• 25.09.2015, 12:56:33
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Pilotprojekt Gebärdensprachdolmetscher am Display – flächendeckende, kommunikative Barrierefreiheit in der Gesundheitsversorgung

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7110 Im Bild
v.l.n.r.: Dr. Maria Kletecka-Pulker (Geschäftsführerin Plattform für
Patientensicherheit), Dr. Sabine Oberhauser (Bundesministerin für
Gesundheit), Mag. Cornelia Recheis (Projektkoordinatorin der
Plattform Patientensicherheit) und Dr. Gerald Bachinger (Sprecher
der Patientenanwälte)

Wien (OTS) - Mit dem neuen Pilotprojekt Gebärdendolmetscher am
Display schaffen die Kooperationspartner rund um die Plattform
Patientensicherheit ab Oktober 2015 ein flexibles Alltags-Tool für
die gehörlose und hörbeinträchtige Bevölkerung in Österreich. Über
mobile Endgeräte stehen von Montag bis Freitag
Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung, um tägliche Kommunikation
zwischen Hörenden und Gehörlosen zu unterstützen. Vor allem in der
medizinischen Betreuung sollen zukünftig kommunikative Barrieren
unmittelbar und effizient überwunden werden.

"Die Österreichische Gebärdensprache ist seit dem 1. September 2005
in Artikel 8 Absatz 3 des Bundes-Verfassungsgesetzes ausdrücklich als
Sprache anerkannt. Zusätzlich wurde im Jahr 2008 das Recht auf
kommunikative Barrierefreiheit in allen Abschnitten des täglichen
Lebens in der UN-Behindertenrechtskonvention formuliert", hält
Gesundheitsministerin Dr. Sabine OBERHAUSER anlässlich der
Präsentation des neuen Pilotprojekts Gebärdensprachdolmetscher am
Display fest, das ab Oktober 2015 startet. Ziel ist, dass
Gebärdensprachdolmetscher per Videozuschaltung via Tablet, Smartphone
oder Laptop zwischen Gehörlosen und Hörenden unkompliziert und direkt
vermitteln können. Damit wollen die Initiatoren des Projekts, die
Plattform Patientensicherheit in Kooperation mit dem Unternehmen SAVD
Videodolmetschen, einen essentiellen Schritt in Richtung
kommunikativer Barrierefreiheit für die rund 8.000 in Österreich
lebenden, gehörlosen Menschen und den zwischen 10.000 und 15.000 als
hochgradig schwerhörig oder ertaubt geltenden Personen setzen. Nach
der technischen Realisierung soll nun in den nächsten Wochen ein
Expertengremium zur Optimierung der Anwendung für das tägliche Leben
eingesetzt werden. "Besonders wichtig ist bei der Umsetzung des
Projekts auch der nächste Schritt: die Einbindung der
Gehörlosen-Verbände, die wir zur weiteren Optimierung der mobilen
Anwendung ganz herzlich einladen möchten", hält Mag. Cornelia RECHEIS
Projektkoordinatorin der Plattform Patientensicherheit, fest.

Kommunikative Barrierefreiheit in der medizinischen Versorgung

"Aufgrund der geringen Anzahl an Gebärdensprachdolmetscher in
Österreich sind die Kosten für einen Dolmetscheinsatz mittlerweile
sehr hoch. Rund ein Drittel des Dolmetschbedarfs im Bereich der
Gebärdensprache kann derzeit in Österreich nicht erfüllt werden",
zeichnet Dr. Maria Kletecka-Pulker, Geschäftsführerin der Plattform
Patientensicherheit, ein Bild der bisherigen Situation. Die
Verwendung von Gebärdensprachdolmetschern beschränkte sich bis dato
also hauptsächlich auf das Notwendigste. Das soll sich nun im Zuge
des Projektes gänzlich ändern und eine rasche Unterstützung und
Information für Betroffene flächendeckend ermöglichen - etwa bei
Behördengängen, Bankterminen und vor allem auch bei spontanen
Arztbesuchen. Gebärdensprachdolmetscher sind von Montag bis Freitag
via mobiler Endgeräte erreichbar. Durch die mobile Anwendung hat die
gehörlose Bevölkerung nun endlich die freie Wahl des behandelnden
Arztes und der Besuch einer Ordination wird jederzeit und ohne
terminliche Voranmeldung möglich. "In der Beziehung zwischen
Patienten und Gesundheitspersonal, besonders Ärzten, ist ein reger
Informationsaustausch zur Erzielung der bestmöglichen Therapie
notwendig. Verstehen und verstanden werden ist ein grundlegendes
Patientenrecht, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit in einem
hoch entwickelten Gesundheitssystem sein sollte", begrüßt Dr. Gerald
BACHINGER, Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte das Projekt
Gebärdensprachdolmetscher am Display. "Alles was dabei unterstützt,
ein Leben mit möglichst geringen Einschränkungen zu führen, ist
gesundheitsförderlich. Gerade die Beeinflussung der Lebensbedingungen
ist ein Kernanliegen der Gesundheitsförderung", so Oberhauser, die
im Zuge der Pressekonferenz auch auf den Internationale Tag der
Gehörlosen am 27. September verweist.

Kostenlose Anwendung für Ärzte und Patienten

Seinen Ursprung hat das neue Pilotprojekt in der Initiative
"Videodolmetschen im Gesundheitswesen", welche 2013 ein
Dolmetschservice in zahlreichen Behörden, Krankenhäusern und
Versicherungsanstalten implementierte. "Das Projekt zeigte klar, dass
die Etablierung von Videodolmetschen die Behandlungsqualität erhöht
und eine wichtige Unterstützung des Gesundheitspersonals darstellt",
so Kletecka-Pulker. Nun richtet man den Fokus gezielt auf gehörlose
Privatpersonen. Hierfür wird die Plattform Patientensicherheit und
SAVD Videodolmetschen von Partnern wie dem Fond Gesundes Österreich,
dem Bundesministerium für Gesundheit oder dem Bundesministerium für
Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz unterstützt. Diese
Zusammenarbeit ermöglichte es auch, dass die Anwendung für Hausärzte
wie Patienten kostenlos in Anspruch genommen werden kann. Einzige
Voraussetzung ist ein LTE/4 G-fähiges Endgerät und ein
Mobilfunkstandard von optimal 4G.

Information und Nutzung via www.gehoert.org

Mit Oktober 2015 kann das Dolmetschservice bereits auf der Homepage
www.gehoert.org verwendet werden. Diese bietet gleichzeitig
umfassende Informationen zum Projekt und zur Anwendung. Arztpraxen,
die mit Gebärdensprachdolmetsch arbeiten, werden registriert und eine
aktuelle Liste ist für gehörlose wie hörbeeinträchtigte Personen
jederzeit abrufbar.

Über die Plattform Patientensicherheit:

Die Österreichische Plattform Patientensicherheit wurde im November
2008 im Zuge des Projekts EUNetPAS (7. EU-Rahmenprogramm) und auf
Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit gegründet. Damit
konnte erstmals eine systematische Bearbeitung von aktuellen
Themenfeldern zur Patientensicherheit in Österreich gestartet werden.
Ziel und Strategie dieses Expertenforums ist die Etablierung und das
Betreiben eines unabhängigen, dynamischen und konstruktiven
Netzwerkes, dem die wesentlichen Einrichtungen und Experten des
österreichischen Gesundheitssystems angehören, die sich mit
Patientensicherheit beschäftigen. Im Zentrum der Arbeit steht die
Förderung der Patienten- und Mitarbeitersicherheit in Österreich
durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und
Information. Schwerpunkte und Handlungsfelder der Patientensicherheit
sollen identifiziert und analysiert werden, um daraus
interdisziplinär Lösungen zu entwickeln und zu verbreiten.

Weitere Informationen unter:
www.gehoert.org
www.plattform-patientensicherheit.at

Bilder zur Pressekonferenz finden Sie unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7110

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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