Gefahrensituationen: dazu
zählen das Lenken von Kraftfahrzeugen, die Bedienung von und das
Arbeiten an Maschinen mit Verletzungsrisiko, oder das Arbeiten unter
gefährlichen Umständen (z.B. auf Gerüsten, am Dach, etc.)", so
Schwarz.

Selbst- und Fremdhilfe bei einer Hypoglykämie

Ein sorgfältiges Selbstmanagement bei Diabetes Patienten ist
essentiell, vor allem auch um Akutkomplikationen wie etwa die
Hypoglykämie und Langzeitschäden zu vermeiden. Patienten müssen sich
der Ursachen, dem Verlauf und auch der Therapie der Krankheit bewusst
werden. Für Betroffene ist es zudem wichtig zu wissen, dass eine
Hypoglykämie nicht einfach hingenommen werden muss. Sie kann durch
geeignete Medikation vermieden werden. Für diese Bewusstseinsbildung
bedarf es umfassender Aufklärungsarbeit und engmaschige
Betreuungsprojekte, etwa Disease-Management-Programme (DMP) wie
"Therapie Aktiv - Diabetes im Griff". Das Programm soll eine optimale
Versorgung gewährleisten, indem Patienten umfassend und engmaschig
betreut sowie fundiert geschult werden. Damit kann auch die Gefahr
einer Unterzuckerung verringert werden. Dazu Mag. Martin
Schaffenrath, stv. Vorsitzender des Hauptverbands der
österreichischen Sozialversicherungsträger: "Im
Bundeszielsteuerungsvertrag ist es gelungen, Prävention als
operatives Ziel zu definieren. Die Ergebnisse der diesjährigen
Evaluierung anhand eines Vergleichs von Menschen mit Diabetes zeigen
deutlich, dass strukturierte Betreuung von chronisch Kranken Leid
lindert und Lebensqualität erhöht. Kurzum Menschen mit Diabetes, die
strukturierte Betreuung erhalten, haben ihre Krankheit besser im
Griff, haben weniger Folgeerkrankungen und leben länger." Neben dem
eigenverantwortlichen Umgang der Betroffenen mit ihrer Erkrankung
gibt es auch für beteiligte Dritte klare Verhaltensweisen für
Situationen mit Diabetikern die eine plötzliche Unterzuckerung
erleiden. Richtiges Handeln ist in solchen oft lebensbedrohenden
Situationen unerlässlich. "Für nicht routinierte Personen ist es oft
schwierig, Hypoglykämien zu erkennen, da viele Krankheitsbilder dem
einer Hypoglykämie ähnlich sind. Es ist am besten sich Unterstützung
durch die Rettung zu holen.", regt Toplak an. Diabetiker sollten
schnell resorbierbare Kohlenhydrate wie zum Beispiel Traubenzucker
bei sich haben. Ebenso wirkungsvoll sind Fruchtsäfte oder Cola. Nicht
geeignet hingegen sind Kekse, Schnitten oder Schokolade etc., da sie
viel zu lange brauchen, um den Blutzucker anzuheben. Auch
Leichtgetränke sind völlig ungeeignet.

Sensibilisierung

"Unter dem Motto "Unterzucker muss nicht sein", steht der Oktober im
Zeichen der Hypoglykämie-Sensibilisierung.", so Wascher. Zwei Sujets
wurden entwickelt, um Diabetikerinnen und Diabetiker auf das Thema
Unterzucker aufmerksam zu machen. Diese werden unter anderem als
Informations-Poster Ärzten und Apothekern zur Verfügung gestellt.
Darüber hinaus gibt es regionale Informationsveranstaltungen für
Ärzte sowie die Möglichkeit, mit einem speziellen Hypo-Koffer
Diabetiker sehr anschaulich die Symptome einer Hypoglykämie erleben
lassen. Informationsposter können angefordert werden unter:
[email protected]

Weitere Informationen unter: www.oedg.org | www.facediabetes.at |
Bilder zur Pressekonferenz finden Sie unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7097

Mit freundlicher Unterstützung von MSD Österreich. (Merck Sharp &
Dohme Gesellschaft m.b.H.)

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM

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